Santésuisse: Prämien dürften 2019 weniger als 3 Prozent ansteigen

Santésuisse: Prämien dürften 2019 weniger als 3 Prozent ansteigen

Bern – Die Krankenkassenprämien dürften 2019 durchschnittlich um weniger als drei Prozent steigen. Der Krankenkassenverband Santésuisse will dennoch Versicherte, Ärzte, Spitäler und den Staat zusätzlich in die Pflicht nehmen. Vorschläge zum Dämpfen der Gesundheitskosten kommen auch von den Apotheken.

Als „unterdurchschnittliches Wachstum“ und damit „weniger schlimm als auch schon“, bezeichnete Santésuisse-Direktorin Verena Nold am Mittwoch vor den Medien in Bern den zu erwartenden durchschnittlichen Prämienaufschlag in der obligatorischen Krankenversicherung für das kommende Jahr.

Viele junge Erwachsene werden 2019 zudem von einer Prämiensenkung profitieren können. Die Krankenversicherer können nämlich Erwachsenen im Alter von 19 bis 25 Jahren die Entlastung im Risikoausgleich in Form tieferer Prämien weitergeben. Wenn die Krankenkassen diese vollständig weitergeben, bedeutet dies eine Einsparung von 90 bis 100 Franken.

Genauere Angaben, um wie viel die Durchschnittsprämien im kommenden Jahr steigen werden, wird Gesundheitsminister Alain Berset nächste Woche machen.

„Atempause“ nutzen
Mit Blick auf die Entwicklung der Gesundheitskosten im vergangenen Jahr sprach Nold von „einer Atempause“. 2017 seien die Gesundheitskosten pro Person in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung mit einem Anstieg von 1,7 Prozent unter dem langjährigen Schnitt geblieben.

Doch Santésuisse gibt keine Entwarnung. Erfolge jetzt keine Korrektur, sei im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Kosten in der obligatorischen Krankenversicherung von über drei Prozent zu rechnen. Das wäre allerdings immer noch tiefer als in der Vergangenheit, betrug doch der durchschnittliche jährliche Kostenanstieg bisher 3,5 bis 4,5 Prozent.

Santésuisse schlägt vor, durch einen jährlichen Auslandpreisvergleich für alle Medikamente die Medikamentenpreise zu senken. Im ambulanten Bereich könnten bei den Ärzten Pauschaltarife eingeführt werden. Patienten würden sich zudem nicht an Kantonsgrenzen halten, daher sei eine bessere kantonsübergreifende Planung notwendig.

Erhöhung der Mindestfranchise
Qualität und Effizienz der medizinischen Leistungen liessen sich durch Spezialisierungen von Spitälern verbessern. Santésuisse verwahrte sich hingegen gegen einen Kurswechsel in der Pflegefinanzierung. Die Kantone sollten nicht zu Lasten der Versicherer entlastet werden, sonst würden „massive Kostenschübe“ in der obligatorischen Krankenversicherung drohen.

Zur Kasse bitten will Santésuisse auch die Versicherten. Die Mindestfranchise von heute 300 Franken könnte auf 500 Franken erhöht werden. Der Verband regt auch an, eine Gebühr für Bagatellfälle im Spitalnotfalldienst von 50 Franken einzuführen.

Sparvorschläge der Apotheker
Vorschläge zur Reduktion der Gesundheitskosten machten am Mittwoch auch Apotheker. Eine Allianz von Schweizerischem Apothekerverband PharmaSuisse, Intergenerika, der Interessengemeinschaft Schweizer Pharma KMU und weiteren Apothekervereinigungen wehrt sich dagegen, dass im Gesundheitswesen bei Einsparungen „erneut“ bei Apotheken, Spitalapotheken und Hausärzten angesetzt werden soll.

Die Allianz ist überzeugt, dass beispielsweise mit einer stärkeren Durchdringung mit Generika 200 Millionen Franken eingespart werden könnten. Es brauche wirkungsvolle Anreize, um die Abgabe von Generika zu fördern.

Ein jährliches Einsparpotential von mindestens 100 Millionen Franken könnte durch eine höhere Therapietreue von Patienten erzielt werden. Weitere 100 Millionen Franken könnten bei einer bedürfnisorientierten Medikamentenabgabe eingespart werden. Heute landeten nämlich zahlreiche Medikamente ungenutzt im Abfall, weil sie nicht eingenommen oder in falschen Packungsgrössen abgegeben würden.

Mit solchen und weiteren Massnahmen könnten nach Ansicht der Apothekenvertreter insgesamt 500 Millionen Franken gespart werden. (awp/mc/ps)

Santésuisse

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