Schweiz fordert Zurückhaltung – Personen können nicht ausreisen
Bern – Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran hat das EDA keine Kenntnis von verletzten oder getöteten Schweizer Staatsangehörigen in der Region. Mehrere Personen können aber wegen Flugverkehr-Einschränkungen nicht ausreisen. Die Schweiz forderte von allen Parteien Zurückhaltung und eine Deeskalation der Lage.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. US-Präsident Donald Trump erklärte, Ziel sei ein Machtwechsel in Teheran. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu begründete die Angriffe mit der atomaren Bedrohung durch den Iran. Die Islamische Republik reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in mehreren Golfstaaten.
Seit Ausbruch der Kampfhandlungen hätten sie auf ihrer Helpline über dreihundert Anfragen beantwortet, teilte der Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Michael Steiner, am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Das Ministerium habe dessen Kapazitäten deshalb aufgestockt. Sie stünden ausserdem in Kontakt mit denjenigen Schweizerinnen und Schweizern, die aufgrund von Einschränkungen im Luftverkehr die Region nicht verlassen können. Diese würden «im Rahmen der Möglichkeiten» unterstützt.
Das EDA führe aber keine organisierten Ausreisen für Schweizer Staatsangehörige durch. Personen, die ausreisen wollen, sollten sich bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern über die Möglichkeiten informieren und die verfügbaren kommerziellen Transportmittel nutzen. Das EDA rufe Schweizerinnen und Schweizer vor Ort dazu auf, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen und sich auf der App TravelAdmin zu registrieren. Der Touring Club Schweiz (TCS) rechnet derweil mit fast 1500 Schweizerinnen und Schweizern, die weltweit gestrandet sind.
Botschaften bleiben in Betrieb
Alle Schweizer Botschaften in der Region sind gemäss den EDA-Angaben weiterhin operationell. Das Personal sei wohlauf und es gebe keine Schäden an der Infrastruktur. Alle Vertretungen verfügten über Sicherheits- und Krisendispositive, die Notfallplanungen enthalten.
Vier der zehn verbliebenen Mitarbeitenden der Schweizer Botschaft in Teheran wurden am Samstag in die Schweiz zurückbeordert. Wegen des gesperrten Luftraums war ihr Abflug jedoch nicht mehr möglich. Sechs weitere Mitarbeitende bleiben vorerst in der Botschaft in Teheran.
Das Personal war bereits in den Tagen zuvor von 14 auf 10 Personen reduziert worden. Für die Angestellten in Teheran seien in einem Keller Betten aufgestellt worden. Die fünf EDA-Mitarbeitenden in der Botschaft in Tel Aviv können sich bei Luftalarm in Bunker zurückziehen.
Parmelin fordert Rückkehr zur Diplomatie
Bereits am Samstag hatte das EDA mit tiefer Besorgnis auf die Angriffe der USA und Israels reagiert. Es forderte die uneingeschränkte Einhaltung des Völkerrechts, rief alle Parteien zu grösstmöglicher Zurückhaltung auf und verlangte den Schutz der Zivilbevölkerung.
Am Sonntagabend erneuerte Bundespräsident Guy Parmelin die Forderung zur Rückkehr an den Verhandlungstisch. Alle Parteien müssten «Zivilisten und zivile Infrastruktur schützen, unverzüglich deeskalieren und zur Diplomatie zurückkehren», schrieb Parmelin auf der Plattform X. Zuvor hatte sich der Bundespräsident mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate sowie dem Kronprinzen von Kuwait «über die sich rasch verändernde Lage» ausgetauscht. Eine weitere Destabilisierung der Region müsse verhindert werden.
Als Schutzmacht vertritt die Schweiz seit 1980 die Interessen der USA im Iran. Dieser Kommunikationskanal zwischen Teheran und Washington sei derzeit besonders wichtig und stehe zur Verfügung, so das EDA. Die Schweiz sei bereit, jeden diplomatischen Prozess zu unterstützen, der zur Deeskalation führe.
Tausende Schweizer in der Region
Am Sonntag weitete das EDA seine Reisewarnungen für den Nahen Osten aus. Neu rät es auch von touristischen und nicht dringenden Reisen nach Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Zuvor hatte das EDA bereits von Reisen nach Israel abgeraten. Für den Iran gilt ein solcher Hinweis schon seit einiger Zeit.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind laut EDA-Angaben rund 5200 Personen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer registriert, hinzu kommen knapp 900 Reisende. In Israel sind rund 25’000 Personen im Auslandschweizerregister angemeldet und rund 100 auf der Reise-App Travel Admin.
In Saudi-Arabien sind rund 540 Auslandschweizer gemeldet, in Katar rund 350 und im Iran rund 180. Eine deutliche Mehrheit der in Iran registrierten Personen besitzt auch die iranische Staatsbürgerschaft.
In weiteren Ländern wie Oman, Kuwait und Bahrain leben jeweils rund 100 bis 120 Schweizer Staatsangehörige. In Oman sind 180 Schweizer Reisende gemeldet, in Kuwait, Bahrain und Jemen nur eine tiefe einstellige Zahl.
Flugzeuge können nicht fliegen
Die Eskalation hat auch Folgen für den Flugverkehr. Die Swiss verlängerte wegen der angespannten Lage im Nahen Osten die Aussetzung ihrer Flüge nach Dubai und Tel Aviv. Verbindungen nach Dubai fallen bis und mit Mittwoch 4. März aus, jene nach Tel Aviv bis und mit Sonntag 8. März.
Die Massnahmen betreffen auch die Routenführung. Bis zum 4. März werden die Flugzeuge der Swiss den Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate nicht nutzen. Bis zum 8. März meidet die Airline zudem die Lufträume von Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Iran, Kuwait und Bahrain.
Am Flughafen Zürich sassen am Sonntag drei Flugzeuge von Golf-Airlines fest. Der Flughafen Zürich hat aber keine Informationen von Passagieren, die seit dem Ausbruch des Krieges gegen den Iran in Zürich gestrandet wären.
Am Flughafen Genf werden normalerweise zwei Flüge pro Tag von Emirates (Dubai), Qatar Airways (Doha) und Etihad Airways (Abu Dhabi) durchgeführt. Seit Samstagmorgen bedienen diese Fluggesellschaften jedoch keine Ziele in der Region mehr. Ansonsten verlaufe der Betrieb an den Schaltern am Flughafen geregelt, hiess es auf Anfrage. (awp/mc/pg)