SGS erholt sich vom Corona-Schock und kauft Synlab-Prüfsparte

SGS erholt sich vom Corona-Schock und kauft Synlab-Prüfsparte
SGS-Hauptsitz in Genf. (Foto: SGS)

Genf – Der Warenprüfkonzern SGS wagt einen Wachstumsschritt: Nachdem die Genfer in der Vergangenheit zumeist kleinere Firmen dazugekauft haben, soll mit der Übernahme der Synlab-Prüfsparte das Geschäft mit Umwelt- und Lebensmitteltests deutlich vergrössert werden. Zugleich erholt sich SGS rascher als erwartet vom Corona-Schock.

Der Umsatz ist zwar von Juli bis Oktober organisch, also ohne Zukäufe und Währungseinflüsse, um knapp 4 Prozent gesunken, wie es am Dienstag hiess. Doch verglichen mit den -10 Prozent der ersten Jahreshälfte sowie deutlicheren Rückgängen von Konkurrenten, sieht SGS-Chef Frankie Ng sein Unternehmen auf Kurs.

Insbesondere der chinesische Markt habe sich vom Corona-Einbruch gut erholt, sagte Ng an einer Telefonkonferenz. Die lokale Nachfrage sei in den Testlabors für Schutzausrüstung wie Schutzmasken stark gewachsen. Aber auch der Bereich Konnektivität, wo mit Tests der Aufbau des 5G-Netzes unterstützt wird, legte zu.

Zukauf in Deutschland
Konsumgüter und Konnektivität sind zwei von vielen Geschäftsfeldern, denen SGS in Zukunft viel Beachtung schenken will. Weiter zählen auch Umwelt und Lebensmittel dazu und dort tätigen die Genfer nun den grössten Zukauf der letzten Jahren. Der Münchner Synlab-Gruppe kaufen sie zum Preis von „voraussichtlich“ 550 Millionen Euro die Prüfsparte Analytics & Services (A&S) ab. Bezahlt wird der Kauf aus bestehenden Mitteln, hiess es.

A&S generierte 2019 mit 2’000 Mitarbeitenden in 37 Testlabors einen Umsatz von 202 Millionen Euro. 60 Prozent davon stammten aus Umwelttests, 20 Prozent aus Lebensmitteltests und je 10 Prozent aus Tests in den Bereichen Biowissenschaften und Ölreinheitsüberwachung. Die Umsätze der zahlreichen früher von SGS getätigten Übernahmen bewegten sich zumeist nur im einstelligen Millionenbereich.

Mit A&S baue SGS auch die geographische Präsenz aus, sagte Finanzchef Dominik de Daniel. Während die Gruppe künftig in Deutschland und den Niederlanden stärker vertreten sein wird, gleicht der Ausbau des Geschäfts in Skandinavien eigentlich einem Markteintritt. Im Norden Europas ist SGS im zugekauften Geschäft noch kaum vertreten.

Marge steigt
Der Zukauf werde auch Synergien freilegen und zur Steigerung der Profitabilität beitragen, fuhr der Finanzchef fort. Er rechnet damit, dass in den kommenden drei Jahren ein Synergiepotenzial im Bereich von 15 bis 20 Millionen Franken realisiert werden kann.

Bereits im laufenden Jahr hat es SGS geschafft, die operative Marge nach dem Corona-Dämpfer zu verbessern. Von Juli bis Oktober sei das Betriebsergebnis dank Sparmassnahmen im mittleren einstelligen Prozentbereich angestiegen, was einen Margensprung ausgelöst habe, hiess es.

Konkrete Zahlen zur Margenentwicklung wurden allerdings keine genannt. Zur Erinnerung: In der ersten Jahreshälfte fiel die bereinigte EBIT-Marge um zwei Punkte auf 12,5 Prozent zurück. Erklärtes Ziel war es eigentlich, die Marge bis Ende Jahr auf 17 Prozent zu steigern.

Neues Strategieprogramm
Doch die Coronakrise machte SGS einen Strich durch die Rechnung. Und nun muss sich die Gruppe mit der zweiten Pandemiewelle und weiteren Lockdowns auseinandersetzen, was Prognosen für 2020 verunmögliche, hielt Frankie Ng fest. Immerhin würden die Geschäfte in Europa verglichen mit dem Frühjahr deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen.

In der Zwischenzeit hat das Management an der Planung für die Jahre bis 2023 gearbeitet. Im Kern will SGS den Megatrends im Prüfgeschäft folgend die Organisation vereinfachen und die Zahl der Divisionen von acht auf fünf reduzieren. „Wir haben einen guten Plan mit ambitiösen Zielen aufgestellt“, versicherte der CEO.

Weitere Ausschnitte aus dem neuen Strategieplan werde man Ende Januar anlässlich der Bilanzmedienkonferenz präsentieren. Und die Details sollen am Investorentreffen im Mai folgen.

An der Börse haben die Anleger die News vom Dienstag mit Applaus aufgenommen. Im ansonsten schwachen Gesamtmarkt (SMI: -0,6%) rückten die SGS-Papiere am frühen Dienstagnachmittag um beinahe 4 Prozent vor. Begrüsst wird vor allem die Margensteigerung, aber auch an der A&S-Übernahme finden Analysten Gefallen. (awp/mc/ps)

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