Sulzer 2014 wegen Abschreiber mit Verlust

Klaus Stahlmann

Sulzer-CEO Klaus Stahlmann. (Foto: Sulzer)

Winterthur – Der Industriekonzern Sulzer hat im Geschäftsjahr 2014 Auftragseingang und Umsatz auf bereinigter Basis mehr oder weniger gehalten. Wegen eines grossen Abschreibers auf dem Wassergeschäft resultierte aber ein Verlust. Unter Ausklammerung dieses Effekts wurde die operative Marge leicht verbessert, liegt aber noch immer klar unter dem Niveau, das noch vor dem Verkauf der Division Metco erzielt wurde. Sulzer hat sich deshalb ein weiteres strategisches Fitness-Programm verschrieben. Für das Geschäftsjahr 2015 erwartet das Unternehmen Gegenwind aus dem wichtigen Öl- und Gassektor und prognostiziert deshalb ein Nullwachstum.

Der Bestellungseingang nahm um 2,7% auf 3,16 Mrd CHF ab und der Umsatz um 1,6% auf 3,21 Mrd. Akquisitions- und währungsbereinigt ergab sich ein Minus von 0,6% für die Bestellungen, wogegen der Umsatz um 0,7% anzog.

Wachstum im Servicegeschäft
Das Servicegeschäft habe sich kräftig entwickelt und ein bereinigtes Wachstum von 4,8% für die Division Rotating Equipment Services erreicht, teilt Sulzer am Donnerstag mit. Die Division Pumps Equipment wies einen bereinigten Rückgang des Bestellungseingangs um 1,2% aus, Chemtech erlitt gar ein Minus von 3,2%, dies vor allem wegen einer geringeren Anzahl von Grossprojekten.

Grosser Abschreiber auf Wassergeschäft
Der EBIT legte gegenüber dem Vorjahr auf vergleichbarer Basis und vor Goodwill-Wertminderung um 2,6% auf 271,0 Mio CHF zu und die EBIT-Marge auf 8,4% von 8,1%. Allerdings nahm Sulzer auf die Geschäftseinheit Water eine Goodwill-Wertminderung von 340 Mio vor. Unter Berücksichtigung dieser Korrektur ergab sich ein Betriebsverlust von 69 Mio. Der Abschreiber sei auf die angepassten Prognosen zum künftigen Wachstum und auf die Profitabilitätsannahmen zurückzuführen, welche die erwartete Marktentwicklung reflektierten, sagte CEO Klaus Stahlmann an der Bilanzmedienkonferenz. Er bezeichnete das Geschäftsjahr 2014 denn auch als «unbefriedigend».

Der Reinverlust mit den fortgeführten Aktivitäten lag bei knapp 158 Mio CHF. Inklusive des Gewinns aus den nichtfortgeführten Aktivitäten, also vor allem dank des Nettogewinns aus der Veräusserung von Sulzer Metco, lag der den Aktionären zustehende Reingewinn bei 275 Mio. Die Dividende soll auf 3,50 von 3,20 CHF im Vorjahr erhöht werden. Gleichzeitig gab Sulzer eine Änderung der Ausschüttungspraxis bekannt. Neu sollen 40 bis 70% des Gewinns ausgeschüttet werden, davor galt als Vorgabe rund ein Drittel.

Währungsschwankungen: Auswirkungen halten sich in Grenzen
Zur Währungssituation schreibt Sulzer, dass sich abgesehen vom Währungseffekt die Auswirkungen der Schwankungen in Grenzen halten würden. Die Belastung durch Währungseffekte lag bei 89,9 Mio CHF. Die Abwertung des brasilianischen Reals, des russischen Rubels und des US-Dollars wirkten sich ungünstig aus, wogegen die Aufwertung des britischen Pfunds einen positiven Effekt auf den nominalen Bestellungseingang hatte. Finanzchef Thomas Dittrich bezifferte den negativen Translationseffekt auf den Umsatz unmittelbar nach dem SNB-Entscheid zur Entkoppelung des Frankens vom Euro auf 10 bis 11%. Ende der vergangenen Woche lag dieser Effekt noch bei 6%.

Gegenwind durch Ölpreis
Für 2015 erwartet Sulzer bereinigt um Währungseffekte einen leicht rückläufigen Bestellungseingang und einen gehaltenen Umsatz. Um die Transparenz weiter zu erhöhen, werde mit dem operativen EBITA ein neuer Performanceindikator eingeführt. Für diesen wird für 2015 ebenfalls ein Ergebnis auf Vorjahresniveau erwartet. Ab Ende 2017 soll diese Marge gemäss der offiziellen neuen Mittelfristprognose um 4 bis 6 Prozentpunkte höher liegen. Zur Erreichung dieses Ziels, hat Sulzer die Einführung eines weiteren strategischen Programms unter dem Namen «Full Potential» angekündigt.

«Wir werden 2015 bereits erste Ergebnisse unserer Massnahmen zur Verbesserung der operativen Performance sehen. Ohne diese, wäre die Marge 2015 wegen des schwierigen Öl- und Gasmarkts rückläufig», erklärte Stahlmann. 2016 sollen sich gemäss dem Sulzer-Chef die Margen weiter verbessern und bis Ende 2017 das volle Ausmass der operativen Verbesserungen reflektieren. «Der tiefe Ölpreis bedeutet für unser Geschäft Gegenwind. Wir sind deshalb vorsichtig, Panik herrscht deswegen aber nicht», so Stahlmann.

An der Börse verzeichnen die Sulzer-Aktien bis Handelsende ein Plus von 6,8%, vorübergehend hatten sie noch stärker zugelegt. Die Zahlen des Industriekonzerns seien überwiegend besser als erwartet ausgefallen, kommentieren Analysten. (awp/mc/upd/pg)

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