Sunrise-IPO: Markt-Kapitalisierung von 3 Mrd Fr. erwartet

Libor Voncina

Sunrise-CEO Libor Voncina. (Foto: Sunrise)

Zürich – Sunrise will den angekündigten Börsengang in den nächsten anderthalb Wochen über die Bühne bringen. Das Telekommunikationsunternehmen rechnet mit einer Marktkapitalisierung von rund 3 Mrd CHF. Die britische Beteiligungsgesellschaft CVC gibt die Mehrheit ab, bleibt aber vorläufig Ankeraktionärin.

Als Sunrise den Börsengang vor knapp zwei Wochen ankündigte, war von einem Zeitfenster von einem halben Jahr die Rede. Wegen der Volatilität der Finanzmärkte sei Flexibilität gefragt, hiess es damals zur Begründung. Jetzt soll es doch ganz rasch gehen. Der Börsengang werde voraussichtlich am Freitag in einer Woche, dem 6. Februar, stattfinden, teilte Sunrise am Dienstag mit.

Streubesitz von mindestens 51,1 %
Sunrise gab am Dienstag Eckwerte für das IPO bekannt. So sollen 17,3 bis 23,3 Mio neue Aktien zu 58 bis 78 CHF ausgegeben werden. Darüber plant die heutige Besitzerin, die britische Beteiligungsgesellschaft CVC, 4,3 Mio Papiere aus ihrem Bestand auf den Markt zu bringen – was ihr je nach definitivem Ausgabepreis zwischen 250 und 335 Mio CHF in die Kasse spülen wird. Ausserdem steht bei grosser Nachfrage eine Mehrzuteilungsoption von maximal 4,1 Mio Titel aus den bestehenden Papieren zur Verfügung – was CVC nochmals eine hübsche Summe einbringen würde.

Diese Eckwerte führen laut Sunrise zu einer Marktkapitalisierung von 2,8 bis 3,3 Mrd CHF. Der Streubesitz wird je nach Anzahl ausgegebener Papiere und je nach Ausübungsgrad der Mehrzuteilungsoption zwischen 51,1% und 65,7% betragen. CVC, die heute 90% an Sunrise besitzt, gibt somit die Mehrheit am Unternehmen ab.

Schuldenabbau geplant
Die neuen Aktien, die ausgegeben werden, entsprechen einer Kapitalerhöhung in der Grössenordnung von rund 1,35 Mrd CHF. Damit will das Unternehmen seinen Schuldenberg abtragen. CFO André Krause geht davon aus, dass sich die Schulden auf rund 1,7 Mrd von aktuell 2,9 Mrd CHF zurückbilden werden, wie er am Dienstag an einer Medienkonferenz sagte.

Dies hat positive Auswirkungen auf die zukünftigen Erfolgsrechnungen. Krause rechnet damit, dass sich die Zinslast auf jährlich 55 bis 60 Mio CHF gegenüber heute 215 Mio CHF verringern wird. Im Geschäftsjahr 2015 werde der Effekt allerdings noch nicht vollumfänglich zum Tragen kommen. Krause geht aktuell von einer Zinslast von 82 bis 86 Mio CHF für 2015 aus.

Starker Franken kein Hinderungsgrund
«Wir haben uns den Gang an die Börse gut überlegt», sagte Verwaltungsratspräsident Dominik Koechlin an der Medienkonferenz. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Das Management führte dafür insbesondere erste Kennzahlen des vierten Quartals 2014 an, die die wiedergewonnene Wachstumsdynamik des Unternehmens zeigen sollen.

Demnach konnte Sunrise im vierten Quartal im Mobilfunkbereich erneut Kunden gewinnen; und das Fixnet- und TV-Geschäft entwickelte sich so erfreulich wie seit langem nicht mehr. «Es ist deshalb der richtige Zeitpunkt für das IPO», kommentierte CEO Libor Voncina. Zuversichtlich ist er auch für das Geschäftskundensegment: «Mit einem Marktanteil von nur 9% haben wir in diesem Bereich viel Wachstumspotenzial.»

Kein Hinderungsgrund für den Börsengang war der starke Franken. «Wir sehen das nicht als grosses Problem, sondern eher als Chance», sagte VRP Koechlin. Die Abwertung des Euro werde zum Beispiel die Refinanzierungskosten senken.

CVC zieht noch keine Bilanz
Noch offen ist die Frage, wie sehr sich für CVC die Beteiligung gelohnt hat. Für eine Bilanz sei es noch zu früh, meinten Vertreter von CVC am Dienstag. Die Briten hatten Sunrise 2010 für 3,3 Mrd CHF gekauft, einen Teil des Kaufpreises Sunrise allerdings als Schulden aufgebürdet.

Die nun angepeilte Marktkapitalisierung von rund 3 Mrd CHF könnte dennoch Fragen auslösen, nachdem die deutlich kleinere Orange kürzlich für umgerechnet 2,8 Mrd CHF an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel ging. CVC plant allerdings nach dem IPO keinen sofortigen Abschied: Eines Tages werde Sunrise zwar voll an der Börse kotiert sein. «Das ist aber eine Frage von Jahren, nicht von Monaten», sagte der CVC-Telekomverantwortliche Lorne Somerville am Rande der Medienkonferenz. (awp/mc/pg)

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