Swatch erwartet starke Erholung nach Einbruch im ersten Halbjahr

Nick Hayek
Swatch-Konzernchef Nick Hayek. (PPR/Valentin Flauraud)

Biel – Der Bieler Uhrenkonzern Swatch rechnet nach dem durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten starken Einbruch in der ersten Jahreshälfte mit einer deutlichen Erholung der Nachfrage. Das Unternehmen hat mit Produktionssenkungen, Ladenschliessungen und Entlassungen auf die Krise reagiert. Gegen Ende des Halbjahres habe der Gesamtkonzern wieder ein positives Betriebsergebnis erreicht und auch im Gesamtjahr soll auf dieser Stufe ein Gewinn ausgewiesen werden.

Die staatlichen Covid-19 Massnahmen haben den Konzern ab Februar mit voller Wucht getroffen, wie es in der Mitteilung vom Dienstag heisst. Zeitweise seien bis zu 80 Prozent der Distributionskanäle weltweit geschlossen gewesen, betont das Unternehmen. Teilweise blieb einzig der Onlinehandel möglich, was hier zu hohen zweistelligen Wachstumsraten geführt habe. Entsprechend schrumpfte der Nettoumsatz von Swatch im Halbjahr um 43 Prozent auf 2,20 Milliarden Franken. Der starke Schweizer Franken habe den Umsatz um 4,9 Prozent reduziert.

Kurzarbeit in der Produktion – Ladenschliessungen
Als Reaktion hat Swatch die Produktion von Uhren, Schmuck und Komponenten auf ein Minimum reduziert und für einen bedeutenden Teil des Personalbestandes wurde Kurzarbeit beantragt. Auch die bereits im Vorjahr gestartete Straffung des Retail-Netzes wurde beschleunigt. Im ersten Halbjahr wurden rund 260 Geschäfte definitiv geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter im Ausland reduziert. Von Ende 2019 bis Ende Juni verringerte sich der Personalbestand um 6,5 Prozent auf rund 33’700 Personen. Auch die Kosten bei Einkauf, Produktion, Marketing und Mieten wurden deutlich gesenkt. Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung seien hingegen unverändert weitergeführt worden.

Die fehlenden Verkäufe schlugen direkt auf das Ergebnis durch. Auf Stufe EBIT resultierte ein Betriebsverlust von 327 Millionen Franken nach einem Plus von 547 Millionen im Jahr zuvor. Und am Ende der Erfolgsrechnung blieb ein Reinverlust von 308 Millionen nach einem Gewinn von 415 Millionen. Mit den vorgelegten Zahlen lag Swatch etwas unter den Markterwartungen.

Anzeichen für hohe Kundennachfrage
Swatch sieht jedoch klar positive Anzeichen für eine nachhaltige und „sehr hohe“ Kundennachfrage, und zwar in allen Preissegmenten. Das zeige die Entwicklung in den Ländern, in denen der Lockdown bereits überwunden sei. So habe etwa Festland-China im Mai und Juni gegenüber Vorjahr ein zweistelliges Wachstum erreicht. Im Monat Juni habe der Gesamtkonzern wieder ein positives Betriebsergebnis erzielt, wird weiter betont.

Entsprechend rechnet Swatch mit einem „starken zweiten Halbjahr“ und mit einem positiven Betriebsergebnis für das Gesamtjahr.

Der Umsatzeinbruch und der Betriebsverlust waren von den Analysten erwartet worden, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Die erwartete starke Erholung und der positive Ausblick stützten den Aktienkurs zudem. Swatch Inhaber beendeten den Handelstag denn auch um 0,5 Prozent höher bei 196,30 Franken (SMI -0,4%). (awp/mc/ps)

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