Swiss-Regionalpiloten können auch neue Langstrecken-Boeing fliegen

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Ausgedient: Avro RJ100 (Jumbolino) der Swiss. (Foto: Swiss/Markus Guler/Flickr)

Swiss Avro RJ100 (Jumbolino). (Foto: Swiss/Markus Guler/Flickr)

Kloten – Die Swiss bricht mit ihrer Vergangenheit und überwindet ein bisschen die starren Fronten zwischen Regional- und Langstreckenpiloten. Nachdem die Fusion der beiden Pilotenkorps am Nein der Airbus-Piloten gescheitert war, hat die Swiss mit den Regionalpiloten einen neuen GAV abgeschlossen.

Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag «GAV14 Plus» können die bisher tiefer entlöhnten Regionalpiloten auch die künftigen Langstreckenjets Boeing 777 fliegen, die ab 2016 eintreffen sollen. Damit wird die Luft für die bisher besser gestellten Langstreckenpiloten der Airbus-Flotte dünner. «Wenn wir unsere Arbeitsplätze in der Schweiz behalten wollen, müssen wir uns bewegen. Sonst sind die Arbeitsplätze bald weg und bei den Golf-Airlines», sagte Swiss-Flugbetriebschef Rainer Hiltebrand am Mittwoch vor den Medien in Kloten.

Die Airlines vom Persischen Golf wollten die Verkehrsströme von Europa nach Asien über ihre dortigen Drehscheiben lenken. «Dann braucht es kein Flugverkehrsdrehkreuz in Zürich mehr und auch nicht in Singapur», sagte Hiltebrand. Angesichts der Offensive der Golf-Airlines, die hunderte neue Flugzeuge bestellt haben, «müssen wir uns warm anziehen».

Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich
Der neue GAV14 Plus mit den Regionalpiloten, die im Verband IPG organisiert sind, stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Swiss. Langfristig könnten Kosten im «substantiellen zweistelligen Millionenbereich» eingespart werden, erklärte Hiltebrand. Der GAV14 Plus gelte bis März 2019. Er ermögliche den bisherigen Jumbolino-Piloten neue Karrierechancen auf der Langstrecke. Denn die künftigen Langstreckenjets Boeing 777, die ab 2016 kommen sollen, können nur von Piloten geflogen werden, die dem neuen GAV beitreten.

Dies stösst den Swiss-Langstreckenpiloten sauer auf, die im Verband Aeropers organisiert sind und einen eigenen und besser dotierten GAV haben, der noch bis Ende 2016 gilt. Aeropers war bislang der Meinung, dass die B777 von den Piloten ihrer Vereinigung geflogen werden müssten.

Lohneinbussen für Airbus-Piloten
Allerdings steht der neue GAV14 Plus auch den Airbus-Piloten offen. Bis zu zwei Drittel der Langstrecken-Positionen seien vorgesehen für Übertritte aus dem Airbus-Corps, sagte Hiltebrand. «Es hat genug Arbeit für alle Swiss-Piloten. Es ist nur ein Wechseln der Gesamtarbeitsverträge», sagte IPG-Präsident Rolf Fritschi. Damit verbunden seien allerdings Lohneinbussen für die Airbus-Piloten, gestand Hiltebrand ein. Der Spitzenlohn auf der Langstrecke sei im neuen GAV14 Plus um gut 5% tiefer als im jetzigen GAV der Airbus-Piloten.

Die Swiss hätte auch Piloten von aussen holen können, sagte Hiltebrand: «Das haben wir bewusst nicht gemacht.» Falls die Airbus-Piloten sich aber hart zeigten und zu wenige in den neuen GAV wechselten, werde man die Leute anderswo herholen. «Ich kann niemanden zwingen, eine B777 zu fliegen.»

Aeropers-GAV wird eingehalten
Eines stellte Hiltebrand klar: «Wir werden den bisherigen GAV mit den Airbus-Piloten einhalten», sagte Hiltebrand. Langfristig wird der Horizont für die Airbus-Piloten aber enger. Durch die Erneuerung der Flotte wird der Bestand an Airbus-Maschinen schrumpfen. Deshalb habe die Swiss für alle Piloten einen einzigen GAV abschliessen wollen.

Dieser Anlauf zur Überwindung der starren Fronten zwischen den beiden Pilotenkorps, die noch auf die Zeiten von Swissair und Crossair zurückgeht, war im März gescheitert. Damals lehnten die Aeropers-Piloten den gemeinsamen GAV mit 72 Prozent ab.

Die Aeropers-Mitglieder hätten vor allem wegen der geforderten Einschnitte und mangelndem Vertrauen in die Swiss-Geschäftsleitung nein gesagt, erklärte Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann auf Anfrage. Damit waren die Piloten ihrer Verbandsspitze in den Rücken gefallen, die den GAV mit ausgehandelt hatte. Dagegen hatten 98% der Jumbolino-Piloten dem GAV14 zugestimmt. (awp/mc/pg)

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