Tag 1 der „neuen Normalität“: Schulen und Läden geöffnet

Tag 1 der „neuen Normalität“: Schulen und Läden geöffnet
Langsam kehrt das Leben in die Gassen und Strassen zurück. (Foto: Photo by Tomek Baginski on Unsplash)

Bern – Menschen in Cafés, Schüler in Klassenzimmern und geöffnete Läden – die Schweiz hat am Montag nach den Corona-Massnahmen einen Schritt zurück in den Alltag gemacht. Am Tag der zweiten Etappe der Lockerungsschritte machte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zudem Hoffnung auf baldige Normalität, denn nebst den Corona-Fällen nehmen auch Hospitalisierungen und Todesfälle ab.

Wenn es so weitergehe, könnten bald weitere Lockerungen folgen, sagte Daniel Koch, BAG-Delegierter für Covid-19 vor den Bundeshausmedien. Die Bevölkerung habe sich „hervorragend“ an die Empfehlungen gehalten. Die Kurve sei stark am Abflachen, so wurden in der Schweiz und in Liechtenstein innerhalb eines Tages 39 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. Insgesamt gab es 30’344 laborbestätigte Fälle. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 in allen Kantonen zusammen betrug nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Montagabend 1845.

Viel Plexiglas und weiterhin zwei Meter Abstand
Vom Normalzustand wie vor dem Lockdown ist die Schweiz aber momentan noch weit entfernt, denn weiterhin gilt es, Hygienemassnahmen zu beachten. Vieles fühlte sich am Montag an wie in der Zeit vor Corona, manches war allerdings gewöhnungsbedürftig: Etwa das Plexiglas, das vielerorts in Beizen und Läden als Schutz vor Ansteckungen montiert wurde. Omnipräsent waren auch die Plakate, Kleber und Tafeln, die an die Hygieneregeln erinnern – vor allem an die gebotenen zwei Meter Abstand.

Nebst den obligatorischen Schulen durften auch Läden, Cafés, Restaurants, Fitnesscenter, Bibliotheken und Museen ihre Türen öffnen, falls sie Schutzvorkehrungen getroffen haben.

Nur vereinzelt Schutzmasken in ÖV
Auch der öffentliche Verkehr fuhr wieder weitgehend nach Normalfahrplan. Laut SBB-Chef Vincent Ducrot war es eine Herkulesaufgabe, den Fahrplan in so kurzer Zeit wieder hochzufahren.

Reges Treiben herrschte etwa in Bern und Zürich am frühen Morgen aber noch nicht. So waren in Bern die ersten Intercity-Züge aus und nach Zürich und Lausanne mässig ausgelastet, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Die Abstandsregeln konnten dadurch problemlos eingehalten werden. In den Zügen und im Bahnhof trugen Passagiere nur vereinzelt Schutzmasken.

Sommaruga: „Der ÖV ist sicher und zuverlässig“
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zeigte sich erfreut über die Wiederaufnahme des breiteren Angebotes des öffentlichen Verkehrs. Das Wiederaufnehmen des ÖV sei extrem komplex gewesen, sagte Sommaruga. Man wolle, dass die Bevölkerung weiss „der ÖV ist sicher und zuverlässig“, wie sie gegenüber Keystone-SDA sagte.

Es sei aber nicht mehr wie vorher; Putzequippen seien unterwegs, Desinfektionsmittel stünden bereit und auch Postautochauffeure würden in ihren Pausen Reinigungsarbeiten übernehmen. Sommaruga hatte zuvor einen Einblick in das Schutzkonzept der SBB erhalten.

Reisen nur wenn nötig
Im öffentlichen Verkehr fordern SBB und Postauto als Systemführer die Passagiere zum Tragen von Schutzmasken auf, wenn sich der Mindestabstand nicht einhalten lässt. Grundsätzlich gilt: Reisen nur wenn nötig, Stosszeiten vermeiden, Abstandsregeln einhalten. Pendlerinnen und Pendler sollten wann immer möglich auf weniger frequentierte Kurse ausweichen.

Laut SBB werden viel berührte Kontaktflächen in Bahnhöfen und Zügen mehrmals täglich gereinigt. Gemäss ersten Rückmeldungen kommt dies bei den Reisenden gut an. Der Angebotsausbau habe gut geklappt, die Züge seien pünktlich unterwegs gewesen, hiess es weiter.

Viele Schweizerinnen und Schweizer dürften nach wie vor im Homeoffice arbeiten. Ausserdem nehmen Berufs- und Mittelschulen ihren ordentlichen Betrieb erst am 8. Juni wieder auf. Dies führt zu einer Entlastung des öffentlichen Verkehrs und verhindert Dichtestress wie zu Zeiten vor dem Lockdown.

Besonderer Schultag
Auch Schülerinnen und Schüler liessen zum Wiederbeginn der Schule ein wenig Normalität in den Städten und Dörfern aufkommen. Meist in Grüppchen schwatzend, schlenderten sie ihren Schulhäusern entgegen. Nach wochenlangem Homeschooling war es ein Schultag der besonderen Art: Die Kinder wurden über die Spielregeln des neuen Schulalltages wie gründliches Händewaschen und Abstandsregeln aufgeklärt.

Die Schulen seien gut in den neuen Alltag gestartet, sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), gegenüber Radio SRF. Man müsse nun aus der Situation das Beste machen. Einen Normalbetrieb könne man noch nicht erwarten, sagte Rösler. Die Lehrpersonen seien stark mit der Umsetzung von Schutzmassnahmen beschäftigt.

Bei der Öffnung der obligatorischen Schulen herrschen landesweit grosse Unterschiede. Dabei ist die Zurückhaltung in der stärker von der Pandemie betroffenen Westschweiz und im Tessin ausgeprägter als in der Deutschschweiz. Auf das Tragen von Schutzmasken wird an den Schulen verzichtet, da die Kinder sich so natürlich wie möglich verhalten sollen.

Weniger Tische und Plexiglas
Vielerorts tastete sich die Bevölkerung in den Alltag zurück, so auch rund um den Marktplatz in Zürich-Oerlikon, wo am Morgen etwas mehr Betrieb als in den vergangenen Wochen herrschte. In den Restaurants und Cafés, die wieder offen waren, sassen erste Gäste im Lokal verteilt oder draussen an den Tischen.

Einen Kaffee trinken, Kleider kaufen, ein Parfüm ausprobieren: Auch in Biel freuten sich die Menschen über die kleinen Freuden des Alltags, die nun wieder möglich sind. Manch einer musste sich aber zuerst daran gewöhnen, dass sein Stammlokal etwas anders aussah als vor dem Lockdown. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, waren vielerorts Tische aus dem Innern der Lokale entfernt worden. Da und dort behalf sich ein Wirt mit Plexiglas-Wänden zwischen den einzelnen Tischen.

Im besonders vom Coronavirus betroffenen Kanton Tessin waren die Strassen trotz Regenwetter in der Hauptstadt Bellinzona recht belebt. Schutzmasken trugen nur wenige Personen. In den Café-Bars traf man vorwiegend jüngere Gäste.

Im Restaurants sind nur vier Personen oder eine Familie pro Tisch erlaubt. Zwischen den Tischen muss der Mindestabstand eingehalten sein oder eine Trennwand stehen. Die Angabe von Kontaktdaten ist freiwillig.

Warteschlangen vor Geschäften
Viele Läden versuchten derweil, die Kundschaft am ersten offenen Tag mit Rabatten anzuziehen. Bis zu 30 Prozent billiger waren Kleider mancherorts zu haben. Dies führte teilweise zu Warteschlangen.

Gewöhnen muss man sich an die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen in den Geschäften. Kunden werden gezählt, an den Eingängen stehen Desinfektionsmittel, Schutzmasken wurden verteilt. Die Fussböden der Geschäfte sind teilweise übersät mit Abstandsmarkierungen und Gehrichtungspfeilen. Ein- und Ausgänge sind getrennt, was da und dort noch zu etwas „Suchverkehr“ der Kunden in den Läden führte.

In den Museen gibt es eine Einbahn-Besucherführung und es gilt das gleiche Flächenprinzip wie in den Geschäften: Pro zehn Quadratmeter Fläche ist nur ein Kunde erlaubt. Die Fondation Beyeler in Riehen BS war anders als die meisten Schweizer Museen am ersten Tag der Woche nicht geschlossen. Vom Erwachen aus dem „Dornröschenschlaf“ war dort die Rede.

Beim Gang durch die Ausstellungsräume fiel auf den ersten Blick auf, dass die Aufsichtspersonen Masken tragen. Und auf den zweiten Blick wurde man gewahr, dass sich relativ wenige Menschen durchs Museum bewegen.

Die Bibliotheken sind ebenfalls nur unter Einhaltung der sozialen Minimaldistanz zu besuchen. Zeitungen und Zeitschriften liegen wie in den Restaurants nicht auf. (awp/mc/pg)

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