Transocean: Quartalsverlust von 304 Mio USD

Steven Newman

Transocean-CEO Steven Newman (r.).

Dem Ölbohrkonzern Transocean bereitet der Unfall auf der Ölplattform Deepwater Horizon am Macondo-Ölfeld im Golf von Mexiko aus dem Jahr 2010 nach wie vor Probleme. Im zweiten Quartal 2012 haben weitere Rückstellungen für diesen Vorfall, bei dem elf Menschen starben und der an der zu grossen Umweltverschmutzungen geführt hatte, zu einem beträchtlichen Verlust geführt.

Der Reinverlust beläuft sich nach Minderheiten auf 304 Mio USD nach einem Gewinn von 124 Mio im Vorjahr. Das operative Ergebnis (EBIT) fiel mit 163 Mio ebenfalls negativ aus, nachdem Transocean im Vorjahr einen operativen Gewinn von 355 Mio erzielt hatte, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilt. Derweil erhöhte sich der Umsatz auf 2,58 Mrd nach 2,34 Mrd. Zahlen aus dem Vorjahr musste Transocean zum Teil wegen Anpassungen von Versicherungsleistungen korrigieren.

Mit dem Quartalsverlust hat Transocean den Analysten der ZKB überrascht. Er hatte einen Umsatz von 2,45 Mrd, einen EBIT von 378 Mio und einen Reingewinn von 150 Mio USD erwartet.

Macondo-Unglück belastet weiter
Eine Reihe von Sonderfaktoren floss in die Quartalsrechnung ein. Insbesondere die zusätzliche Rückstellung von 750 Mio USD für mögliche Schadenfälle aus dem Macondo-Unfall belasten schwer. Es handle sich dabei um Schätzungen, der Betrag könnte noch weiter angepasst werden, so die Mitteilung. Bereits im März des laufenden Jahres hatte Transocean Rückstellungen für das Unglück auf 1,2 Mrd von zuvor 1,0 Mrd angehoben.

Auf der Gegenseite haben ausserordentliche Steuerposten das Ergebnis mit 145 Mio begünstigt und aus Veräusserungen von vier Ölbohreinheiten erwuchs ein Gewinn von 64 Mio. Ein kleinerer Verlust von 14 Mio floss aus einer Beteiligung in die Rechnung ein und hinzu kamen Wertberichtigungen von 12 Mio auf langfristigen Assets sowie eine Korrektur von 7 Mio eines zuvor als Gewinn verbuchten Postens. Unter dem Strich hätten die Sonderfaktoren das Ergebnis mit 560 Mio belastet.

Umsatz steigt
Die Umsätze mit Bohrkontrakten seien in der Berichtsperiode um 170 Mio USD angestiegen, heisst es weiter. Dies gelang dank einer tieferen Anzahl Tage, welche die Schiffe in der Werft verbrachten, und einer verbesserten Umsatzeffizienz, die in erster Linie mit dem Einsatz hoch spezialisierter Bohrschiffe erreicht wurde. Die Umsatzeffizienz stieg auf 92,5% nach 90,6% im ersten Quartal 2012 und die Flottenauslastung wuchs auf 66% nach zuvor 61%.

Die operativen Aufwendungen stiegen ohne die Macondo-Rückstellung auf 1,61 Mrd USD nach 1,46 Mrd im ersten Quartal. Der Mehraufwand stehen mit um rund 82 Mio höheren Kosten für den Unterhalt, Reparaturen und Inspektion von Bohrschiffen. Die administrativen Aufwendungen erhöhten sich um 10 Mio auf 79 Mio.

Kein Ausblick auf Gesamtjahr
Der operative Cash Flow ging im Vergleich zum ersten Quartal auf 459 Mio USD nach 540 Mio zurück. Die Investitionen sanken in der gleichen Zeitspanne auf 236 Mio nach 260 Mio, was vor allem auf das Timing bei Meilenstein-Zahlungen für den Bau neuer Schiffe zurückzuführen ist.

Ein Ausblick auf das Gesamtjahr wurde bisher noch nicht gegeben. Am Nachmittag hält das Unternehmen eine Telefonkonferenz ab.

Transocean muss Aktivitäten in Brasilien innert 30 Tagen einstellen
Transocean muss wie die Erdölgesellschaft Chevron die mit der Ölförderung verbundenen Aktivitäten in Brasilien einstellen. Eine entsprechende Verfügung wurde von einem brasilianischen Gericht in Rio de Janeiro am Mittwoch erlassen. Zur Einstellung ihrer Aktivitäten wird den Konzernen 30 Tage Zeit eingeräumt.

Begründet wird die Verfügung in einer offiziellen Mitteilung der brasilianischen Regierungsbehörden mit zwei Vorfällen von Ende des vergangenen Jahres und von diesem Frühjahr. Es war den beiden Unternehmen im November lange nicht gelungen, ein Leck bei einer Ölbohrplattform vor Brasiliens Südostküste zu stopfen und den Austritt einer grösseren Menge Öl zu verhindern. Die ausgeflossene Menge entsprach in etwa 3’000 Fässern Öl. Ähnliches geschah im vergangenen März, dieser Vorfall war allerdings von geringerer Tragweite.

Chevron hatte nach dem Vorfall im März von sich aus beschlossen, die Förderaktivitäten einzustellen, bis ein neues geologisches Gutachten über den Meeresgrund vor Brasiliens Küste erstellt ist. (awp/mc/upd/ps)

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