UBS-Ökonomen senken BIP-Prognosen und rechnen mit weiteren Zinsschritten

Daniel Kalt
Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz bei der UBS. (Foto: UBS)

Zürich – Die Ökonomen der Grossbank UBS schätzen das Rezessionsrisiko in der Schweiz als gering ein. Das, zumindest solange Russland weiterhin Gas liefert. Angesichtes der hohen Inflation, globaler Lieferengpässe sowie einer restriktiveren Geldpolitik dürfte die Erholung von der Coronakrise aber etwas schwächer ausfallen als angenommen.

Die UBS senkte im Rahmen der am Mittwoch veröffentlichten Publikation «UBS Outlook Schweiz» ihre BIP-Prognosen. Neu rechnen die Experten in 2022 mit einem BIP-Wachstum von 2,4 Prozent nach bislang erwarteten 2,5 Prozent. 2023 dürfte sich das Wachstum auf 0,9 Prozent abschwächen. Hier war die UBS zuletzt von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent ausgegangen.

Der Schweizer Wirtschaft dürfte also eine «weiche Landung» gelingen, hiess es weiter. Die unsichere Konjunkturlage sowie der Ausstieg der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus der expansiven Geldpolitik dürften also nicht zu einer Rezession führen. Rezessionsgefahr geht dagegen von den Energiemärkten aus.

Sorge vor russischem Gaslieferstopp
Kurzfristig könnte laut UBS ein Ausfall der Energielieferungen aus Russland den Konjunkturausblick stärker eintrüben. Denn ein umfassendes Embargo oder gar ein abrupter Stopp russischer Lieferungen hätten Gasrationierungen und stark steigende Energiepreise zur Folge, sagte UBS-Ökonom Alessandro Bee an einer Telefonkonferenz. Auch wenn aktuell nicht damit zu rechnen sei, sei das Risiko dafür gestiegen.

Immerhin belasten laut Bee höhere Energiepreise die Schweizer Firmen weniger stark als das in Europa der Fall ist. Und auch die Energieausgaben der hiesigen Haushalte seien im Vergleich zu den Gesamtausgaben nur halb so hoch wie in der EU. Das dämpfe einen möglichen konjunkturellen Rückschlag hierzulande.

Kurzfristig bleibt auch die Schweiz nicht davon verschont, wenn Russland den Gashahn zudreht. Zu stark sei das Land von Energieimporten abhängig, so Bee. Im schlimmsten Fall belaufe sich der gesamtwirtschaftliche Wohlstandsverlust infolge stark steigender Energiepreise auf 2 bis 3 Prozent des BIP. Dank hoher Ersparnisse könnten Schweizer Konsumenten die Kaufkrafteinbusse aber ausgleichen.

Auf die mittlere und lange Frist sieht Bee die Politik in Energiefragen gefordert. So würden ohne ein EU-Stromabkommen ab 2025 die Importkapazitäten der Schweiz eingeschränkt, was zu in Wintermonaten zu einem Strommangel führen könne. Und langfristig hinterlasse der geplante Ausstieg aus fossilen Energieträgern und aus der Atomkraft eine grosse Stromlücke, die es mit erneuerbaren Energieträgern zu füllen gelte.

Weitere Zinsschritte erwartet
Die Inflation hat in der Schweiz mit einer Jahresteuerungsrate von jüngst 3,4 Prozent an Kraft gewonnen. Das sei im internationalen Vergleich immer noch ein tiefes Niveau, betonte UBS-Chefökonom Daniel Kalt. Er sieht den Höhepunkt in den USA mit Raten von über 8,5 Prozent erreicht und erwartet, dass es in Europa im Herbst so weit sein dürfte.

Für die Schweiz rechnet die UBS im laufenden Jahr mit einer Teuerung in Höhe von 2,7 Prozent und 2023 mit 1,5 Prozent. Die SNB habe früh und gar noch vor der Europäischen Zentralbank (EZB) damit begonnen, die Zinsen im Kampf gegen die Inflation anzuheben, sagte Kalt. Zugleich dämpfe der starke Franken den Einfluss importierter Inflation.

Kalt geht davon aus, dass die SNB diese entschlossene Geldpolitik fortsetzen und die Leitzinsen bis März 2023 auf 0,75 Prozent erhöhen wird. Dabei werde sie wohl auch ein Unterschreiten des Paritätslevels beim Euro-Frankenkurs tolerieren, glaubt er. (awp/mc/pg)

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