Weniger ausländische Chefs in den Schweizer Topkonzernen

Weniger ausländische Chefs in den Schweizer Topkonzernen

Zürich – Lange hat es so ausgesehen, dass die ausländische Manager bald die Mehrheit der Chefposten in den Schweizer Grosskonzernen haben. Nun beobachtet Topkadervermittler Guido Schilling aber zum ersten Mal in zehn Jahren einen Rückgang des Anteils ausländischer Manager.

In den grössten Konzernen stieg der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder mit ausländischem Pass zwischen 2006 und 2011 auf 45% von 36%. 2012 bremste sich der Anstieg, im vergangenen Jahr ging er zurück, wie der am Montag präsentierte „Schilling-Report“ festhält.

„Mit einem so deutlichen Rückgang der ausländischen Führungskräfte habe ich aber nicht gerechnet“, sagte Guido Schilling. Der Headhunter hatte vor drei Jahren die Prognose gewagt, dass 2015 die Hälfte der Chefs der gut 100 grössten Schweizer Firmen Ausländer seien.

Hauptgrund für den innert Jahresfrist beobachten Rückgang ist laut Schilling die Konkurrenz anderer Topkader-Arbeitsmärkte, eine Tendenz, die sich schon seit zwei oder drei Jahren abzeichnet: Deutschland und andere wirtschaftlich starke europäische Ländern böten Managern heute mehr attraktive Positionen im Heimmarkt.

Mit der Zustimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative habe der Rückgang direkt nichts zu tun. Das Ja zur Initiative sei aber ein „Knieschuss“, sagte Schilling. Die Diskussion um die Begrenzung der Zuwanderung schrecke einige Manager und ihre Familien von einem Umzug in die Schweiz ab. Auf die Unternehmen kämen Probleme bei der Rekrutierung von Führungskräften zu.

Mehr Frauen in Verwaltungsräten
Eine andere Welt sind die Verwaltungsräte: In den Aufsichtsgremien ist der Anteil der Ausländer mit 36% im vergangenen Jahr stabil geblieben. Dafür findet vermehrt eine Verschiebung zugunsten der Frauen statt: Innerhalb von fünf Jahren ist der Frauenanteil in den Verwaltungsräten auf 13% von 10% gestiegen.

Mehr als jeder fünfte frei gewordene Sitz in einem Verwaltungsrat wurde in letzter Zeit mit einer Frau besetzt, in den SMI-Unternehmen sogar jeder dritte vakante Sitz. Für Guido Schilling ist dies ein klarer Trend. Es werde aber grosse Anstrengungen brauchen, dass mehr Frauen berufen würden.

In den Geschäftsleitungen dominieren die Männer stärker: Dort stieg der Frauenanteil innerhalb von neun Jahren auf 6% von 4%. Mit Susanne Ruoff bei der Post, Jasmin Staiblin bei Alpiq und Suzanne Thoma bei der BKW zählt die Schweiz im Moment nur drei Konzernchefinnen. (awp/mc/ps)

 

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