Ypsomed: Reingewinn gesteigert

Willy Michel

Willy Michel, CEO und VRP Ypsomed.

Burgdorf – Die Ypsomed Gruppe steigerte im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 den Reingewinn um 55.5% auf CHF 8.5 Mio., welcher durch den Verkauf von Finanzanlagen positiv beeinflusst wurde. Der Nettoerlös und das Betriebsergebnis liegen unter den Vorjahreswerten, was hauptsächlich auf den starken Schweizer Franken und auf Sonderabschreibungen von aktivierten Entwicklungsprojekten zu­rückzuführen ist. Die Ypsomed Gruppe konnte im vergangenen Geschäftsjahr ihre Umsatzbasis mittels Lan­cierung neuer Produkte, Bearbeitung neuer Märkte und durch neue Geschäftskunden für Insulin Pens breiter diversifizieren, um die wegfallenden Erlöse mit dem ehemaligen Grosskunden Sanofi zu kompensieren.

Der Fokus wurde in der Berichtsperiode auf die Kosten- ­bzw. Ausgabenseite gelegt: Durch das strikte Kostenma­nagement wurde die EBITDA­Marge gegenüber dem Vorjahr um 0.3% auf 13.2% gesteigert. Ypsomed glaubt an den Erfolg ihrer Strategie und wird den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen: Das Wachstum im Ge­schäftsfeld Diabetes Versorgung soll weiter verstärkt werden. Zwecks Kostenoptimierung werden für zukünf­tige Ausbaupläne im Geschäftsfeld Injektionssysteme ausländische Produktionsstätten evaluiert. Zur Finan­zierung dieser Massnahmen beantragt der Verwaltungsrat an der Generalversammlung vom 27. Juni 2012 eine genehmigte Kapitalerhöhung von maximal CHF 42.5 Mio. Nominalkapital durch Ausgabe von höchstens drei Millionen Namenaktien.

Nettoerlös breiter diversifiziert – Währungseinfluss massiv
Im Geschäftsjahr 2011/12 hat die Ypsomed Gruppe einen konsolidierten Nettoerlös von insgesamt CHF 248.6 Mio. erzielt. Im Vergleich zur Vorperiode mit CHF 261.8 Mio. war der Nettoerlös im Geschäftsjahr 2011/12 um CHF 13.2 Mio. (­5.1%) tiefer. Die erfreuliche Steigerung der Nettoerlöse im Segment Diabetes­Versorgung von CHF 72.6 Mio. auf CHF 78.2 Mio. (+7.7%) und im Segment Übrige von CHF 15.3 Mio. auf CHF 17.0 Mio. (+11.0%) konnten den Umsatzrückgang im Segment Injektionssysteme von CHF 173.9 Mio. auf CHF 153.4 Mio. (­11.8%) nur teilweise kom­pensieren. Dabei belasteten der starke Schweizer Franken mit CHF 10.8 Mio. sowie tiefere Industrialisierungs­und Forschungs­& Entwicklungserlöse mit rund CHF 8.0 Mio. den konsolidierten Nettoerlös. Der Erlös aus Lieferungen ist währungsbereinigt um 2.5% gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Im Berichtsjahr hat die Ypsomed Gruppe den Erlös der Gruppe weiter diversifiziert. Im Bereich Injektionssysteme hat Ypsomed für den ServoPen® Insulin­Pen mehrere neue Kunden gewonnen, darunter mit Square Pharmaceuticals Ltd. und Incepta Pharmaceuticals Ltd. erneut Insulinanbieter aus Asien. Besonders erfreulich war die Erlössteigerung mit dem Pharmapartner Tonghua Dongbao Pharmaceutical aus China. Die Erlöse mit Ypsomed­Pens für Sanofi waren wie antizipiert erneut geringer als im Vorjahr.

Ypsomed hat auch im Bereich der Diabetes­Versorgung die Kundenbasis für mylife™ Diabetescare geografisch erwei­tert und neue Produkte lanciert. Die Ausgaben für Marketing und Vertrieb haben sich positiv ausgewirkt und im Ge­schäftsjahr 2011/12 zu einer Erlössteigerung mit mylife™ Diabetescare­Produkten von 7.7% geführt. Besonders er­ freulich war die Erlössteigerung mit der mylife™ OmniPod® Insulinpumpe und dem mylife™ Orbit® Infusionsset. Insge­samt gewann das strategische Geschäftsfeld Diabetes­Versorgung weiter an Bedeutung und trug im Geschäftsjahr 2011/12 bereits 31.5% zum konsolidierten Nettoerlös der Ypsomed Gruppe bei (Vorjahr 27.1%).

Kostenmanagement im Fokus
Ypsomed hat im vergangenen Geschäftsjahr eine ausführliche Kostenanalyse durchgeführt und die daraus resultierenden Sparmassnahmen weitgehend umgesetzt. Insgesamt wurden die Personalkosten um 7.8%, resp. CHF 8.4 Mio., von CHF 108.0 Mio. auf CHF 99.6 Mio. reduziert. Die Totalausgaben (inkl. aktivierte Entwicklungsanteile) für Forschung und Entwicklung blieben mit rund 10.0% des Nettoerlöses weiterhin hoch, wurden aber im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls von CHF 27.5 Mio. auf CHF 25.2 Mio. gesenkt. Die Kosten für Marketing & Vertrieb lagen mit CHF 40.6 Mio. auf dem Vorjahresniveau von CHF 40.5 Mio., sind aber prozentual von 15.5% auf 16.3% des Nettoerlöses gestiegen. Dies zeigt die Entschlossenheit von Ypsomed, die Erlösbasis weiter zu diversifizieren und das strategische Geschäftsfeld mylife™ Diabetescare weiter auszubauen. Insgesamt resultierte im Geschäftsjahr 2011/12 trotz eines um CHF 13.2 Mio. tieferen Nettoerlöses ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) von CHF 32.9 Mio. und einer EBITDA­Marge von 13.2%, welche über dem Vorjahr von 12.9% liegt.

Betriebsergebnis mit Sondereffekten belastet
Im Berichtsjahr betrug der Betriebsgewinn bzw. EBIT CHF 5.1 Mio. (Vorjahr CHF 8.8 Mio.), wobei mit 2.1% eine tiefere Marge als im Vorjahr (3.4%) erreicht wurde. Auch hier hatte der starke Schweizer Franken einen massiven Ein­fluss, indem das Betriebsergebnis im Segment Injektionssysteme mit rund CHF 3.0 Mio. belastet wurde. Weiter wirkte sich eine Sonderabschreibung auf den aktivierten Entwicklungskosten eines Pen­Projektes in der Höhe von CHF 1.0 Mio. aufgrund einer Wertbeeinträchtigung zusätzlich negativ aus.

Positiver Cashflow im Geschäftsjahr 2011/12
Im Geschäftsjahr 2011/12 hat Ypsomed den Cashflow aus Geschäftstätigkeit um 7.5% auf CHF 31.1 Mio. gesteigert. Dank der hohen Investitionen in den vergangenen Jahren und den noch nicht voll ausgelasteten Kapazitäten hat Ypsomed die Investitionen in Sachanlagen im vergangenen Geschäftsjahr um fast 50% reduziert. Ypsomed erhöhte dagegen die Beteiligung an Bionime Corp. in Taiwan um CHF 1.7 Mio. und finanzierte die Akquisition des Infusions­geschäfts der ICU Medical Inc. über CHF 14.3 Mio. aus eigenen Mitteln und dem Verkauf der Insulet Corp.­Beteiligung von CHF 11.4 Mio. Der gesamte Cashflow der Ypsomed Gruppe verbesserte sich von CHF ­3.0 Mio. im Vorjahr auf CHF 4.7 Mio. im Geschäftsjahr 2011/12.

Hohe Eigenkapitalquote trotz verrechnetem Goodwill
Ypsomed verfügt auch nach der Umstellung der Rechnungslegung von IFRS auf Swiss GAAP FER über eine äus­serst solide Bilanz mit einem Eigenkapital von CHF 218.0 Mio. und einer Eigenkapitalquote von 66.6%. Durch die Umstellung der Rechnungslegung wurde der aktivierte Goodwill vollständig mit dem Eigenkapital verrechnet und damit die Bilanzsumme auf CHF 327.3 Mio. (Vorjahr nach Verrechnung CHF 353.8 Mio.) reduziert.

Kapitalerhöhung geplant
Injektionssysteme für die Selbstmedikation und die Diabetes Versorgung sind beides attraktive Märkte mit internatio­nalem Wachstumspotenzial, sowohl in den USA, Europa wie auch ganz speziell in Asien. Ypsomed baut mit mylife™ Diabetescare ein umfassendes Angebot in der Diabetes­Versorgung weiter auf und verfügt gleichzeitig über eine vielversprechende Pipeline an Kundenprojekten für Injektionssysteme. Dies stimmt für die Zukunft zuversichtlich, wobei der Marktaufbau in der Diabetes­Versorgung weiterhin substantielle Mittel beanspruchen wird und die Realisie­rung neuer Kundenprojekte für Injektionssysteme erfahrungsgemäss Zeit brauchen. Eine weitere Herausforderung für Ypsomed ist die Kompensation des Rückgangs bei ehemaligen Sanofi­Produkten. Belastend sind der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die internationale Schuldenkrise und die damit einhergehende Währungs­entwicklung. Der starke Schweizer Franken drückt auf das Umsatzwachstum der Ypsomed und belastet die Gewinn­margen von einzelnen Produkten. Dagegen werden soweit möglich Gegenmassnahmen ergriffen. Für die Fertigung von neuen, überwiegend manuell hergestellten oder sehr preissensitiven Injektionssystemen wird Ypsomed in Zukunft die Produktion im Ausland in Betracht ziehen müssen. Zur Finanzierung des weiteren Wachstums des Geschäftsfel­des Diabetes­Versorgung und dem Aufbau internationaler Produktionsstätten wird vom Verwaltungsrat an der Gene­ralversammlung vom 27. Juni 2012 eine genehmigte Kapitalerhöhung von maximal CHF 42.5 Mio. Nominalkapital, durch Ausgabe von höchstens drei Millionen Namenaktien, beantragt.

Ausblick
Bedingt durch der Wegfall des OptiSet® Pens wird das erste Semester 2012/13 umsatz­und ergebnismässig verhalten ausfallen, während das zweite Semester mittels Kompensationsgeschäften erheblich besser erwartet wird. Insge­samt ist die Planung für das Geschäftsjahr 2012/13 vorsichtig optimistisch und es werden ein Nettoerlös und ein Be­triebsergebnis auf Vorjahresniveau erwartet. (Ypsomed/mc/ps)

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