EY: Startup-Finanzierung in Europa auf Rekordhöhe – Schweiz auf Rang 7

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(Photo by Markus Winkler on Unsplash)

Zürich – Das neueste Startup-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY in der Schweiz zeigt: Die Rekordjagd bei Europas Startups geht weiter. Risikokapitalinvestitionen im Wert von 88,1 Milliarden Euro flossen 2021 in Jungunternehmen, die nicht älter als zehn Jahre sind. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von satten 141 Prozent – und die grösste Summe, die jemals innerhalb eines Jahres investiert wurde. Zum Vergleich: Von 2018 bis 2020 kam die Branche insgesamt auf 88,9 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden erhöhte sich und stieg um 25 Prozent auf 8397.

Schweiz liegt auf den vorderen Rängen
Mit Blick auf die Finanzierungsrunden im Jahr 2021 liegt die Schweiz mit 623 Deals (Vorjahr: 540) auf Platz vier in ganz Europa. Nur in Grossbritannien, Deutschland und Frankreich wurden mehr Finanzierungsrunden gezählt. Insgesamt wurden hierzulande 2’734 Millionen Euro an Risikokapital in Startups investiert, gebenüber einem Vorjahreswert von 1’816 Millionen Euro. Damit liegt die Schweiz auf Platz sieben unter den europäischen Ländern. Im europäischen Städteranking erreicht Zürich mit 197 Finanzierungsrunden den fünften Platz, hinter London, Berlin, Paris und Barcelona. «Setzt man die Anzahl der Finanzierungen in Relation zur Grösse unseres Landes, so schneidet die Schweiz ausgezeichnet ab», sagt Sascha Stahl, Head Start-ups und Family Business Leader bei EY in der Schweiz. Er ergänzt: «Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass es in der Schweiz überdruchschnittlich viele innovative Startups gibt, die es schaffen, Investoren von ihren Geschäftsmodellen zu überzeugen.»

Die Top Finanzierungsrunden in der Schweiz erreichten die folgenden Startups: Das Pharmaunternehmen Quercis Pharma in Zug (130 Millionen Euro), das auf Neurotherapien spezialisierte Unternehmen MindMaze in Lausanne (108 Millionen Euro), das biopharmazeutische Startup Anaveon in Bottmingen BS (103 Millionen Euro), das auf Krebstherapien spezialisierte Unternehmen Numab in Wädenswil (91 Millionen Euro) und Bright Peak Therapeutics in Basel, das sich auf Zytokintherapien spezialisiert hat (89 Millionen Euro). «Dass die höchsten Investitionen in Startups aus den Bereichen Pharma, Biotech und Therapie getätigt werden, zeigt wie stark die Schweiz in Forschungsbereichen mit einem hohen ungedeckten medizinischen Bedarf («unmet medical need») ist», sagt Susanne Weissbäcker, Partnerin im Marktsegment Health & Life Sciences bei der Strategieberatung EY-Parthenon.

London bleibt Startup-Haupstadt Europas
Die Startup-Hauptstadt Europas bleibt mit 1’557 Finanzierungsrunden London: Die britische Metropole liegt mit Abstand auf Platz eins bei der Zahl der Deals und verzeichnet allein fast genauso viele Finanzierungsrunden wie die nächstplatzierten Städte Berlin, Paris, Barcelona, Zürich und Stockholm zusammen. Diese kommen insgesamt auf 1’564 Deals. Zusammengerechnet wurden in London, Berlin und Paris drei von zehn europäischen Startup-Deals abgewickelt.

Beim Volumen der Investitionen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Finanzierungsrunden: Auch hier liegt London mit Abstand vorne, die Finanzierungssumme hat sich um Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Mit rund 20,3 Milliarden Euro wurde dort mehr Risikokapital in Startups investiert als in Berlin (10,5 Milliarden Euro) und Paris (9,3 Milliarden Euro) zusammen.

Starkes Wachstum in Berlin
Die drei Top-Standorte konnten dabei 2021 deutliche Zuwächse erzielen, besonders erfolgreich war Berlin. Hier steht für das vergangene Jahr ein Plus von 243 Prozent zu Buche. Paris liegt mit 130 Prozent Zuwachs auf Platz zwei, London mit einem Plus von 93 Prozent auf dem dritten Rang.

Zu den Gründen für die Rekordzahlen sagt Susanne Weissbäcker: «2021 war geprägt von einem enormen Anlagedruck auf Seiten der Investoren – die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der letzten Jahre führten zu einer nie dagewesenen Liquidität im Markt, die angelegt werden musste.»

Das erste Halbjahr fiel dabei sogar noch etwas stärker aus als das zweite: 45 Milliarden Euro standen 43 Milliarden Euro gegenüber. 88 Milliarden Euro Risikokapital sind ein vielversprechendes Signal, doch Stahl ordnet ein: «Verglichen mit Nordamerika oder Asien ist es noch immer wenig.» Das gelte in ähnlichem Umfang auch für die Schweiz. «Es ist zwar erfreulich, dass die in Schweizer Startups investierte Gesamtsumme in einem Jahr um 50 Prozent angestiegen ist. Wenn man aber bedenkt, dass es im letzten Jahr hierzulande über 600 Finanzierungen gegeben hat, ist die investierte Summe relativ tief.»

Grösste Startup-Finanzierungen im ersten Halbjahr
Die drei grössten Startup-Finanzierungen des Jahres fielen in das erste Halbjahr: Die britische Tiermedizin-Gruppe IVC Evidensia sammelte knapp 3,5 Milliarden Euro. Auf Platz zwei landete Northvolt, 2,28 Milliarden Euro wurden in das Batterie-Startup aus Schweden investiert. Der dritte Rang ging an die Constellation Automotive Group aus Grossbritannien, 1,15 Milliarden Euro konnte der Online-Gebrauchtwagenhändler über Investoren gewinnen.

Auch ein Jahr nach dem vollzogenen Brexit bleibt Grossbritannien der Hauptantrieb des europäischen Startup-Marktes: Wie in den Jahren zuvor fanden hier die meisten Finanzierungsrunden statt. 2’465 waren es 2021 – ein Jahr zuvor waren es 2’113. Mit 1160 Abschlüssen reicht es für Deutschland für Platz zwei vor Frankreich, wo 784 Abschlüsse erzielt wurden.

Nicht nur bei den Finanzierungsrunden, auch beim Finanzvolumen der Risikokapitalfinanzierungen, bleibt das Vereinigte Königreich mit Abstand vorne: 31,4 Milliarden Euro bedeuten Platz eins, vor Deutschland mit 17,4 Milliarden Euro und Frankreich mit 11,6 Milliarden Euro. (EY/mc/pg)

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