ZKB Pionierpreis Technopark 2020: Diese zehn Firmen kämpfen um 100‘000 Franken

ZKB Pionierpreis Technopark 2020
Nominiert für den ZKB Pionierpreis Technopark 2020: Das Team von Gilytics. (Foto: zvg)

Zürich – Die Schweizer Startup-Szene erlebt einen Aufschwung. Zahlreiche Jungfirmen im ganzen Land arbeiten an Innovationen, die in naher Zukunft unser Leben beeinflussen – oder vielleicht sogar die Welt verändern werden. Das dies möglich ist, haben viele vor ihnen bewiesen.

Zehn erfolgversprechende Startups sind nominiert für den ZKB Pionierpreis Technopark 2020. Dieser wird seit 2001 jedes Jahr von der Zürcher Kantonalbank und dem Technopark Zürich verliehen und zählt zu den wichtigsten Innovationspreisen der Schweiz. Die Gewinner erhalten rund 100‘000 Franken. Der zweite und der dritte Platz werden mit einem Preisgeld von je knapp 10’000 Franken prämiert.

Die Top-Ten-Kandidaten wurden von einer Jury aus namhaften Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft erkoren. Sie zeichnen sich durch besondere Innovationskraft, Marktnähe und soziale Relevanz aus. Insgesamt hatten über 30 Bewerberinnen und Bewerber die hohen Anforderungen der Zürcher Kantonalbank und des Technoparks Zürich erfüllt. Die Verleihung des ZKB Pionierpreis Technopark 2020 findet am Mittwoch, 22. April 2020 statt.

Die Top-Ten-Kandidaten im Kurzporträt

Art Recognition, Zürich: Software prüft Echtheit von Kunstwerken
Behörden und Kunstfachleute warnen, dass mindestens die Hälfte der Kunstwerke auf dem Markt Fälschungen oder falsche Zuschreibungen sind. Die Analyse durch Spezialisten zur Authentifizierung von Kunstwerken ist derzeit teuer, langsam und oft nicht eindeutig. Das Jungunternehmen Art Recognition hat eine Software entwickelt, welches die Echtheit eines Kunstwerks beurteilen kann – basierend auf neuesten Methoden der künstlichen Intelligenz. Das System ist schnell, zuverlässig, nicht invasiv und unvoreingenommen. Und es kann auf viele Kunstwerke gleichzeitig angewendet werden.

BLP Digital, Zürich: Mitarbeiter entlasten durch künstliche Intelligenz
Das ETH-Spin-off BLP Digital nutzt künstliche Intelligenz, um repetitive und lästige Büro-Aufgaben zu automatisieren und damit Mitarbeitende zu entlasten. Ihre Software erkennt wichtige Informationen aus Dokumenten wie z.B. Rechnungen selbständig und liest diese aus. Bislang gab es keine IT-Systeme, die Informationen auch aus neuen Dokumenten auslesen konnten, wenn deren Struktur und visuelle Aufteilung unbekannt waren. Mitarbeiter mussten sie manuell verarbeiten. Das System von BLP Digital lernt hingegen mit jedem verarbeiteten Dokument dazu und kann das gesammelte Wissen auf neue Dokumente transferieren.

DataHow, Zürich: Prozessoptimierung für die Pharmaindustrie
Das Start-Up DataHow ist ein Spin-off-Unternehmen der ETH Zürich. Durch Sensoren und Algorithmen möchte es der Pharmaindustrie zu einem rasanten Aufschwung in Richtung Industrie 4.0 verhelfen. Dazu schafft DataHow einen digitalen Zwilling der Produktionsprozesse und kann diese dadurch viel schneller steuern, optimieren und Fehlproduktionen reduzieren. Hierdurch werden hohe Effizienzgewinne erwartet, da die Pharmaindustrie im Bereich der Produktion bisher noch wenig digitalisiert ist.

Eldico Scientific, Villigen: Zuverlässige Analyse von Nanopartikeln
Für viele Anwendungen ist es wichtig, die räumliche Struktur einer chemischen Verbindung zu kennen. Insbesondere bei der Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe. Diese sind aber schwer zu analysieren. Eine Möglichkeit ist, die Verbindungen mit Elektronenstrahlen zu beschiessen, die dann entsprechend der Kristallstruktur auf charakteristische Art gebeugt werden. Durch Analyse der Beugung kann man dann auf die Struktur der chemischen Verbindung zurückrechnen. Eldico konstruiert neuartige Elektronenbeugungsgeräte. Bisher gibt es solche Geräte nur für Röntgenstrahlen. Damit können bisher nur mikrometergrosse Partikel untersucht werden. Eldico kann Strukturen von Partikeln analysieren, die mehrere Millionen Mal kleiner sind. So können Hundertausende bislang aufgrund ihrer Kleinheit nicht analysierbare Substanzen untersucht werden.

Gilytics, Zürich: Automatische Planung von Infrastruktur-Projekten
Das ETH-Spin-off Gilytics stellt ein neues und effektives Arbeitsmittel zur Infrastrukturplanung zur Verfügung. Ihre Software hilft, den optimalen Standort für neu zu bauende Verkehrs- und Energieinfrastrukturen wie z.B. Stromleitungen zu finden. Die Planung erfolgt auf Knopfdruck automatisch. Dadurch können viel Zeit und Ressourcen eingespart werden. Zudem helfen Virtual-Reality-Visualisierungen dabei, die Projekte im Detail zu verfolgen und sie der Öffentlichkeit bildlich und verständlich zu erläutern. Damit steuert Gilytics auch einen Beitrag zur Energiewende bei.

Hi-D Imaging, Winterthur: Hilfe für Kardiologen bei Herzklappen-Operation
Jeder vierte Patient mit einer neuen Herzklappe muss entweder erneut operiert werden oder lebenslang Medikamente einnehmen. Der Grund dafür ist, dass Kardiologen heute bei der Entscheidung, welche Herzklappe, Ausrichtung und welcher Einsetzungsort das beste Ergebnis erzielt, keine datenbasierte Unterstützung haben. Das Medtech-Unternehmen Hi-D Imaging bietet ihnen nun einen neuartigen Auswahlservice, welcher auf bildgebenden Verfahren und 3D-Druck basiert. Damit kann für jeden Patienten die optimale Herzklappe und die beste Implantationstiefe festgelegt werden. Dies erhöht die Erfolgsrate des Aortenklappenersatzes massiv.

Microcaps, Zürich: Mikrokapseln in Einheitsgrösse
Das an der ETH Zürich ansässige Start-Up Microcaps hat eine Methode entwickelt, um Mikrokapseln, die in der Pharmazie, Kosmetik, Agrochemie und vielen anderen Industriezweigen verwendet werden, in identischer Grösse herzustellen. So haben sie alle die exakt gleiche Wirkung. Dosierung und Abgaberate des Wirkstoffes können dadurch vollständig kontrolliert werden. Für die Arzneimittel bedeutet das zum Beispiel mehr Wirkung und weniger Nebenwirkungen. Ausserdem können die Mikrokapseln mit kontrollierter Grösse durch die Technologie von Microcaps 1000 Mal schneller als mit aktuellen Geräten hergestellt werden.

PharmaBiome, Zürich: Bakterienmix gegen Darmkrankheiten
Das ETH Spin-off PharmaBiome hat sich zum Ziel gesetzt, gefährliche Darminfektionen mit einer neuen Methode zu bekämpfen. Heute wird bei solchen Infektionen der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm einer erkrankten Person übertragen. Neben ästhetischen Bedenken hat dies den Nachteil, dass die Verfügbarkeit ungewiss ist. PharmaBiome hat eine Biotechnologie entwickelt, die das Isolieren der nötigen Bakterien und das Produzieren von neuen Bakterien-Zusammensetzungen ermöglicht. Damit können sie Menschen mit Darmerkrankungen helfen.

Sleepiz, Zürich: Medizinische Schlafüberwachung zu Hause
Für die Diagnose von Krankheiten wie Schlafapnoe oder anderen chronischen Krankheiten verbringen Patienten heute eine Nacht im Schlaflabor mit mehr als 30 Kabeln am Körper. Das Jungunternehmen Sleepiz revolutioniert die Analyse von Vitalparametern durch ein komplett kontaktloses Gerät. Damit können Atmung, Herzfrequenz und Bewegung durch Radar vom Nachtkästchen aus erfasst werden – zu Hause, im eigenen Bett. Dies bietet Einblicke in den natürlichsten Schlaf des Patienten. Ausserdem sind mit Sleepiz zum ersten Mal Langzeitüberwachungen möglich.

Tolremo Therapeutics, Zürich: Medikamente gegen Arzneimittel-Resistenzen bei Krebs
Bei vielen Krebs-Tumoren wirken die Medikamente zunächst gut. Doch plötzlich wird der Tumor resistent gegen die Therapie und das Ganze beginnt mit einem neuen Medikament von vorne. Das ETH-Spin-off Tolremo möchte diesen Zyklus stoppen. Es entwickelt Medikamente, die die Entstehung von Resistenzen in den Krebszellen stoppen und die Therapie länger wirken lassen. Hierzu verwendet das Unternehmen eine Screening-Plattform, die die Resistenzentwicklungen schon sehr früh identifiziert und diejenigen Wirkstoffkombinationen auswählt, die der Resistenzentwicklung schon von Beginn an entgegenwirken.

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