Kunsthaus Zürich gibt nach Besucherrückgang Gegensteuer

Kunsthaus Zürich
Kunsthaus Zürich: trotz Baustelle geöffnet. (Foto © Amt für Städtebau, Juliet Haller)

Zürich – Nach einem Rückgang der Besucherzahlen um 90‘000 Eintritte im letzten Jahr gibt das Kunsthaus Gegensteuer: Das Programm 2018 reicht von jungen Werken, an deren Entstehung sich lokale Initiativen beteiligen können, über Erscheinungen extremer Mode in der Kunst und eine Würdigung der Naiven Malerei bis zu monografischen Ausstellungen der beliebten Künstler Robert Delaunay und Oskar Kokoschka. Mit einer neuen Geschäftsleitungsfunktion für Verkauf und Services soll die Einnahmenposition langfristig verbessert werden.

Mit 230‘000 Eintritten (Vorjahr 320‘000) lag das Besucheraufkommen im Kunsthaus Zürich 2017 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 300‘000 Eintritten. Der sechsstellige Jahresverlust, den die vorläufige Jahresrechnung für 2017 ausweist, wird durch eine Ausgleichsreserve teilweise gedeckt. Der Rückgang war von der Zürcher Kunstgesellschaft vor Jahresfrist angekündigt worden. Grund dafür sind neben einem experimentellen Programm die laufenden Bauarbeiten zur Anbindung des Bestandsgebäudes an die Erweiterung von David Chipperfield. Diese Massnahme bindet Ressourcen, die dringend zur Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie benötigt werden, um betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten und die Interaktion mit dem Publikum zu verbessern, wie das Kunsthaus in einer Mitteilung schreibt.

Trotz der erschwerten Bedingungen formiert sich die Institution in entscheidenden Bereichen neu und erreicht ihre Ziele. So ist der private Anteil an den Gesamtinvestitionen der Erweiterung inzwischen gesichert. Für die Passage, die den Bestand mit dem Erweiterungsbau verbindet, konnte Lawrence Weiner für eine Auftragsarbeit gewonnen werden – ein Kunstwerk, das dank privater Unterstützung möglich wird. Und soeben wurde eine Vereinbarung geschlossen, die dem Kunsthaus 17 Werke des Norwegers Johan Christian Dahl zuführt, dem nach Caspar David Friedrich berühmtesten Künstler der Romantik: ein Geschenk des Geschäftsmanns und Mäzens Christen Sveaas aus Oslo, der in St. Gallen an der HSG studiert hat.

Neue Strukturen, neue Köpfe
Wie an der Generalversammlung der Zürcher Kunstgesellschaft beschlossen, sind 2017 neue Strukturen installiert worden: ein international besetzter Beirat ist im November erstmals zusammengetreten. Auf Mai 2018 wird die vierköpfige Geschäftsleitung durch Christoph Stuehn komplettiert. Stuehn, noch bis Ende März Direktor von Memoriav, war zuvor Leiter Museumsbetrieb und Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Nationalmuseums sowie als stellvertretender kaufmännischer Direktor am Schauspielhaus Zürich tätig. Als Leiter Verkauf und Services verantwortet Stuehn u.a. die Bereiche Shop, Mitglieder- und Besucherservice. Zudem wird er für das ab 2020 grösste Kunstmuseum der Schweiz eine Raumvermietungs- und Veranstaltungsorganisation aufbauen.

Im Sponsoring folgt Jacqueline Greenspan auf Monique Spaeti, die in Pension geht. Und im Mai wird die Leitung der Restaurierung von Hanspeter Marty, der ebenfalls in den Ruhestand geht, an Kerstin Mürer übertragen. Neu besetzt und aufgestockt worden ist die Stelle des Konservators in der Grafischen Sammlung. Der Nachfolger von Bernhard von Waldkirch heisst Jonas Beyer. Beyer, der am 1. Januar eintrat, war zuletzt Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen und davor an der Hamburger Kunsthalle tätig. Damit ist das Team der Ausstellungsmacher wieder komplett. Susanne Schärer, seit September 2017 dabei, hat per Anfang Jahr die Personalleitung von Gerda Kram übernommen.

Im Jahr 2018 nimmt die Zürcher Kunstgesellschaft nun die Planung für wichtige mittel- und langfristige Personalentscheidungen auf, die Besetzungen der Vizedirektion und der Direktion. Es ist vorgesehen, den Wechsel der Vizedirektion im Frühjahr 2020 und der Direktion nach der Eröffnung der Kunsthaus-Erweiterung zu vollziehen.

Jahresprogramm 2018

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