Kunsthaus Zürich: Letzte Tage und Besucherandrang bei «Gefeiert und verspottet»

Kunsthaus Zürich: Letzte Tage und Besucherandrang bei «Gefeiert und verspottet»
Ernest Meissonier, Campagne de France, 1814, 1864, Öl auf Holz, 51,5 x 76,5 cm, Musée d’Orsay, Paris. (Bild: Kunsthaus Zürich)

Zürich – Das Kunsthaus Zürich verzeichnet einen markanten Besucheranstieg bei «Gefeiert & Verspottet» – die Ausstellung zur französischen Malerei, die am 28. Januar zu Ende geht. Drei Werke hat das Publikum zu Lieblingen erkoren. Mittwoch und Donnerstag bleibt das Kunsthaus bis 20 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung, die täglich von 500 Personen besucht wird, ist nur in Zürich zu sehen. Gezeigt wird die französische Kunst im Spannungsfeld zwischen der akademischen «Salonmalerei», die im Laufe des 19. Jahrhunderts ihrem Ende entgegenlief, und der sich davon emanzipierenden, individuellen Impulsen folgenden Malerei. Romantik, Naturalismus, Realismus und der Impressionismus kämpften erbittert um die Gunst des Publikums. Wer damals geschmäht wurde, gilt heute als Star und umgekehrt.

Publikumsfavoriten
Am Ende des Ausstellungsrundgangs wählen die Besucher ihren Favoriten – in Anlehnung an das damalige Kunstsystem. 4‘000 «Juroren» haben bisher ihr Votum abgegeben. Das aktuelle Ranking der Publikumslieblinge, das jeder Besucher bis zum letzten Tag noch beeinflussen kann, weist einen Spitzenreiter aus. Seit Wochen den ersten Platz belegt der heute so gut wie unbekannte Léon Germain Pelouse mit seinem Gemälde «Les premières feuilles», 1880. Platz 2 im Medaillenspiegel belegt «Le pont de l’Europe», 1876, von Gustave Caillebotte. Auf Platz 3 abgerutscht ist ein früherer Anwärter auf die Silbermedaillle: Jean-Léon Gérôme mit seinem alles andere als konventionellen Historienbild «Le 7 décembre 1815, neuf heures du matin (l’exécution du maréchal Ney)», 1868. Regelmässig macht Claude Monets «Sur la plage de Trouville», 1870, ihm die Bronzemedaille streitig. Änderungen in der Publikumsgunst werden auf der Website zur Ausstellung angezeigt.

Fulminante Ausstellung
Anhand von etwas mehr als 100 Gemälden leistet das Kunsthaus Erstaunliches: Indem es verschiedene Strömungen der französischen Malerei im 19. Jahrhundert einander gegenüberstellt, werden nicht nur starke Gegensätze, sondern auch Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Die differenziertere Betrachtungsweise auf diese kunsthistorisch wichtige Periode ist vor allem im deutschen Sprachraum erkenntnisfördernd, wo die Rezeption der französischen Kunst einseitig verlaufen ist. Die «NZZ am Sonntag» würdigt dies und schreibt bereits am 19.11.17 von einer «fulminanten» Ausstellung. Bis Sonntag, 28. Januar kann man sich allein oder an öffentlichen Führungen davon noch überzeugen – mittwochs und donnerstags sogar bis 20 Uhr. (Kunsthaus Zürich/mc/ps)

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