Mundartrocker Polo Hofer ist tot

Polo Hofer
Polo Hofer. (16. März 1945 in Interlaken; † 22. Juli 2017)

Interlaken – Polo Hofer ist tot. Der Berner Mundartrocker starb am Samstag im Alter von 72 Jahren, wie das Schweizer Fernsehen SRF am Montagabend auf seiner Homepage mitteilte.

Hofer litt seit längerem an Lungenkrebs. Er selber hatte folgende Todesanzeige verfasst. Sie beginnt mit den Worten: «I säge: Tschou zäme, es isch schön gsy!» Hofer liess laut SRF zudem in seinem Namen eine Nachricht verschicken: «Am Samschtig, 22. Juli, churz vor Mitternacht het mys letschte Stündli gschlage und i bi zfriede deheime ygschlafe.»

Mit Polo Hofer verliert die Schweizer Musikszene den Pionier der Mundart-Rockmusik. Er schuf ein Musik-Genre, das bis heute erfolgreich ist. Songs wie «Kiosk», «Alpenrose» (mit Hanery Amman), «Summer 68» oder «D’Rosmarie und i» sind Schweizer Volksgut geworden, jeder kennt die Songs, jeder kann sie bis heute mitsingen. In späteren Jahren legte Polo zwar das Rebellische, nicht aber das Unkonventionelle ab und wurde zu einem national gefeierten Star. 1984 gründete er die SchmetterBand, mit der er fast 20 Jahre unterwegs war. In der Folge war er als Solosänger aktiv, trat aber auch immer wieder mit verschiedensten Musikern auf.

«Schweizer des Jahres»
Polo Hofer, selbst kein Freund von Auszeichnungen, wurde mit eben diesen überhäuft. Unter anderem wurde er 2011 an den Swiss Music Awards für sein Lebenswerk geehrt und vier Jahre später zum Schweizer des Jahres gewählt. Und «Alperose» wurde zum grössten Schweizer Hit aller Zeiten gekürt. Doch Hofer sang nicht nur, er war ein vielseitig begabter Künstler. Er war Dichter, Maler, Philosoph, trat in Filmen auf, moderierte auf DRS3 seine eigene Radiosendung «Pop, Perlen und Polo», war vielseitig interessiert – und ganz sicher nie um einen Spruch verlegen.

Seit vielen Jahren hatte Hofer aber auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen – wahrscheinlich nicht zuletzt eine Folge seines exzessiven Lebensstils. Vor zehn Jahren lag er wegen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse zehn Tage lang im künstlichen Koma, rund ein Jahr später folgte eine Operation an den Stimmbändern und im vergangenen Jahr erhielt er die Diagnose Lungenkrebs.

Am 8. Januar 2016 erschien Hofers letztes Album «Ändspurt». Mit Polo Hofer hat die Schweiz den Urvater des Mundartrock verloren. Was bleibt, sind seine unvergesslichen Songs. Wahrscheinlich auch für ihn ein Trost: An der Feier zu seinem 70. Geburtstag sagte er: «Die Lieder überleben mich ja. In diesem Sinne ist meine Anwesenheit nicht mehr erforderlich.» (mc/pg)

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