Museum im Lagerhaus, St.Gallen: Doppelausstellung zu der aktuellen Gender- und Transgenderdebatte

Museum im Lagerhaus, St.Gallen: Doppelausstellung zu der aktuellen Gender- und Transgenderdebatte
Sascha Alexa Martin Müller: Genderpendel, Mechanisches Wandobjekt, 2017 (Autobiografische Mechanik). (© 2019 Sascha Alexa Martin Müller)

Louis Marcussen, genannt Ovartaci (1894–1985), kann als der dänische Wölfli bezeichnet werden. Das Museum im Lagerhaus zeigt das ausserordentliche Gesamtkunstwerk jetzt zum ersten Mal in der Schweiz. Zeitlebens beschäftigt Ovartaci das Thema der Verwandlung. Bilder, Skulpturen, sogar Flugmaschinen spiegeln Fantasien zu verschiedenen Reinkarnationszyklen von Ovartacis Leben – sei es als Schmetterling, Vogel, Puma oder Tiger.

Zahlreiche weibliche Figuren und Puppen, kleine bis nahezu lebensgrosse, aus Papier, Karton oder Papiermaché, stellen Seelenverwandte dar, mit denen sich Ovartaci im Zimmer umgibt und auch Wände und Bett bemalt. Sie verweisen auf die Sehnsucht, das andere Geschlecht zu verkörpern, um seinen eigenen männlichen Geschlechtstrieb zu verlieren. Durch Selbstkastration vollzieht Ovartaci schliesslich die gewünschte Anpassung vom Mann zur Frau.

‹Ovartaci› ist der in den frühen 1930er-Jahren selbstgewählte Name, das Alter Ego. Im jütländischen Dialekt ‹Ovartaci›, bedeutet Ovartaci der ‹Ober-Patient›. Doch gegen Ende des Lebens kehrt Ovartaci wieder zum ursprünglichen bürgerlichen Namen zurück. Zum Maler und Dekorateur ausgebildet, ist Ovartaci 56 Jahre lang, 1929–1985 Insass*in psychiatrischer Anstalten: Nach Dalstrup in Djursland, (1932–1942), wo Ovartaci sogar die Kapelle ausmalen darf, ist Ovartaci die längste Zeit im Psychiatrischen Hospital in Århus-Risskov. Man begegnet Ovartaci dort mit Respekt. Sie/er ist die ‹Prima Donna› der Klinik, geniesst persönliche Freiheiten und die Ärzte schätzen die Gespräche mit ihr/ihm. In diesem geschützten Rahmen lebt Ovartaci in Transidentitäten und gestaltet sich den Lebensraum zu einem einzigartigen Universum.

ICH DU ER SIE XIER – Transidentität
Die Transgender-Debatte ist hoch aktuell. Das Werk Ovartacis, das sich heute im Museum Ovartaci in Århus, Dänemark, befindet, thematisiert Transidentität im weitesten Sinne. In der Parallelausstellung werden zeitgenössische künstlerische Positionen des Weiblichen, Männlichen und von Transgender aufgegriffen, und alle Gäste sind eingeladen, sich in ihrer Selbstwahrnehmung zu äussern. Mit Michelle ‹Jazzie› Biolley (1976), Muda Mathis (1959) & Sus Zwick (1950), Francesca Bertolosi (1977) und Sascha Alexa Martin Müller (1964). (Museum im Lagerhaus/mc/ps)

www.museumimlagerhaus.ch

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