Tipps von Naturfotograf Art Wolfe: «Ich suche das Schöne in allem»

Tipps von Naturfotograf Art Wolfe: «Ich suche das Schöne in allem»
Uttar Pradesh, Indien: "Das Timing ist entscheidend, wenn die Sonne nah am Horizont steht", sagt Art Wolfe. Binnen Minuten ändere sich dann die Farbe des Lichts und die Helligkeit. "Wenn man eine ganz bestimmte Tönung haben möchte, zählt jede Sekunde." (Foto: Art Wolfe/ SPIEGEL)

Neugierde trifft auf Natur: Der Fotograf Art Wolfe spricht über das perfekte Bild, den Angriff eines Panzernashorns – und erklärt, warum man für ein gutes Foto keine teure Kamera braucht.

SPIEGEL: Seit es globale Reisewarnungen gibt und der Grossteil der Menschen zu Hause ist, scheint sich die Natur von uns zu erholen. Ist das für Sie als Fotograf und Naturliebhaber ein Grund zum Glücklichsein?

Art Wolfe: Es stimmt, dass Delfine in Flüsse zurückkehren, in denen sie lange nicht gesichtet wurden. Und im Yosemite-Nationalpark spazieren nun Bären über sonst völlig überfüllte Wege. Ich höre neuerdings Seelöwen in der Bucht bellen – und die Hunde hier bellen sogar zurück, so laut ist das. Die Seelöwen kommen aus Kalifornien in die nördlicheren Gewässer, ich vermute, weil es auf dem Meer einfach stiller geworden ist. Die Tiere registrieren, dass etwas anders ist. Aber ich gehe davon aus, dass sich das ändern wird, sobald die Menschen wieder reisen dürfen.

SPIEGEL: Glauben Sie also nicht an einen positiven Effekt für die Umwelt?

Wolfe: Wir Menschen haben unseren Planeten so verschmutzt, dass wir uns an den grauen Himmel gewöhnt haben – diese Einsicht wird hoffentlich bleiben. Die Menschen in Delhi sehen gerade zum ersten Mal in 20 Jahren die Berge des Himalaja, dabei liegen die gerade mal rund hundert Meilen weit entfernt.

SPIEGEL: Ihre Heimat, die USA, sind besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen – und unterwegs sein, das geht gerade nicht. Was macht ein Weltenbummler wie Sie zu Hause?

Wolfe: Ich bin keiner, der herumsitzt und Fernsehen schaut. Ich habe erst ein bisschen den kleinen Wald aufgeräumt, der sich auf meinem Grundstück befindet. Und dann habe ich mich an den Computer gesetzt, um neue Seminare zu konzipieren. Ich habe aus der Situation das Beste gemacht und versuche nun, die Vorteile zu sehen. Zitronen sind dazu da, dass man Limo aus ihnen macht.

SPIEGEL: Ist das Ihre Lebensphilosophie? Vielleicht auch der Grund, warum Sie reisen und die Welt in Ihren Fotos festhalten?

Wolfe: Ich versuche, den Menschen die Welt auf eine positive Art zu zeigen – Kulturen, Landschaften, Menschen, die Tierwelt. Es würde mich demoralisieren, wenn ich mich mit Grausamkeiten beschäftigen müsste. Ich suche das Schöne in allem.

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