Venedig, aber anders

Venedig
(Foto: Unsplash)

Erst litt Venedig unter den Touristen, nun leiden die Venezianer, weil sie ausbleiben. Die Stadt müsse sich grundsätzlich ändern, sagen diese Bewohner. Drei Visionen.

Einige Wochen nach dem Ende der Ausgangssperren fühlt sich Venedig so lebenswert an wie seit einer Ewigkeit nicht mehr. Das Wasser fliesst noch immer flaschengrün durch die Kanäle aber die Vaporetti, Venedigs Wasserbusse, fahren wieder von einem Ufer zum anderen. Die schmalen Gassen der Altstadt sind noch immer recht leer, aber auf den Plätzen stehen wieder Menschen, trinken Espresso, scherzen. Venezianer, keine Touristen. Selbst im berühmten Caffè Florian auf dem Markusplatz sind nur ein paar Tische besetzt. Könnte es nicht immer so schön sein?

Nein, denn Venedig hängt massgeblich vom Tourismus ab, der infolge des Hochwassers im November und der darauffolgenden Pandemie eingebrochen war. Davor hatten 30 Millionen Besucher im Jahr 4,5 Milliarden Euro in die Stadtkasse gespült, 50.000 Arbeitsplätze hingen daran. Das war die Normalität vor Corona, wobei man sich darüber streiten kann, ob normal ein gutes Wort ist, um eine Stadt zu beschreiben in der beinahe jede vierte Wohnung eine Ferienwohnung ist. Insgesamt sind es rund 40.000.

Momentan stehen die meisten leer, überall sieht man verriegelte Fensterläden. Auch viele Geschäfte sind geschlossen, seit dem Hochwasser schon, die Blechbarrieren stecken noch in den Türrahmen. Der Handelsverband Ascom beziffert den Ausfall im ersten Halbjahr 2020 auf 150 Millionen Euro. Gelitten haben auch die Bars und Restaurants. Und in der Beherbergungsbranche sind 10.000 Mitarbeiter weiter in Kurzarbeit, der Verlust geht in die Milliarden, lässt der venezianische Hotelverband AVA wissen.

Nicht wenige Venezianerinnen erkennen darin die Folgen der rücksichtslosen Vermarktung ihrer Stadt, die zu einer touristischen Monokultur geführt habe. Die Altstadt sei zu einem Disneyland verkommen, weswegen jährlich 1.000 Venezianer aufs Festland umziehen. Von den nur mehr 52.000 verbliebenen Einwohnern ist die Hälfte über 65 Jahre alt.

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