Männer vs. Frauen: Gibt es Unterschiede im Führungsstil?

Bewerbungsgespräch

Männer und Frauen führen ein Unternehmen auf völlig unterschiedliche Art und Weise – sollte man meinen. Doch Forscher haben herausgefunden, dass die Unterschiede nur minimal sind. Den Untersuchungen zufolge setzen weibliche Führungskräfte lediglich andere Schwerpunkte als männliche. Dennoch wird Frauen in Führungspositionen häufig weniger Anerkennung entgegengebracht als Männern. Woran liegt das?

Gemäss einer Studie des Verbands deutscher Unternehmerinnen (hier als pdf) setzen Frauen in der Chefetage mehr auf Kreativität, Fürsorglichkeit und Teamfähigkeit, während Männer eine gewisse „Ellenbogen-Mentalität“ an den Tag legen und schnell Entscheidungen treffen. Demnach werden auch Prioritäten anders gesetzt.

Kundenbindung oder Wettbewerbsorientierung?
Während Frauen eine enge Kundenbindung sowie eine gute Verbindung zu den Mitarbeitern schätzen, sind Männer wettbewerbsorientierter und bieten rationale Vorteile für die Mitarbeiter an. So bekommen Mitarbeiter in frauengeführten Unternehmen Vorteile wie Betriebs-Kitas, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice geboten, um Familie und Beruf besser miteinander vereinen zu können. Auch Freiheiten bezüglich Kleidervorschriften sind in frauengeführten Unternehmen häufiger anzutreffen, sodass sich beispielsweise Damen bei der Onlinesuche nach Businessmode nicht auf das klassische Kostüm beschränken müssen – renommierte Anbieter haben schliesslich auch viele stilvolle Alternativen im Angebot. In männergeführten Unternehmen wiederum dominieren finanzielle Vorteile und sachliche Leistungen wie Dienstwagen oder Firmenhandys.

Doch die emotionalen Elemente im weiblichen Führungsstil werden heutzutage noch mit jeder Menge Vorurteilen betrachtet, wie man in einer Analyse der Universität Zürich nachlesen kann (pdf) kann. So werden Frauen beispielsweise aufgrund ihrer Empathie häufiger als schwach und weniger durchsetzungsstark wahrgenommen, als Männer. Dabei hat eine empirische Studie der Uni Mannheim und des Studienzentrums Bonn im Jahr 2014 herausgefunden, dass Männer grundsätzlich etwas stärker zum sogenannten „Laissez-faire-Führungsstil“ neigen, als Frauen. Mehr Regeln, Unterstützung und Führung bekommen Mitarbeiter also entgegen des Klischees des führungsstarken Mannes in frauengeführten Unternehmen.

Erfolg durch vereinte Führungsstile
Diese feinen Unterschiede im Führungsstil beweisen jedoch auch, dass ein Unternehmen bestenfalls sowohl männlich als auch weiblich geführt werden sollte. Denn für ein erfolgreiches Unternehmen bedarf es sowohl Einfühlungsvermögen und Unterstützung als auch Druck, schnelles Handeln und rationales Denken. Eine Zusammenführung beider Führungsstile könnte demnach die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens steigern.

Dementsprechend ernüchternd erscheint die Tatsache, dass trotz aller Gleichstellungsbemühungen die Geschlechterdurchmischung in der Führungsetage noch immer sehr schleppend vorangeht. Die Schweiz liegt im europäischen Vergleich nur auf den hintersten Rängen, Vorreiter sind Norwegen und Frankreich. Insgesamt ist die Anzahl der Frauen in der Chefetage in diesem Jahr sogar von acht auf sieben Prozent zurückgegangen – eine bedenkliche Entwicklung, die mehr Initiative der Schweizer Wirtschaft erfordert.

Doch die Ziele sind gesetzt: So ist unter anderem geplant, bis 2021 rund ein Drittel aller Verwaltungsräte in der Schweiz mit Frauen zu besetzen. Bleibt abzuwarten, wie sich die Frauenquote langfristig entwickeln wird.

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