Lea von Bidder, Co-Founder Ava, im Interview

Von patrick.gunti - 16:15

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Lea von Bidder, Co-Founder Ava. (Foto: Ava)

von Patrick Gunti


Frau von Bidder, Ava hat sich den „Top 100 Swiss Start-up Award“ gesichert, eine von bereits mehreren Auszeichnungen. Wie wichtig sind diese einerseits für Sie persönlich, andererseits für das Unternehmen?

Wir freuen uns natürlich riesig, dass unsere Arbeit in dieser Weise anerkannt wird. Bei Ava hat sich im letzten Jahr viel getan. Wir haben die ersten Resultate unserer Studie publiziert, wir haben in den USA sowie in Europa gelaunched und inzwischen werden etwa 15 Ava-Nutzerinnen schwanger pro Tag. Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeit und vor allem auf das Team, welches diese Arbeit erst möglich machte.

Sie haben mit Ihrem Team ein Sensorarmband entwickelt, dass über Nacht getragen wird, Daten sammelt und und so die fruchtbaren Tage der Frauen erkennt. Wie kam es zur Entwicklung des Trackers?

Meine Mitgründer, Pascal König, Peter Stein, Philipp Tholen und ich haben uns etwa vor drei Jahren gesagt, dass herkömmliche Methoden zum Tracken des Zyklus nicht nur altmodisch, sondern auch ungenau und sehr unpraktisch sind. Seinen Zyklus zu verstehen und die Chancen auf ein Baby zu erhöhen sollte nicht komplex und schwierig, sondern einfach und spannend sein. Wir haben alle unsere eigenen Erfahrungen mit den existierenden Möglichkeiten gemacht und waren dadurch sehr motiviert, an etwas Besserem zu arbeiten. Mit unserem Hintergrund in Medtech, Sensortechnologie und Big Data hatten wir auch den richtigen Background, das zu tun.

„Wir ermitteln 5.3 fruchtbare Tage einer Frau mit 89% Genauigkeit.“
Lea von Bidder, Co-Founder Ava

Welche Parameter misst das Ava-Armband und wie erfolgt die anschliessende Berechnung der fruchtbaren Tage?

Ava misst neun verschiedene, physiologische Parameter, welche es uns erlauben die hormonellen Veränderungen durch den Zyklus einer Frau nachverfolgen zu können. Die Parameter, welche gemessen werden: Herzfrequenzvariabilität, Pulsrate, Durchblutung etc. erlauben uns das fruchtbare Fenster einer Frau sehr genau, und vor allem bereits am Anfang zu erkennen. Damit verdoppeln wir die Chancen eines Paares schwanger zu werden.

Welche Genauigkeit liegt bei den Messungen vor?

Wir ermitteln 5.3 fruchtbare Tage einer Frau mit 89% Genauigkeit.

Könnte Ava im Umkehrschluss nicht auch eine Verhütungsmethode sein?

Unbedingt. Daran arbeiten wir im Moment.

Welches sind die grundlegenden Unterschiede zu herkömmlichen Produkten, die das Zeitfenster der fruchtbaren Tage eruieren sollen?

Wir erkennen das Fenster sehr genau und bereits am Anfang der fruchtbaren Tage. Ausserdem macht das Armband wesentlich mehr Spass als die aufwändige Temperaturmethode oder Urinsticks.

Wie immer stellt sich bei der Messung von persönlichen und sensiblen Informationen die Frage nach dem Datenschutz. Wie stellen Sie diesen sicher und wie gehen Sie bei Daten vor, die Sie zu Forschungszwecken nutzen?

Wir nehmen Datenschutz sehr ernst und leben nach dem Goldstandard. Wir verwenden die Daten unserer Kundinnen anonymisiert zu Forschungszwecken.

Wenn eine Frau schwanger ist, kann sie Ava ebenfalls verwenden. Wie wichtig ist für Ava das Thema Schwangerschaftsbegleitung?

„Wir sind als junge Unternehmung global aufgestellt, haben eine volle Pipeline und konnten Kundinnen mit unserem ersten Produkt bereits überzeugen.“

Sehr. Die Bedeutung davon wird in den nächsten Jahren noch einmal massiv steigern aufgrund von der Forschung, welche wir im Moment betreiben.

Bis heute hat Ava 12,3 Millionen Dollar an Risikokapital gesammelt. Welche Argumente haben die Investoren überzeugt?

Wir sind als junge Unternehmung global aufgestellt, haben eine volle Pipeline und konnten Kundinnen mit unserem ersten Produkt bereits überzeugen. Zudem haben wir ein sehr starkes Team.

Sie bauen in San Francisco die US-Niederlassung von Ava auf. Wie wichtig ist die Nähe zum Silicon Valley für Ava?

Die Nähe zum Valley ist für uns sehr wichtig. Wir profitieren z.B. in unserem Marketing sehr stark davon, genau da zu sein, wo die Trends in diesem Bereich gesetzt werden.

Wo werden die Tracker hergestellt und wie viele konnten bis anhin verkauft werden?

Die Tracker kommen aus Europa. Wir machen keine Angabe zu Umsatzzahlen.

Welches sind die weiteren geplanten Schritte?

Unsere Technologie ist faszinierend und wir lernen ständig über neue Einsatzfelder, wie etwa Verhütung, verschiedene Fertility Conditions oder Schwangerschaftsüberwachung. Wir arbeiten nun an Lösungen in allen diesen Bereichen. Und freuen uns in der Zwischenzeit über alle Ava Baby -Grusskarten, die uns zugestellt werden.

Frau von Bidder, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Lea von Bidder, Mitgründerin von Ava:
Lea ist Mitgründerin von Ava. Erfinder und Hersteller des ersten Fruchtbarkeitstrackers. Für Ava war sie entscheidend daran beteiligt, dass das Unternehmen eine VC-Finanzierung von über 12 Millionen Dollar erhalten hat. Dadurch konnte der Produktumsatz in den USA und Europa seit dem Start im Juli 2016 erweitert werden. Außerdem hat Ava unter ihrer Leitung überwältigende Kundenrezensionen gesammelt und Aufmerksamkeit in den wichtigsten Medien generiert: von USA Today und Forbes über Salon und Wired bis hin zu Shape, Women’s Health, die Today Show und BBC. Auf Konferenzen wie der CES und TechCrunch Disrupt hat sie Vorträge gehalten und Artikel über Unternehmerinnen und Innovationen in der digitalen Gesundheit für Frauen geschrieben.
Vor Ava war Lea Mitgründerin von L’Inouï, einer Premium-Schokoladenproduktion und Einzelhandelskette in Bangalore, Indien. Ausserdem war sie in der Marketingabteilung von Procter & Gamble in Frankfurt und für eine Strategie-Consulting-Boutique in Paris tätig. Lea hat einen Master-Abschluss in internationalem Management der EM Lyon in Frankreich, der Zhejiang Universität in China sowie der Purdue Krannert Universität in den USA. An der Universität St.Gallen und HEC Montréal in Kanada erwarb sie ihren Bachelor-Abschluss.

Ava

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