Josef Brunner, VR-Präsident Bergbahnen Obersaxen, im Interview

Von moneycab - 16:12

Eingestellt unter: CEO Interviews, Interviews

Josef Brunner

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Brunner, das Skigebiet Obersaxen-Mundaun hat zwei komplett unterschiedliche Seiten. Fahren alle Wintersportler zuerst auf der Südostseite und wechseln dann am Nachmittag auf die Nordwestseite?

Josef Brunner: Die Ausrichtung des Schneesportgebietes Obersaxen Mundaun Val Lumnezia in alle Himmelsrichtungen ist sicher eine seiner Besonderheiten. Ganz speziell ist die Skischaukel von Obersaxen nach Vella, welche mit vier Zubringerbahnen über einen Berggrat zusammenhängend die Nord- und Südflanken in beide Richtungen verbindet.

Welche Vorteile bringt das?

Damit können die Schneesportler während des ganzen Winters zwischen unterschiedlichen Expositionen sowie Temperatur- und Schneeverhältnissen auswählen. Bei grösserer Kälte anfangs Winter ist deshalb insbesondere der Süden gefragt, während in der zweiten Winterhälfte der Pulverschnee im Norden lockt.

Der Föhn ist aber sicher kein Thema?

Nachdem unsere Destination etwas seitlich des Haupttales der Surselva liegt, wird sie vom über den Vorderrhein wehenden Föhn weitgehend verschont. Sie profitiert hingegen von den damit zusammenhängenden föhnigen Aufhellungen und dem schönen Wetter.

Obersaxen ist ein Geheimtipp für Skifans. Welche Marketingstrategie verfolgen Sie? Mit rund 75’000 Franken ist Ihr Werbeaufwand sehr bescheiden kalkuliert.

Bislang waren die Bergbahnen für die gesamte Infrastruktur am Berg verantwortlich. Sie haben auch sämtliche Einrichtungen mit Beförderungs- und Beschneiungsanlagen, Pistenmaschinen sowie Restaurationen aus eigenen Mitteln ohne staatliche Beiträge finanziert. Nach einer hohen Investitionskadenz musste deshalb auch immer wieder eine Konsolidierungsphase eingeschaltet werden. Damit die Finanzen stets im Lot bleiben konnten. Heute geht der allgemeine Trend aber dahin, namentlich die technische Beschneiung als einen Teil des Service public anzusehen und diesen Bereich also folgerichtig auch mit Unterstützung der öffentlichen Hand zu finanzieren. Damit werden die Finanzen der Privatunternehmungen entlastet, um ein grösseres Investitionsvolumen in kürzerer Zeit bewältigt werden kann.

„Heute sieht man oft die technische Beschneiung als einen Teil des Service public an und möchte diesen Bereich folgerichtig auch mit Unterstützung der öffentlichen Hand finanzieren.“
Josef Brunner, VR-Präsident Bergbahnen Obersaxen

Sie setzen also auf eine Private-Public-Partnership?

Genau unter diesem Aspekt haben sich die drei Gemeinden im Einzugsgebiet unseres Schneesportgebietes, Obersaxen Mundaun, Lumnezia und Ilanz/Glion, zusammen mit den Bergbahnen im Rahmen eines Masterplanes mit der künftigen Positionierung des Winter- und Sommertourismus befasst. Ziel war die Gründung einer Finanzinfrastrukturgesellschaft, die neben Bikerrouten und Wanderwegen speziell auch weitere dezentrale Anlagen und Einrichtungen, wie zum Beispiel einen Seilpark, eine Rodelbahn oder einen kombinierten Speichersee mit Sommernutzung, sowie eine Erweiterung der bestehenden technischen Beschneiung realisiert.

Aber der Masterplan «Rund um den Mundaun» wurde doch durch die Bevölkerung klar abgelehnt?

Nach der Ablehnung, beziehungsweise „Rückstellung“ dieser Vorlage durch zwei beteiligte Gemeinden, ist das Projekt zurzeit leider etwas ins Stocken geraten. Solange diese Blockade anhält, werden die Bergbahnen ihre – winterlastigen – Ausbaupläne im Rahmen ihrer finanziellen Ressourcen step by step, mit einem längeren zeitlichen Horizont weiterverfolgen.

In den weitverzweigten Streusiedlungen des Skigebiets hat es viele Gruppenunterkünfte. Werben Sie bewusst um Schulklassen und damit die Jugend als Klientel der Zukunft?

Eines unserer Standbeine stellen die recht zahlreichen und über die ganze Valsersiedlung mit ihren vielen Fraktionen verteilten Gruppenunterkünfte dar. Die sind zum Teil Eigentum von ausserkantonalen Gemeinden. Es finden regelmässig Klassenlager statt und ermöglichen Schülern aus städtischen Agglomerationen den ersten intensiven Kontakt zum Schneesport. Daraus wiederum entstehen vielfach nachhaltige Beziehungen zu unserer Skistation, was später sogar oft zum Erwerb eigener Ferienwohnungen durch frühere Lagerteilnehmer führt. Diese Aktivitäten werden deshalb von Bergbahnen mit stark reduzierten Kartenpreisen unterstützt.

Ansonsten sehe ich Sie eher als Familienskigebiet…

Das stimmt. Als nach Laax zweitgrösstes Schneesportgebiet in der Region fokussiert sich Obersaxen Mundaun in erster Linie auf Familien und Geniesser. Womit man sich vom hektischen Betrieb in anderen Destinationen abgrenzt. Damit wird auch der Tatsache Rechnung getragen, dass in unseren Gemeinden der Zweitwohnungsanteil das Angebot an Hotelbetten übersteigt, weshalb wir erfreulicherweise auf eine grosse Anzahl an Stammgästen zählen dürfen. Dadurch lässt sich der eigene Werbe- und Marketingaufwand in Grenzen halten. Zumal die Basiswerbung ohnehin über Surselva Tourismus läuft.

„Unsere Bergbahnen werden ihre winterlastigen Ausbaupläne im Rahmen ihrer finanziellen Ressourcen – step by step – mit einem längeren zeitlichen Horizont weiterverfolgen.“

Ein Fünftel mehr Ersteintritte, ein Fünftel mehr EBITDA. Das war die schöne Bilanz des letzten Winters – nach zwei schlechten Jahren. Eine EBITDA-Marge von 46,23% ist ein sehr guter Wert. Wie fühlt sich die jetzt laufende Saison an?

Der heutige Wintergast ist sehr anspruchsvoll und kann unter vielen Angeboten auswählen. Ebenso entscheidend für hohe Ersteintritte ist das Wetter, namentlich natürlich an den Wochenenden.

Ich vermute also, dass es am Ende eine gute Saison geben wird…

Der laufende Winter ist in dieser Hinsicht mit ausgiebigen Schneefällen und trotzdem vielen sonnigen Tagen sehr gut verlaufen. Zum Erfolg beigetragen haben ebenfalls unsere beiden in den letzten zwei Jahren erstellten neuen Sesselbahnen Misanenga – Untematt sowie Untermatt – Stein. Mit dieser Direttissima werden die Gäste in kürzester Zeit komfortabel vom Tal zuoberst ins Skigebiet mit Pisten in alle Richtungen befördert, so dass von der Anfahrt bis zur Abfahrt nur ganz wenig Zeit verstreicht. Diese Attraktivitätssteigerung hat sich schnell herumgesprochen und für ein zusätzliches Gästeaufkommen gesorgt.

Der Gastronomieanteil am Umsatz beträgt nur vier Prozent. Ist da vielleicht ein weiterer Wachstumspfad möglich?

Mehr Gäste erhöhen natürlich auch den Gastroumsatz. Das wirkt sich jedoch nur indirekt auf die Jahresrechnung der Bergbahnen aus, da wir alle unsere Restaurationen verpachtet haben und nicht selbst betreiben. Im Jahresabschluss erscheinen somit nur die Pachteinnahmen und nicht die effektiven Umsatzzahlen der einzelnen Betriebe.

Meine Frage zielte vor allem auf allfällige Zukäufe im Gastrobetrieb ab. Im Gegensatz zu Rentnerbergen mit reinem Gastrobetrieb, wie beispielsweise der Hohe Kasten, sind Sie ja eine Sportdestination. Da gäbe es noch Raum zum Erwerb einer Hotellerie- oder Gastrobeteiligung.

Unsere Strategie steht und hat für die Bahnen den Vorteil, dass die Gesamtverwaltung klein gehalten werden kann, während dem Gast kein von oben diktiertes Angebot vorgesetzt wird. Jeder Gastgeber kann sich mit einer individuell ausgestalteten Speisekarte um seine Kundschaft bemühen. Damit sind wir bislang gut gefahren. Und der Gast schätzt diese Auswahl unter differenzierten Gastro-Philosophien.

Die Bergbahnen Obersaxen AG halten auch knapp zwei Drittel der Aktien und Stimmen der Bergbahnen Piz Mundaun AG, weshalb ein gemeinsamer Markenauftritt vorherrscht. Das ist sicherlich ein grosser Vorteil?

Seit der Übernahme der Aktienmehrheit an der Bergbahnen Piz Mundaun AG durch die Bergbahnen Obersaxen AG vor nunmehr 15 Jahren steht das ganze zusammenhängende Schneesportgebiet Obersaxen Mundaun Val Lumnezia unter einer Leitung, was natürlich Planung und Entwicklung dieser Station mit zusammen 16 Beförderungsanlagen, 120 Pistenkilometern und 7 Restaurationen wesentlich erleichtert. Seither konnten nicht nur die Bergbahnen Obersaxen AG, sondern auch die Bergbahnen Piz Mundaun AG mit ausgezeichneten Jahresergebnissen aufwarten.

Welche weiteren „grossräumigen“ Kooperationen sind in der Pipeline?

Beide Unternehmungen zählen schweizweit zu den rentabelsten Bergbahnunternehmungen. Da dürfte deshalb das Optimum an Kooperationsmöglichkeiten erreicht worden sein, zumal sich unsere Bergbahnen nach wie vor auf die Entwicklung am Berg ausrichten und ihre Kräfte nicht mit zusätzlichen Engagements im Talbereich verzetteln wollen. Selbstverständlich ist eine Zusammenarbeit unter den diversen Leistungsträgern in der Region ausbaufähig und erwünscht. Ein Anfang wurde mit der Surselva Tourismus AG gemacht, welche Dienstleistungen für den mittleren Teil dieser Talschaft im Bereich Marketing, Werbung und Reservationen übernimmt. Nachdem hierfür aber keine zeitliche Dringlichkeit besteht, können weitere Kooperationsmodelle ohne Hektik angegangen werden.

Zum Gesprächspartner:
Josef Brunner, geb. 30. Mai 1948, von Domat/Ems, in Ilanz, lic.iur., ist Rechtsanwalt und Notar mit eigener Kanzlei in Ilanz. Seit 1988 engagiert er sich als Mitglied des Verwaltungsrates der Bergbahnen Obersaxen AG, ab 1992 Verwaltungsratspräsident und Delegierter. Ab der Übernahme der Aktienmehrheit an der Bergbahnen Piz Mundaun AG im Jahre 2004 wurde Josef Brunner auch VR-Präsident und Delegierter dieser Tochtergesellschaft. Er vertritt die Bergbahnen Obersaxen Mundaun im Verwaltungsrat der Surselva Tourismus AG und im Vorstand Bergbahnen Surselva.

Bergbahnen Obersaxen

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