Unternehmens-KI gewinnt in Europa an Bedeutung – Agentic AI rückt in den Fokus von CIOs
Zürich – Unternehmen gehen zunehmend von KI-Pilotprojekten zur breiten Umsetzung über. Treiber sind messbare Vorteile und die Erwartung klarer finanzieller Erträge. Das zeigt das Lenovo Europe & Middle East CIO Playbook 2026 auf Basis von Forschungsergebnissen von IDC. Bereits 46 Prozent der KI-Proof-of-Concepts befinden sich im Produktivbetrieb. Europäische Unternehmen rechnen dabei mit einem durchschnittlichen Ertrag von 2,78 US-Dollar für jeden investierten Dollar.
Das veröffentlichte Lenovo CIO Playbook 2026 «The Race for Enterprise AI» basiert auf den Einschätzungen von 800 IT- und Business-Entscheidungsträgern in Europa und dem Nahen Osten und markiert einen regionalen Wendepunkt. Sie macht deutlich, dass der Nutzen von Unternehmens-KI real und unmittelbar ist. Entsprechend planen 93 Prozent der Befragten, ihre KI-Investitionen in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen, im Durchschnitt um zehn Prozent. 94 Prozent erwarten daraus positive Erträge.
Einsatz von Unternehmens-KI in Europa und dem Nahen Osten
KI gilt laut Studie als zentraler Treiber für die Neuausrichtung von Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Einführung verläuft jedoch je nach Markt unterschiedlich schnell. Gründe sind unterschiedliche digitale Reifegrade, regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigt sich bei vielen CIOs eine gewisse Selbstüberschätzung. Zwar befinden sich 57 Prozent der Unternehmen in Europa und dem Nahen Osten in einer fortgeschrittenen Phase der KI-Nutzung, doch nur 27 Prozent verfügen über ein umfassendes KI-Governance-Framework. Einschränkungen bei Datenqualität, internen Kompetenzen, Integration und organisatorischer Abstimmung führen dazu, dass Anspruch und tatsächliche Umsetzungsfähigkeit auseinanderfallen.
Da Agentic AI im Jahr 2026 Generative KI als wichtigste Priorität für CIOs ablösen soll, drohen diese Defizite den Zugang zu weiterem Potenzial zu blockieren.
65 % der Unternehmen konzentrieren sich darauf, Agentic AI innerhalb der nächsten 12 Monate in ihren Geschäftsprozessen zu skalieren. Derzeit berichten jedoch nur 16 % von einer signifikanten Nutzung, während die Mehrheit noch Pilotprojekte durchführt oder aktiv Anwendungsfälle evaluiert.
Weiter entwickelte Märkte wie Skandinavien, Italien und das Vereinigte Königreich haben die Pilotphase weitgehend hinter sich gelassen. Dort setzen die meisten Unternehmen KI bereits systematisch ein und richten ihren Fokus auf hybride und Edge-Bereitstellungen, um den Einsatz zu skalieren. In Teilen Süd- und Osteuropas befinden sich viele Unternehmen noch in einer frühen Phase, häufig in der Planung oder in ersten Entwicklungsstufen. Der Nahe Osten entwickelt sich zugleich zu einem dynamischen Wachstumsmarkt mit einer starken Zunahme an KI-Einführung und wachsendem Interesse an fortgeschrittener und Agentic AI.
In der gesamten Region dominieren hybride Bereitstellungsmodelle, da Unternehmen Innovation mit Datensouveränität und operativer Kontrolle verbinden wollen. Gleichzeitig nimmt das Interesse an Agentic AI spürbar zu. Das weist auf einen Übergang von reinen Pilotprojekten hin zu stärker autonomen und produktionsreifen KI-Anwendungen hin, auch wenn der Reifegrad je nach Markt weiterhin unterschiedlich ist.
“Wir sehen inzwischen klare Erträge aus den KI-Pilotprojekten und Proof-of-Concepts, in die Unternehmen investiert haben. KI erzielt dabei in der gesamten Region messbare Wirkung”, sagt Matt Dobrodziej, President Europe bei Lenovo. “Viele Unternehmen verfügen jedoch noch nicht über die notwendigen Kompetenzen, Governance-Strukturen und die organisatorische Reife, um KI in vollem Umfang zu skalieren. Da sich der Fokus zunehmend auf Agentic AI verlagert und die Einhaltung von Regulierungen wie dem EU AI Act zwingend wird, müssen Vertrauen und Skalierbarkeit von Anfang an mitgedacht werden. Andernfalls riskieren Unternehmen, konkrete Ertragspotenziale ungenutzt zu lassen.”
KI-Einsatz in der Schweiz
“Die Schweiz ist bei der Künstlichen Intelligenz (KI) klar in der Umsetzung angekommen”, sagt Pierre Winiger, Technical Sales Engineer bei Lenovo Schweiz. Zwar befindet sich die Mehrheit der Unternehmen aktuell noch zwischen Pilotprojekten und ersten produktiven Einsätzen, doch der Markt bewegt sich spürbar nach vorne. Während eine tief ins Kerngeschäft integrierte Nutzung bisher vor allem bei Grossunternehmen dominiert, bauen insbesondere KMU ihre Kapazitäten zuletzt deutlich aus. Getrieben wird diese Entwicklung primär durch das Ziel, Effizienz- und Produktivitätsgewinne mittels automatisierter Prozesse und besserer Datenauswertung zu erzielen.
In den kommenden ein bis zwei Jahren wird KI weg von Einzelinitiativen hin zu systematisch gesteuerten Programmen im Geschäftsalltag rücken. Damit dieser Sprung vom Pilotbetrieb in die breite Anwendung gelingt, ist ein klarer Business-Nutzen entscheidend: KI-Projekte dürfen keine reinen Technologie-Experimente sein, sondern müssen messbare Ergebnisse liefern. Neben einer soliden Datenbasis und klaren Governance-Strukturen identifiziert Pierre Winiger vor allem den menschlichen Faktor als Schlüssel: “Nachhaltig skaliert KI dort, wo Organisation, Kultur und Führung mitziehen. Vertrauen und gezielter Kompetenzaufbau sind nötig, damit KI als ergänzendes Werkzeug im Alltag akzeptiert wird.”
Hybride KI-Architekturen setzen sich im Unternehmensumfeld durch
Die Studie zeigt, dass konkrete geschäftliche und finanzielle Anforderungen den Übergang zu hybrider KI beschleunigen. Datenschutz, hohe Sicherheitsanforderungen sowie der Bedarf an anpassbarer und optimierbarer Infrastruktur fördern die Verbreitung dieses Modells, das Public Cloud, Private Cloud und On-Premises-Rechenleistung kombiniert. Inzwischen bevorzugen 58 Prozent der Unternehmen hybride Ansätze als primäres Bereitstellungsmodell für KI.
Leistungsfähige und skalierbare KI-Infrastrukturen gelten als zentrale Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Unternehmens-KI. Befragte in der Region betonen insbesondere die Bedeutung von Rechenleistung, die sowohl kosten- als auch energieeffizient ist. Dieser Faktor rangiert auf Platz zwei der wichtigsten Kriterien, um KI von Pilotprojekten in einen stabilen Produktivbetrieb zu überführen.
Da AI PCs und Edge-Endpunkte eine Schlüsselrolle in Hybrid-Strategien spielen und KI-Workloads sicher lokal ausführen, hat sich die Einführung KI-fähiger Endgeräte als wichtigste IT-Investitionspriorität für 2026 etabliert.
“CIOs in der gesamten Region treten in eine entscheidende Phase der KI-Nutzung ein, in der agentische KI und Inferenz auf Unternehmensebene den Schritt von der Erprobung zu zentralen geschäftlichen Prioritäten vollziehen”, sagt Matt Dobrodziej. “Um echten Mehrwert zu erschliessen, benötigen Unternehmen belastbare Grundlagen. Dazu zählen sichere und energieeffiziente Infrastrukturen, flexible hybride Architekturen sowie KI-fähige Endgeräte und Edge-Endpunkte, die Inferenz näher an den Ort bringen, an dem Daten entstehen und gearbeitet wird. In Kombination mit geeigneter Governance und passenden Services ermöglicht dieser End-to-End-Ansatz Unternehmen, verantwortungsvoll, sicher und skalierbar zu innovieren.” (pd/mc/pg)