CH-Verlauf: Erneut Abgaben – Schwergewichte stützen

CH-Verlauf: Erneut Abgaben – Schwergewichte stützen
(Adobe Stock)

Zürich – Bald zwei Wochen nach Kriegsausbruch im Iran meiden Anleger rund um den Globus weiter das Risiko. Vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende hält man sich lieber an der Seitenlinie auf, heisst es im Handel.

Seit Kriegsausbruch summieren sich die Abgaben des SMI nun auf fast 9 Prozent. Am Freitag sind es aber die defensiven Schwergewichte, die höhere Abgaben am hiesigen Aktienmarkt verhindern. Gleichzeitig hofften die Anleger immer noch auf den «Trump-Put». Sie setzen also auf die Annahme, dass US-Präsident Donald Trump eingreift, wenn die Märkte stärker unter Druck geraten.

Ölpreis bleibt hoch
Richtungsweisend für die Anleger ist und bleibt die Entwicklung am Energiemarkt, denn Öl- und Gaspreise sind der Gradmesser für Konjunktur- und Inflationssorgen. Der Mechanismus seit Beginn des Konflikts ist immer gleich: Ölpreis rauf, Aktienkurse runter – und umgekehrt.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent hat in der Nacht auf Freitag wieder die Marke von 100 US-Dollar geknackt. Aktuell kostet ein Barrel rund 101 Dollar. Trump, der Anfang der Woche noch ein baldiges Ende des Kriegs angekündigt hatte, erklärte wiederum, er sei mehr darum besorgt, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern, als über höhere Ölpreise.

Zudem lässt der von den USA in Aussicht gestellte militärische Begleitschutz für Schiffe in der Strasse von Hormus noch immer auf sich warten. In einem Versuch, die Spannungen etwas zu lindern, kündigten die USA an, vorübergehend den Verkauf von auf Schiffen gelagertem russischem Öl zu erlauben.

Notenbanken rücken in den Fokus
Die drastisch gestiegenen Ölpreise wecken Konjunktur- und Inflationssorgen, zumal in der kommenden Woche zahlreiche Notenbanksitzungen anstehen. Neben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) tagen unter anderem die US-Notenbank, die Bank of England, die Europäische Zentralbank und die Reserve Bank of Australia (RBA).

Denn je länger die Strasse von Hormus geschlossen bleibe, desto stärker dürften die Märkte in Richtung Stagflation tendieren, warnt ein Experte. In diesem Szenario stagniert das Wirtschaftswachstum, während die Inflation anzieht. Das könnte Notenbanken dazu veranlassen, Zinssenkungen zu verschieben oder die Zinsen gar anzuheben.

Schwergewichte begrenzen Abgaben
Der SMI notiert um 11 Uhr 0,27 Prozent tiefer bei 12’807,71 Punkten. Damit hat er immerhin einen Teil seiner anfänglichen Verluste wettgemacht. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte sinkt um 0,42 Prozent auf 2943,11 und der breite SPI 0,31 Prozent auf 17’865,45 Punkte.

Dass die Indizes ihre Verluste einzugrenzen vermochten, liegt nicht zuletzt auch an den defensiven Werten, die eine grosse Gewichtung aufweisen. Allen voran die Roche-Bons verteuern sich nach einer eher schwachen Woche und dem Dividendenabgang wieder um 0,8 Prozent. Mit Novartis (+0,1%) und Nestlé (-0,1%) tendieren die anderen beiden «Dickschiffe» kaum verändert.

Auch ein gewisser «Home-Bias» ist zu Wochenschluss zu beobachten: Swisscom verteuern sich um 0,3 Prozent. Stabil im Markt liegen mit Swiss Re (+0,2%) und Zurich (+0,5%) zwei andere solide Dividendenzahler.

Auf der anderen Seite werden konjunktursensitive Werte aus den Depots gekippt. Allen voran Amrize verbilligen sich um 2,8 Prozent. Mit Sika (-2,0%) und Geberit (-1,3%) stehen weitere baunahe Werte unter Druck. Im breiten Markt trifft dies auf Implenia (-3,1%) zu.

ABB verbilligen sich um 1,2 Prozent. Laut Händlern steigt bei den Anlegern die Angst vor einer Grossübernahme. Denn Verwaltungsratspräsident Peter Voser hat sich in einem Reuters-Interview bereit für eine aggressivere Akquisitionsstrategie gezeigt.

Die am Vortag nach Zahlen gesuchten Peptidhersteller tendieren uneinheitlich. Während Bachem (+0,7%) nach einer Kurszielerhöhung durch die UBS weiter zulegen, werden bei Polypeptide (-10,9%) die Vortagesgewinne wieder mehr als vom Tisch genommen. (awp/mc/pg)

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