SGKB investment views: Inflation beschert der SNB kein Kopfweh
Die Inflation in der Schweiz ist in der Schweiz im April von 0.3% auf 0.6% gestiegen. Dies entspricht den Erwartungen. Teurer geworden sind vor allem Erdölprodukte und Telekommunikationsdienste. Die Kernrate ist mit 0.3% immer noch tief. Der Inflationsdruck ist gering. Dabei ist anzumerken, dass die gestiegenen Energiepreise sich zuerst durch den Produktionsprozess durchfressen müssen, bis sie in der Breite bei den Konsumenten ankommen.
von Thomas Stucki, CIO der St. Galler Kantonalbank
In anderen Industrieländern sieht es anders aus. In den USA hält sich die Kerninflation auch noch stabil. Die Inflationsrate ist im März jedoch schon deutlich auf hohe 3.3% gestiegen und wird weiter zulegen. In Deutschland nähert sich die Inflationsrate ebenfalls rasch der 3%-Marke. Die Obergrenze des Zielbandes der SNB für die Inflation von 2.0% ist in weiter Ferne und wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erreicht, auch wenn der Erdölpreis länger auf dem aktuellen Niveau bleiben sollte. Dennoch hat die SNB ihre Haltung zum Franken geändert. Zu Beginn des Krieges im Iran hat die SNB unmissverständlich klar gemacht, dass sie eine Aufwertung des Frankens durch Interventionen verhindern wird. Mittlerweile hat die SNB durchblicken lassen, dass sie einen stärkeren Franken zulassen will. Wertet der Franken auf, drückt das die Importpreise und hilft, den Einfluss der höheren Energiepreise auf die Inflationsrate zu dämpfen. Zudem wird die Inflationsdifferenz zum Ausland zunehmen, was der Schweizer Exportwirtschaft einen Kostenvorteil verschaffen wird.
Nichts Neues von der Konjunktur
Die Zweiteilung der Schweizer Wirtschaft hält an. Die Situation für die Industrie ist unvermindert schwierig und wird sich so schnell nicht verbessern. Sie leidet als Zulieferer unter der Schwäche der deutschen Wirtschaft, vor allem der Autoindustrie, und unter den Zöllen Trumps. Der Unterbruch der globalen Logistik durch die Schliessung der Strasse von Hormus hilft auch nicht. Auf der anderen Seite steht die Binnenwirtschaft, die sich gut entwickelt. Das gilt insbesondere für die Bauwirtschaft, die von den tiefen Zinsen und dem boomenden Immobilienmarkt sowie von den Investitionen in die Infrastruktur profitiert. Der private Konsum hält sich ebenfalls solide. Für die SNB bedeutet das, dass sie sich bei der Gestaltung der Geldpolitik auf die Inflationsentwicklung konzentrieren kann.
Zinserhöhung der SNB zu Unrecht erwartet
Wenn man die Futures auf den Saron-Zinssatz als Massstab nimmt, erwarten die Investoren im Dezember oder spätestens im nächsten März die erste Erhöhung des Leitzinses durch die SNB. Die Zinsen am Kapitalmarkt widerspiegeln diese Erwartung nur bedingt. Die Renditen der Obligationen mit einer längeren Laufzeit sind nach wie vor tief und bewegen sich in einem engen Band. Die Erfahrungen von 2022 zeigten, dass die längeren Zinsen rasch und deutlich ansteigen, wenn höhere Leitzinsen der SNB vor der Tür stehen. Es gibt für die SNB kein Argument, in nächster Zeit eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen. Ich erwarte eine solche frühestens im zweiten Halbjahr des nächsten Jahres. Sollte die EZB bei ihren nächsten Sitzungen ihrerseits ihre Zinsen anheben, muss die SNB nicht nachziehen. Die EZB hat mit der hohen Inflationsrate in der Eurozone und mit der Erinnerung an den starken Inflationsschub nach Covid eine andere Ausgangslage. (SGKB/mc)