Samuel Meyer, CEO Bank Cler, im Interview

Samuel Meyer, CEO Bank Cler, im Interview
Samuel Meyer, CEO Bank Cler. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Meyer, die Bank Cler hat den Geschäftserfolg im ersten Halbjahr um 21,4 Prozent auf 54 Millionen Franken gesteigert, der Halbjahresgewinn nahm um 5 Prozent zu. Was waren die entscheidenden Treiber des Ergebnisses?

Samuel Meyer: Unser Wachstum ist breit abgestützt, was sehr erfreulich ist. Wir sind im Hypothekar-, Einlage- und Anlagegeschäft gewachsen und haben gleichzeitig die Kosten stabil gehalten. Besonders positiv entwickelt sich das Anlagegeschäft. Die Vermögensverwaltungsmandate sind um 21,5 Prozent gewachsen, und auch Zak Invest ist sehr gut gestartet. Die strategische Fokussierung der vergangenen Jahre zahlt sich aus. Dieses breit abgestützte Wachstum wollen wir fortsetzen, indem wir die Beziehungen zu unseren Kundinnen und Kunden entlang ihrer Bedürfnisse weiter ausbauen.

Das Kosten-Ertrags-Verhältnis hat sich von 61,2% auf 58,0% verbessert. Was hat konkret zu dieser Effizienzsteigerung beigetragen?

Wir wachsen beim Ertrag deutlich stärker als bei den Kosten. Der Geschäftsertrag ist um 7,3 Prozent gestiegen, der Geschäftsaufwand lediglich um 1,1 Prozent. Gleichzeitig investieren wir weiter in unsere digitalen Angebote, unsere Geschäftsstellen, effizientere Prozesse und vor allem in unsere Mitarbeitenden. Digitalisierung und Self-Service machen viele Abläufe einfacher und schneller, so dass unseren Mitarbeitenden mehr Zeit für die persönliche Beratung bleibt. Wir werden also effizienter, ohne beim Kundenerlebnis zu sparen.

Mit einem Plus von 21,5 Prozent bei den Vermögensverwaltungsmandaten verzeichnen Sie ein bemerkenswertes Wachstum. Was hat sich im Anlagegeschäft der Bank Cler in den vergangenen Jahren verändert?

Wir haben das Anlagegeschäft in den vergangenen Jahren bewusst ausgebaut, bei unseren Kompetenzen, unserem Angebot und in der Beratung. Das spiegelt sich in den Zahlen wider. Unser Anspruch ist dabei: Anlegen soll verständlich und zugänglich sein. Je nach Vermögen, Interesse und Wissen können unsere Kundinnen und Kunden selbst investieren, sich beraten lassen oder die Vermögensverwaltung vollständig an unsere Expertinnen und Experten delegieren. Mit Zak Invest übertragen wir diesen Anspruch konsequent auch in die digitale Welt.

«Je nach Vermögen, Interesse und Wissen können unsere Kundinnen und Kunden selbst investieren, sich beraten lassen oder die Vermögensverwaltung vollständig an unsere Expertinnen und Experten delegieren.»
Samuel Meyer, CEO Bank Cler

Bei einem SNB-Leitzins von weiterhin 0% konnte der Zinserfolg um 7,2% gesteigert werden. Wie gelingt das in diesem Umfeld – und wie nachhaltig ist dieses Wachstum?

Das Zinsumfeld bleibt anspruchsvoll. Umso wichtiger sind Qualität und ein konsequentes Bilanzstrukturmanagement. Wir setzen auf ein hochwertiges, auf den Wohnbau fokussiertes Hypothekarportfolio und eine stabile Refinanzierung aus Kundengeldern und Pfandbriefdarlehen. Diese Fokussierung schafft die Basis für Stabilität, Rentabilität und Sicherheit. Wir wollen im Zinsengeschäft nicht um jeden Preis wachsen, sondern langfristig profitabel und mit hoher Qualität.

Viele Banken reduzieren seit Jahren ihr Filialnetz. Die Bank Cler investiert dagegen weiter in ihre physischen Standorte, zuletzt in Zürich Urania und Thun. Warum sind für die Bank Cler Geschäftsstellen für eine zunehmend digitale Bank weiterhin strategisch wichtig?

Unsere Kundinnen und Kunden wollen beides: digitales Banking für einfache Bankgeschäfte und persönliche Beratung, wenn sie diese brauchen. Genau darauf ist unser Geschäftsmodell ausgerichtet und deshalb investieren wir bewusst in beide Welten. Mit Zak und unserem schweizweiten Geschäftsstellennetz bieten wir eine in der Schweiz einzigartige Kombination aus Neobanking und persönlicher Beratung vor Ort. Bei wichtigen finanziellen Entscheidungen, etwa beim Eigenheim, bei der Vorsorge oder beim Anlegen, möchten viele weiterhin mit einem Menschen sprechen. Unsere Beraterinnen und Berater machen finanzielle Zusammenhänge verständlich und geben Orientierung. Genau das ist unser Antrieb: Wir wollen finanzielle Klarheit schaffen.

«Mit Zak und unserem schweizweiten Geschäftsstellennetz bieten wir eine in der Schweiz einzigartige Kombination aus Neobanking und persönlicher Beratung vor Ort.»

Mit Zak verfügen Sie gleichzeitig über eines der bekanntesten Schweizer Neobanking-Angebote. Wo ziehen Sie heute – wenn überhaupt – die Grenze zwischen Zak und der klassischen Bank Cler?

Diese Grenze wird bewusst immer durchlässiger. Zak ist heute kein separates Neobanking-Angebot neben der Bank Cler, sondern integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells und unser digitales Basisangebot. Wer Zak nutzt, ist Kundin oder Kunde der Bank Cler. Damit stehen über das digitale Banking hinaus das gesamte Angebot und alle Dienstleistungen der Bank Cler offen, bis hin zur persönlichen Beratung. Zak ist somit nicht die digitale Alternative, sondern der digitale Zugang zur Bank Cler.

Zak soll in der Strategie 2026+ ausdrücklich ein zentraler Kanal zur Neukundengewinnung sein. Wie gut gelingt es Ihnen, aus Zak-Nutzern Kunden zu machen, die Bank Cler tatsächlich als ihre Hauptbank nutzen und weitere Produkte beziehen?

Die Bank Cler gewinnt über Zak den Grossteil ihrer Neukunden und erschliesst damit eine neue, digital affine Kundengruppe. Viele starten mit dem Zahlungs- und Alltagskonto. Wir sehen aber zunehmend, dass Zak auch fürs Sparen, Vorsorgen und Anlegen genutzt wird. Diese Entwicklung wollen wir fördern, denn die finanziellen Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens. Unser Ziel ist es, die Kundenbeziehung entlang dieser Bedürfnisse auszubauen und über Zak immer mehr zur Hauptbankbeziehung zu werden.

«Die Bank Cler gewinnt über Zak den Grossteil ihrer Neukunden und erschliesst damit eine neue, digital affine Kundengruppe. Viele starten mit dem Zahlungs- und Alltagskonto. Wir sehen aber zunehmend, dass Zak auch fürs Sparen, Vorsorgen und Anlegen genutzt wird.»

Mit Zak Invest wurden seit Januar bereits über 2300 Wertschriftendepots eröffnet. Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Entwicklung ziehen?

Die Entwicklung ist sehr erfreulich. Mittlerweile wurden bereits über 2’750 Depots eröffnet, und auch das durchschnittliche Transaktionsvolumen liegt deutlich über unseren Erwartungen. Für uns ist aber nicht nur die Anzahl Depots entscheidend. Spannender ist, dass wir Kundinnen und Kunden erreichen, die einfach und selbstständig mit dem Investieren beginnen wollen. Wenn wir Menschen den Zugang zum Anlegen erleichtern und daraus langfristige Kundenbeziehungen entstehen, erfüllt Zak Invest genau die strategische Rolle, die wir dafür vorgesehen haben.

Mit über 12’000 handelbaren Aktien, Fonds und ETFs positioniert sich Zak Invest im Wettbewerb mit etablierten Schweizer Neobanken und Trading-Apps. Wo sehen Sie Ihren Wettbewerbsvorteil?

Unser Vorteil liegt in der Kombination aus Breite, Kompetenz und persönlichem Zugang. Unsere Kundinnen und Kunden profitieren neben dem sehr breiten Anlageuniversum von den Einschätzungen unseres eigenen Asset Managements. Was uns von vielen reinen Trading Apps am meisten unterscheidet, ist aber unser Geschäftsmodell. Wer beim Investieren eine persönliche Beratung wünscht, kann sich in unseren Geschäftsstellen beraten lassen. Damit verbinden wir die Einfachheit und Selbstbestimmung des digitalen Investierens mit der persönlichen Beratung und Kompetenz einer etablierten Schweizer Bank.

«Ich bin überzeugt, dass Menschen heute nicht noch mehr Finanzinformationen brauchen, sondern mehr Orientierung. Hier setzen wir als Bank Cler an. Unser Antrieb ist es, für unsere Kundinnen und Kunden finanzielle Klarheit zu schaffen.»

Die Strategie 2026+ läuft bis 2029 und setzt unter anderem auf höhere Vertriebs- und Dienstleistungsexzellenz, den Ausbau des Anlagegeschäfts und ein stärkeres Bilanzmanagement. Was soll bei der Bank Cler Ende 2029 konkret anders sein als heute?

Ich bin überzeugt, dass Menschen heute nicht noch mehr Finanzinformationen brauchen, sondern mehr Orientierung. Hier setzen wir als Bank Cler an. Unser Antrieb ist es, für unsere Kundinnen und Kunden finanzielle Klarheit zu schaffen. Ende 2029 wollen wir für deutlich mehr Menschen in der Schweiz die relevante Hauptbank sein und bei wichtigen finanziellen Entscheidungen als erste Ansprechpartnerin wahrgenommen werden. Dazu wollen wir relevante Bedürfnisse frühzeitig erkennen und im richtigen Moment die passende Lösung bieten. Wir wollen Menschen dabei unterstützen, bewusste und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Wenn uns das gelingt, sind wir 2029 nicht einfach eine grössere, sondern vor allem eine relevantere Bank.

Neu zählt auch die gezielte Steigerung der Markenbekanntheit zu den strategischen Schwerpunkten. Die Bank Cler ist schweizweit tätig, wird aber teilweise noch stark mit Basel und der Muttergesellschaft BKB verbunden. Wie wollen Sie dieses Image verändern?

Unsere Herkunft aus Basel und die Zugehörigkeit zur BKB sind Teil unserer Identität und geben uns Stabilität. Gleichzeitig ist die Bank Cler eine eigenständige, schweizweit tätige Retail- und Immobilienbank mit Geschäftsstellen in allen Sprachregionen und einem nationalen Neobanking-Angebot.

Entscheidend ist, dass die Menschen verstehen, wofür die Bank Cler steht. Und das ist die finanzielle Klarheit. Informationen über Geld gibt es heute überall. Eine gute Bank macht finanzielle Zusammenhänge verständlich, gibt ihren Kundinnen und Kunden Orientierung, schafft Vertrauen und hilft ihnen, gute Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig verfügen wir mit Zak, unserem schweizweiten Geschäftsstellennetz und persönlicher Beratung über ein Geschäftsmodell, das uns klar differenziert. Beides wollen wir im Markt stärker sichtbar und erlebbar machen. Nächstes Jahr feiern wir unser 100 Jahr Jubiläum. Ich freue mich sehr auf dieses besondere Jahr. Es bietet uns die Gelegenheit zu zeigen, wofür wir als Bank Cler stehen und was uns für die Zukunft wichtig ist.

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