Julian Biegmann, General Manager Revolut Schweiz, im Interview

Julian Biegmann, General Manager Revolut Schweiz, im Interview
Julian Biegmann, General Manager Switzerland Revolut. (Foto: zvg/mc)

von Sandra Willmeroth

Moneycab.com: Herr Biegmann, Revolut hat bei der Finma ein Gesuch für eine Schweizer Banklizenz eingereicht. Warum gehen Sie diesen Schritt gerade jetzt – und was können Sie mit einer Schweizer Lizenz tun, was Ihnen mit der heutigen Struktur über die Revolut Bank UAB nicht möglich ist?

Julian Biegmann: Wir wollen die Alltagsbank für alle Schweizerinnen und Schweizer sein. Dafür müssen wir eine Schweizer Bank sein, denn ohne eine Schweizer Banklizenz können unsere Kunden Revolut beispielsweise nicht als Lohnkonto verwenden. Mit der Banklizenz kämen dann Schweizer IBANs, lokale Zahlungsfunktionen und die Schweizer Einlagensicherung dazu. Es wäre nach Grossbritannien, Litauen und Frankreich unsere vierte Banklizenz in Europa.

Revolut zählt nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden in der Schweiz. Wie entwickelt sich das Schweizer Geschäft aktuell – bei Kundenzahl, Nutzung und Erträgen – und welche Bedeutung hat die Schweiz inzwischen innerhalb der Revolut-Gruppe?

Mit mehr als 1,3 Millionen Kunden haben wir bereits eine Marktdurchdringung von über 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Unser Ziel ist es definitiv, in den nächsten Jahren auf 30 bis 40 Prozent zu kommen. Wir betrachten die Schweiz nicht einfach als einen weiteren Markt, sondern als strategischen Markt, in den wir erheblichen investieren wollen.

«Wir betrachten die Schweiz nicht einfach als einen weiteren Markt, sondern als strategischen Markt, in den wir erheblichen investieren wollen.»
Julian Biegmann, General Manager Revolut Schweiz

Sie wollen in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Franken in der Schweiz investieren. Wohin fliesst dieses Geld konkret – in Personal, Technologie, Marketing oder neue Produkte – und wie gross soll die Schweizer Organisation werden?

Ein grosser Teil dieser Mittel soll in den Ausbau des lokalen Teams fliessen, wie beispielsweise Operations oder Risiko und Compliance Mitarbeiter. Als ich Ende 2023 in Zürich gestartet bin, war ich der Einzige, heute sind wir rund 30 Mitarbeitende. Bis Ende des nächsten Jahres wollen wir voraussichtlich in die Nähe von 100 kommen.

Mit einer Schweizer Banklizenz planen Sie unter anderem Schweizer IBANs, Lohnkonten, eBill und die Zahlungsabwicklung für Händler. Wollen Sie damit vom häufig genutzten Zweitkonto zur Hausbank Ihrer Schweizer Kundinnen und Kunden werden?

Absolut. Grundsätzlich zielen wir in jedem Land auf die etablierten Banken und wollen die Menschen davon überzeugen, Revolut als Alltags- und Lohnkonto zu nutzen. Dafür braucht es genau die Bausteine, die eine Banklizenz ermöglicht: Schweizer IBAN und Einlagensicherung, aber auch Dinge wie beispielsweise eBill oder Twint.

Der Schweizer Retailbanking-Markt ist mit Kantonalbanken, Raiffeisen, PostFinance und den Grossbanken stark besetzt. Wo sehen Sie dennoch die grösste Schwachstelle der etablierten Anbieter – und womit wollen Sie Kunden dazu bewegen, ihr Hauptkonto zu Revolut zu verlagern?

Keine Schweizer Bank hat bisher eine überzeugendes umfassendes digitales Angebot über Zahlen, Sparen, Investieren hinweg. Da etablierte Banken wenig attraktive Konditionen in allen Bereichen bieten, führt das zu einer Fragmentierung. Die meisten Kunden verwenden heute eine Bank für den täglichen Zahlungsverkehr, einen Broker für Trading und einen anderen Anbieter für Säule 3a. Wir wollen unseren Kunden ein umfassendes digitales Erlebnis bieten zu transparenten und günstigen Konditionen. Dass uns heute schon mehr als 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nutzen, zeigt, dass dieses Angebot ankommt.

Wie weit sind die 3a- und Twint-Pläne fortgeschritten – und würde Revolut bei der Vorsorge eher auf eine eigene Anlageplattform oder auf Kooperationen mit Schweizer Partnern setzen?

Beides ist aktuell in der Prüfung. Wir wollen und können hier keine Ankündigungen machen, solange das Bewilligungsverfahren läuft.

«Wettbewerbsfähige Sparangebote und Investments sind ein zentraler Teil dessen, was wir Schweizer Kunden künftig bieten wollen.»

Revolut hat sein Investmentangebot in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Welche Rolle sollen Wertschriften, Krypto und Private Markets künftig im Schweizer Geschäft spielen? Werden Schweizer Kunden auch Zugang zu ELTIFs beziehungsweise den bereits in anderen Märkten angebotenen Private-Market-Anlagen erhalten?

Wettbewerbsfähige Sparangebote und Investments sind ein zentraler Teil dessen, was wir Schweizer Kunden künftig bieten wollen. Welche Anlageklassen wir in welchem Markt anbieten, hängt vom regulatorischen Rahmen ab. Einzelne Produkte wie ELTIFs in der Schweiz können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht kommentieren.

Eine Schweizer Banklizenz bringt nicht nur neue Geschäftsmöglichkeiten, sondern auch zusätzliche regulatorische Anforderungen, Governance und Kosten. Was muss Revolut organisatorisch verändern, um aus der heutigen Schweizer Präsenz eine eigenständige Bank zu machen?

Eine Schweizer Bank braucht eigene Leitungs- und Kontrollorgane im Inland. Das heisst: ein lokales Management-Team und sämtliche bankspezifischen Funktionen in Finanzen, Risiko, Compliance und Operations vor Ort verankert. Dazu kommt die technische Anbindung an das Schweizer Bankensystem und das Swiss Interbank Clearing. Der Unterschied zu einem klassischen Markteintritt ist, dass wir nicht bei null anfangen, sondern eine bestehende globale Plattform haben und darauf die lokale Struktur aufbauen.

«Der Unterschied zu einem klassischen Markteintritt ist, dass wir nicht bei null anfangen, sondern eine bestehende globale Plattform haben und darauf die lokale Struktur aufbauen.»

Sollte die Finma die Lizenz erteilen, sollen die bestehenden Schweizer Kunden zur neuen Schweizer Bankeinheit wechseln können. Was würde sich für diese Kunden konkret ändern – bei Verträgen, Konten, Einlagensicherung und Produkten – und mit welchem Zeithorizont rechnen Sie?

Erteilt die Finma die Bewilligung, würden unsere Schweizer Kunden künftig nicht mehr von der litauischen Bank bedient, sondern wären bei einer Schweizer Bank. Ihre Einlagen fielen dann unter die Schweizer Einlagensicherung bis 100’000 Franken. Weitere lokale Produkte würden folgen schrittweise. Uns ist wichtig, dass der Übergang für die Kunden einfach und friktionslos ist. Einen Zeithorizont nennen wir bewusst nicht. Das Gesuch wurde im Sommer eingereicht, aber die Dauer und der Ausgang des Verfahrens ist offen.

Wo soll Revolut Schweiz in fünf Jahren stehen? Welche Produkte und Kundengruppen sollen das Wachstum tragen – und woran würden Sie persönlich messen, ob die Investition von mehr als 150 Millionen Franken erfolgreich war?

In fünf Jahren wollen wir die Alltagsbank für viele Schweizerinnen und Schweizer sein. Wir messen den Erfolg dabei nicht nur an der reinen Kundenzahl, sondern vor allem auch an der Nutzungsintensität unserer Kunden. Da sind wir schon heute auf einem sehr guten Weg.

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