COVID-19: Freundschaft macht leichtsinnig

COVID-19: Freundschaft macht leichtsinnig
Freundinnen und Freunde achten nicht so auf das Infektionsrisiko.

Madrid – Menschen, die sich bemühen, COVID-19-Ansteckungsrisiken in der Öffentlichkeit zu vermeiden, werden leichtsinnig, wenn es um Kontakte zu Freunden und Familienmitgliedern geht. Mehrheitlich glauben sie, von diesen gehe keine Gefahr aus. Das haben Forscher der Universidad Carlos III de Madrid (UC3M) in einer Befragung unter US-Bürgern festgestellt.

Falsches Gefühl der Sicherheit
«Freunde und Familienmitglieder können tröstend wirken, aber es ist irrational und gefährlich zu glauben, dass sie Sie vor einer Infektion mit COVID-19 schützen können», sagt UC3M-Forscherin Hyunjung Crystal Lee. Dieser Fehlglaube könne ein falsches Gefühl der Sicherheit verstärken und zu künftigen Infektionen beitragen.

Kurioserweise nehmen Menschen den Selbstschutz weniger wichtig, wenn sie sich bei Freunden oder Familienmitgliedern infiziert haben. Die Mehrheit entschied sich in solchen Fällen, Schutzmassnahmen wie den Kauf von Masken und Desinfektionsmittel zu reduzieren. Der Effekt war bei Menschen, die sich als Konservative identifizierten, stärker ausgeprägt als bei denen, die sagten, sie seien Liberale. Das liegt wohl daran, dass Konservative dazu neigen, klarere Grenzen zwischen Menschen zu ziehen, die sie als enge Freunde, und denen, die sie als Fremde betrachten.

Freunde versus Infektionsschutz
In einem Experiment mit 495 Teilnehmern haben die Professorinnen eine Gruppe gebeten, Erinnerungen an einen engen Freund aufzuschreiben, während die andere Gruppe sich über einen entfernten Bekannten auslassen sollte. Alle Teilnehmer lasen dann einen Nachrichtenartikel, in dem es hiess, dass ungesunde Snacks das Risiko für schwerere COVID-19-Infektionssymptome erhöhen können, während die Verwendung von Händedesinfektionsmitteln, Gesichtsmasken und Desinfektionstüchern die Wahrscheinlichkeit einer Infektion verringern kann.

Die Teilnehmer wählten dann entweder ein Junk-Food-Produkt (Schokoriegel oder Chips) oder ein Gesundheitsschutzprodukt (Gesichtsmaske, Händedesinfektionsmittel oder Desinfektionstücher) aus einem Online-Shop. Teilnehmer, die über einen engen Freund schrieben, wählten eher Junk Food als diejenigen, die über einen entfernten Bekannten schrieben.

Weniger Geld für eigene Sicherheit
In einem anderen Experiment teilten die Forscherinnen 262 Teilnehmer ohne COVID-19-Infektion in drei Gruppen ein. Sie sollten sich vorstellen, dass sie entweder von einem Freund, einem Bekannten oder einem Fremden infiziert worden sind. Die Teilnehmer wurden dann gefragt, wie viel sie in den nächsten zwei Monaten für Gesundheitsschutzprodukte ausgeben wollten. Diejenigen, die sich eine Infektion durch einen Freund vorstellten, planten dafür weniger als halb so viel (9,28 Dollar) auszugeben wie diejenigen, die sich eine Infektion durch einen Bekannten (18,84 Dollar) oder einen Fremden (21,36 Dollar) vorstellten.

Ein weiteres Experiment umfasste 109 Teilnehmer, die von COVID-19 genesen waren und die Quelle ihrer Infektion kannten. Wenn es Freunde oder Familienmitglieder waren, schätzten sie die Gefahr, sich ein weiteres Mal zu infizieren, als geringer ein, als wenn sie sich bei Bekannten oder Fremden angesteckt hatten. Die Marketingexpertinnen folgern daraus, dass dieser Effekt bei Gesundheitskampagnen stark hervorgehoben werden müsste. (pte/mc/ps)

UC3M
Original-Beitrag bei pressetext

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