Hypozinsen unter psychologische Schmerzgrenze gesunken

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(Foto: Eisenhans - Fotolia)

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Zürich – Erst leicht hoch, jetzt leicht runter, insgesamt auf stabil niedrigem Niveau: Nach ihrem Anstieg im ersten Halbjahr sind die Hypothekarzinsen in der Schweiz wieder ein wenig gesunken. Im dritten Quartal dieses Jahres lagen die Richtzinsen für Festhypotheken über 10 Jahre bei 1,9 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter dem Vorquartal, wie das aktuelle Hypotheken-Barometer des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch zeigt. Gut verhandelt lassen sich Hypotheken mit zehnjährigen Laufzeiten weiterhin um 1,5 Prozent oder gar tiefer abschliessen.

Seit ihrem historischen Tiefstand zu Beginn des Jahres, waren die Hypozinsen wieder langsam, aber stetig nach oben geklettert. Im dritten Quartal nun gab es eine leichte Entspannung, die Zinskurve drehte wieder nach unten. Zehnjährige Laufzeiten wurden wieder zu 1,9 Prozent verzinst. Dies geht aus dem aktuellen Hypotheken-Barometer von comparis.ch hervor. Gleichzeitig setzte sich die im Laufe des letzten Quartals eingesetzte Trendwende bei der Nachfrage verstärkt fort.

Der Banken-Experte von comparis.ch, Marc Parmentier, stellt fest: «Die Hypothekarzinsen bei den zehnjährigen Laufzeiten bewegen sich damit erneut unter der psychologischen Schmerzgrenze von 2 Prozent. Übers Jahr betrachtet lässt sich feststellen, dass die Zinsen auf stabil niedrigem Niveau zwischen 1,8 und 2,0 Prozent geblieben sind. Mit einer Ausnahme: Der SNB-Entscheid im Januar, den Leitzins ins Negative fallen zu lassen, liess die Zinsen in diesen gut zwei Wochen bis auf 1,5 Prozent sinken.»

Experte: «Günstige Bedingungen»
Ein Blick auf das aktuelle Hypotheken-Barometer zeigt im Einzelnen: Die Richtzinsen für zehnjährige Festhypotheken sanken im Laufe des dritten Quartals von 2,0 auf 1,9 Prozent. «Gut verhandelt und bei guter Bonität lassen sich zehnjährige Festhypotheken aber nach wie vor zu Zinssätzen um 1,5 Prozent oder gar tiefer abschliessen», erklärt Banken-Experte Parmentier. Die Richtzinsen für fünfjährige Fest-hypotheken lagen Ende des Quartals erneut bei 1,3 Prozent – und auch hier konnten ausgewählte Geschäfte sogar unter 1 Prozent abgeschlossen werden, je nach Verhandlungsgeschick.

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Aber was bedeutet das gegenwärtige Hypozins-Klima für Eigenheimkäufer? Parmentier verweist auf den aktuellen, im August veröffentlichten Immobilienreport, den die ETH Zürich gemeinsam mit comparis.ch regelmässig herausgibt: «In keinem Schweizer Bezirk ist die Situation einer Immobilien-blase als ‚kritisch‘ einzustufen.  Nur in fünf Bezirken bestehen schwache Anzeichen einer Blasengefahr. Die Kaufpreise sind zwar auf hohem Niveau, doch  die Bedingungen für die Finanzierung von Immobilien bleiben dank der sehr niedrigen Hypothekarzinsen äusserst günstig.»

Deutliche Verschiebung bei Nachfrage
Auf Seiten der Nachfrage hat sich die Verschiebung hin zu mittleren Laufzeiten auch im dritten Quartal 2015 fortgesetzt. Die Nachfrage nach langfristigen Laufzeiten ging deutlich zurück, und zwar von 81 Prozent im zweiten Quartal auf nunmehr 68 Prozent. Im gleichen Zeitraum legte die Nachfrage nach mittleren Laufzeiten entsprechend auffallend von 16 auf 29 Prozent zu, die nach kurzen Laufzeiten blieb bei 3 Prozent.

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Politisch und regulatorisch blieb es in den vergangenen Monaten ruhig auf dem Hypothekarmarkt.  Es gab keine unerwarteten Entscheide seitens der Zentralbanken, keine neuen Massnahmen zur Regulierung. Einzig lässt sich festhalten, dass sich die Turbulenzen im Zusammenhang um die Griechenland-Krise vorerst gelegt haben, der Euro-Ausstieg des südosteuropäischen Landes einstweilen abgewendet zu sein scheint. Interessant bleibt derzeit, ob die US-amerikanische Notenbank FED noch im vierten Quartal des laufenden Jahres den Leitzins anhebt. Zumindest schliesst das FED dies aktuell nicht kategorisch aus. (comparis.ch/mc/ps)

Datengrundlage von comparis.ch
Die Angaben zu den Zinssätzen basieren auf den Richtzinssätzen von rund 65 Kreditinstituten. Sie werden täglich aktualisiert und im Zinsüberblick publiziert. Für die nachgefragten Laufzeiten wurden die Finanzierungsgesuche ausgewertet, welche Kreditsuchende bei der Comparis-Schwesterfirma HypoPlus nach einer unabhängigen Beratung angaben. Die Erfahrung zeigt, dass in den meisten Fällen die Zinsen der Hypothekarofferten unter den offiziellen Richtsätzen liegen. Die Datengrundlage der Nachfrage wurde 2014 geändert. Daher ist kein direkter Vergleich zu den Werten der Vorjahre möglich. Das nächste Hypotheken-Barometer erscheint Anfang 2016.  

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