Kim Jong Who? Und überhaupt: Wo ist Greta?

Kim Jong Who? Und überhaupt: Wo ist Greta?
Wo sind sie hin - die Breaking News vom Februar?

Sie dominieren die Schlagzeilen über Wochen, Monate, teilweise auch Jahre. Die grossen Themen – sie werden von allen Sendern, Portalen und Gazetten aufgenommen und auf Social Media millionenfach geteilt und kommentiert – oder umgekehrt. Und dann plötzlich – Stille, kein Thema mehr. Wo sind sie hin, die „Breaking News“ von früher? Corona ist das Thema, und nur Corona. Ausschliesslich. Was Nachrichtenredaktionen und letztlich dann auch Zusehern, Zuhörern und Lesern noch vor Kurzem wichtig erschien – es findet nicht mehr statt. Was so natürlich nicht stimmt.

von Patrick Gunti

So nahm Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt mehr oder weniger unbemerkt von der Weltöffentlichkeit seine Raketentests wieder auf. Guter Zeitpunkt, wird er sich gesagt haben. Er beaufsichtigte die Tests persönlich und bekundete seine hohe Wertschätzung für die „perfekte Kampfbereitschaft“ der Streitkräfte. Nichts Neues also in Nordkorea – das von der Pandemie auch betroffen ist. Inoffiziell natürlich.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Mehr oder weniger unbemerkt ist dieser Tage auch der schreckliche Krieg in Syrien in sein zehntes Jahr gegangen. Hundertausende Tote, Millionen Flüchtlinge oder in umkämpften Gebieten eingekesselte Menschen – und Staatschef Baschar al Assad immer noch im Amt.

Und während wir versuchen, uns nicht mit dem Coronavirus zu infizieren, versuchen Zehntausende Menschen in Flüchtlingslagern zu überleben. In Griechenland, in der Türkei, im Libanon. Heute so wie vor Wochen, Monaten und Jahren.

Sind heute die von Donald Trump weltweit angezettelten Handelskonflikte weniger wichtig als vor ein paar Wochen? Im Gegenteil. Und hinter den Kulissen wird, wenn auch etwas weniger verhandelt, so doch weiter gestritten. Trump und China versichern sich stets der Bereitschaft zu Lösungen. Und Trump sucht den ganz grossen Deal. Aber das tut er schon lange. Gefunden hat er jetzt das wie er es nennt „chinesische Virus“.

Und dann ist da ja noch der Brexit. Grossbritannien ist zwar aus der EU ausgetreten – wirklich??? – aber wie bis Ende Jahr ein Handelsabkommen zwischen der EU und Grossbritannien ausgehandelt werden soll, weiss niemand so genau. Schon vor Corona mochte niemand so richtig daran glauben. Jetzt erst recht nicht mehr.

Wer war vor ein paar Wochen noch ein zuverlässiger Schlagzeilenlieferant? Boeing! Die sind wegen zuerst ins Bodenlose stürzender, dann durch die Decke gehender Aktienkurse zwar weiterhin im Fokus. Aber die massiven Probleme des Flugzeugherstellers scheinen verschwunden. Scheinen – denn wenn die Airlines in der Post-Corona-Zeit wieder an Höhe gewinnen, bleibt die 737 MAX weiter am Boden.

Es gibt aber in jeder Krise auch Gewinner. In der Coronakrise ist es das Klima. Bleiben die Leute Zuhause, machten sie die Welt weniger kaputt. So einfach ist das. Gleichzeitig lässt auch die Aufmerksamkeit für Fridays For Future nach. Ist ja auch paradox. Müssten die Schüler mal nicht streiken, dürfen sie nicht mehr auf die Strasse. Und wo ist Greta? Isoliert und zu Hause. Wie die meisten von uns.

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