Steigende Hypothekarzinsen in der Coronakrise

Immobilien
(Photo by Tierra Mallorca on Unsplash)

Zürich – Die Coronakrise beeinflusst auch die Hypothekarzinsen in der Schweiz. So hat sich der Richtzins für zehnjährige Festhypotheken innert Kürze deutlich verteuert, wie die Vergleichsportale Comparis und FinanceScout24 am Mittwoch mitteilten.

Doch bis Anfang März ging es mit den Hypothekarzinsen zunächst noch auf neue Tiefstwerte hinunter. Der Richtzins für zehnjährige Festhypotheken erreichte laut Comparis am 9. März ein Rekordtief bei 0,98 Prozent. Danach habe er aber „schlagartig nach oben gedreht“. Per Ende März lag der Richtzins mit 1,17 Prozent wieder über dem Wert zum Ende vierten Quartals 2019 (1,09 Prozent), so Comparis.

Gründe für den abrupten Zinsanstieg sind gestiegene Kapitalmarktsätze und Refinanzierungskosten. Laut Zinsexperte Michael Bader von FinanceScout24 haben die Kapitalmarktzinsen angezogen, weil es wegen der Coronakrise zu einem Ausverkauf an den Märkten kam, der auch vor den Obligationen der Eidgenossenschaft nicht Halt gemacht hat und deren Kurswerte gefallen sind. Wenn aber die Kurswerte der Obligationen fallen, steigen im Gegenzug dazu die Zinsen. Zudem dürften die Regierungen zur Finanzierung der Hilfsprogramme Gelder am Markt aufnehmen, was ebenfalls für einen Zinsanstieg sorgen könnte.

Zinsprognose schwierig
Das Coronavirus mache eine Zinsprognose noch schwieriger als in „normalen“ Zeiten, hiess es bei Comparis. Gelinge es nicht, die Pandemie zu kontrollieren, so sei mit einer Verschärfung der wirtschaftlichen Krise und damit mit steigenden Konkursen und Arbeitslosen zu rechnen, stellte Comparis-Experte Frédéric Papp in der Mitteilung fest.

Arbeitslose oder Menschen in Kurzarbeit liefen Gefahr, die Miete bzw. die Hypothekarzinsen nicht mehr in der geforderten Höhe bezahlen zu können. Diese und andere Faktoren wirkten sich potenziell negativ auf die Immobilienpreise aus. Die Preise für Eigenheime im Normalsegment seien dabei erfahrungsgemäss robuster als jene von Wohnrenditeliegenschaften oder Büro- und Gewerbegebäuden.

Dass die Hypothekarzinsen bald wieder auf das tiefe Niveau sinken, glaubt Zinsexperte Bader nicht. Er erwartet aber trotzdem weiterhin eine hohe Nachfrage nach Hypotheken. „Ich gehe davon aus, dass trotz zwischenzeitlicher, kleinerer Schwankungen mittelfristig mit einem etwas höheren Zinsniveau zu rechnen ist, insbesondere, solange die Covid-19-Situation und die damit verbundenen Folgen für die Wirtschaft noch nicht absehbar sind.“

Weiterhin günstige Ablösungen
Hypothekarschuldner, die in den kommenden Wochen und Monaten eine auslaufende Hypothek ablösen müssten, fänden aber nach wie vor günstige Bedingungen vor. Eine Erneuerung einer zehnjährigen Festhypothek gebe es bei einer durchschnittlichen Bonität für weniger als 1 Prozent.

Kunden wollten noch möglichst gute Konditionen ergattern, sagte Bader und weist darauf hin, dass heute noch immer günstigere Hypothekarzinsen angeboten werden könnten als noch vor zwölf Monaten oder in den Jahren zuvor.

Die Angaben zu den Zinssätzen des Hypothekenbarometers von Comparis basieren gemäss den Angaben auf den Richtzinssätzen von über 50 Kreditinstituten. FinanceScout24 vergleicht als „One-Stop-Shop“ Hypotheken, Motorfahrzeugversicherungen und Konsumkredite. (awp/mc/pg)

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