Uni Bern gründet Zentrum für die Erforschung von Infektionskrankheiten und Immunität

Universität Bern
Im Hochsicherheitslabor des Instituts für Virologie und Immunologie IVI wurde Anfang 2020 der erste synthetische Klon von Sars-CoV-2 erstellt. (Foto: IVI)

Bern – Um die Entstehung von Infektionskrankheiten und deren Auswirkungen auf die Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft zu untersuchen, gründet die Universität Bern ein multidisziplinäres Zentrum. Das neue Forschungszentrum wird durch die Stiftung Vinetum für einen Zeitraum von 10 Jahren mit einem Betrag von 30 Millionen Franken unterstützt.

Trotz weitreichender Warnungen der WHO im Jahr 2019 zu den Risiken und der Vorhersage einer «Krankheit X» hat die COVID-19 Pandemie die Welt völlig unvorbereitet getroffen. Dieses Ereignis hat der Weltbevölkerung, den Nationen, der Wirtschaft und der Wissenschaft aufgezeigt, wie sensibel und abhängig Gesellschaften in einem globalisierten Zeitalter sind und wie Epidemien und Pandemien mit infektiösen Erregern unsere Existenz bedrohen können. «Die aktuelle Krise zeigt eindrücklich, wie interdisziplinär die Wissenschaft arbeiten muss, um die sich stellenden Probleme analysieren zu können und gesellschaftlich relevante Lösungsansätze zu erarbeiten», sagt Christian Leumann, Rektor der Universität Bern. «Deshalb gründet die Universität Bern mit grosszügiger Unterstützung durch die Stiftung Vinetum ein dringend benötigtes Forschungszentrum, um kommende Epidemien und Pandemien interdisziplinär zu erforschen und besser bekämpfen zu können.»

Breite Expertise vorhanden
«Die Universität Bern hat starke Schlüsselkompetenzen in wesentlichen Bereichen, die im aktuellen Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie relevant sind», sagt Daniel Candinas, Vizerektor Forschung der Universität Bern. So wird in den Bereichen Medizin, Veterinärmedizin, Ökonomie, Politikwissenschaften, Psychologie und Geisteswissenschaften zur Pandemie bereits herausragende und international anerkannte Forschung betrieben. Diese Expertise wird nun in einem multidisziplinären Kompetenzzentrum für Infektionskrankheiten, Immunität und deren Konsequenzen (Multidisciplinary Center for Infectious Diseases and Immunity, MCIDI) gebündelt.

«Das MCIDI wird Pandemien von A bis Z erforschen – von der Entstehung und dem Umgang damit im Gesundheitswesen bis hin zu den wirtschaftlichen, politischen und ethischen Konsequenzen», sagt Candinas. Dabei profitiert das neu gegründete Zentrum vom bestehenden medizinischen und veterinärmedizinischen Berner Netzwerk in Forschung und Lehre (universitäre Institute, Kliniken, Labors und andere) und von der Nähe zu den politischen Institutionen.

«One Health»-Ansatz
Das neue Forschungszentrum wird aus sieben Themen-Clustern bestehen, um sowohl medizinische und veterinärmedizinische als auch ökonomische, rechtliche und sozialwissenschaftliche Fragen anzugehen. Wegen seiner Nähe zum «One Health»-Ansatz, der Interaktionen zwischen der Gesundheit von Mensch, Tier und der Umwelt untersucht, wird das MCIDI der Vetsuisse-Fakultät angegliedert. David Spreng, Dekan der Vetsuisse-Fakultät: «Im vergangenen Jahr wurde nicht nur im Bereich One Health exzellente Forschung zu COVID-19 geleistet, sondern vor allem auch in der Veterinär-Infektiologie, als es beispielsweise gelang, den weltweit ersten synthetischen Klon von Sars-CoV-2 zu entwickeln.» Dieser Klon, für den sich auch die WHO interessierte, wird nun von Forschungsgruppen weltweit eingesetzt, um antivirale Medikamente zu finden und Impfstoffe zu entwickeln.

Das MCIDI wurde am 1. Januar 2021 gegründet und wird in einer ersten Phase vom Virologen Volker Thiel geleitet, Leiter der Virologie am Institut für Virologie und Immunologie IVI und Professor für die Virologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. «Ich freue mich darauf, dieses interdisziplinäre Netzwerk mit ausgewiesenen Forscherinnen und Experten zu leiten. Es gilt aus den Erfahrungen der Pandemie zu lernen, um in Zukunft auf die wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen besser vorbereitet zu sein», sagt Thiel.

Organisiert ist das MCIDI als virtuelles Zentrum und benötigt deshalb keine Infrastruktur, die erst gebaut werden muss. (Uni Bern/mc/pg)

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