Von Freunden und Verwandten leihen: Worauf Sie bei privaten Darlehen achten sollten

Von Freunden und Verwandten leihen: Worauf Sie bei privaten Darlehen achten sollten
Wer ein Darlehen braucht, kann dieses nicht nur von Banken, sondern auch von Freunden und der Familie leihen. (Bild: pixabay.de © Niek Verlaan CCO Public Domain)

Es gibt viele Menschen, die auf ein Darlehen angewiesen sind. Viele davon wenden sich nicht an eine Bank oder ein Kreditinstitut, sondern nehmen ein Darlehen bei Freunden und Verwandten auf. Das Geld wird dann für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt. Dieser Artikel erläutert Ihnen, worauf bei privaten Darlehen zu achten ist und welche Massnahmen im Vorfeld Sie ergreifen müssen.

Viele Anlässe für ein Darlehen
Menschen nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein Darlehen auf. Einige müssen ein neues oder gebrauchtes Auto anschaffen, bei anderen sind wichtige Haushaltsgegenstände wie ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine kaputtgegangen und müssen ersetzt werden. Ebenfalls gängig ist es, ein Darlehen für grosse Feste wie eine Hochzeit oder eine Abschlussfeier aufzunehmen. Zudem ist es möglich, einen Urlaub oder einen notwendigen medizinischen Eingriff mit einem Darlehen zu finanzieren.

Häufig ist es aber so, dass mit einem Darlehen ein überzogenes Konto ausgeglichen werden soll. Eine aktuelle Erhebung von smava hat ergeben, dass mindestens 4,5 Millionen Deutsche Anfang 2023 bei ihrem Konto im Minus waren. Zusätzlich haben gut 20% der Befragten ihren Kontostand nicht gekannt oder keine Angabe dazu gemacht. Es ist daher möglich, dass die Dunkelziffer der Kontoüberziehungen deutlich höher liegt.

Unterschiedliche Menschen überziehen ihr Konto verschieden stark. Bei 21,2% ist das Konto mit bis zu 250 € im Minus, bei 31,82% haben sich hingegen Schulden von mehr als 2.000 € angesammelt. Der Rest verteilt sich auf Werte bis zu 500, bis zu 750, bis zu 1.000, bis zu 1.500 und bis zu 2.000 €. Mehr als 25% der Menschen im Minus braucht länger als 3 Monate, um das Konto wieder auszugleichen.

Kontoüberziehung sollte nur eine kurzfristige Lösung sein
Die Überziehung des eigenen Kontos sollte immer nur eine kurzfristige Notlösung sein. Das liegt daran, dass die Banken im Schnitt 10% Zinsen für den Dispositionskredit verlangen. Das ist deutlich mehr als beispielsweise bei einem Ratenkredit oder einem Darlehen anfällt. Deswegen ist es eine gute Idee, mit einem Darlehen das Konto auszugleichen, um sich so die hohen Dispozinsen zu sparen. Immer mehr Verbraucher entscheiden sich für eine solche Umschuldung.

Um Verbraucher vor übermässigen Kosten und der sogenannten Dispofalle zu schützen, ist immer wieder von einer Deckelung der Überziehungszinsen die Rede. Es ist allerdings nicht klar, ob und wann diese kommen wird. Deswegen sollten Verbraucher selbst aktiv werden und nach Möglichkeiten suchen, ihr Konto schnell und nachhaltig auszugleichen. Ein Ratenkredit oder ein privates Darlehen sind hierfür hervorragend geeignet.

Der Vorteil bei diesem Vorgehen besteht darin, dass deutlich niedrigere Zinsen zu zahlen sind. Ausserdem wird eine monatliche Rate vereinbart, wodurch der Kredit oder das Darlehen schrittweise abgebaut wird. Das ist anders als beim Dispositionskredit, bei dem es keine festen Zeitpunkte für eine Rückzahlung gibt, sodass diese immer weiter in die Zukunft verschoben werden kann. Ein Ratenkredit oder ein privates Darlehen bietet den Nutzern hingegen eine grösstmögliche Planungssicherheit und reduziert die Gefahr, in die Schuldenfalle zu geraten.

Private Darlehen sind beliebt

Private Darlehen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Das liegt vor allem daran, dass sie einfach und unkompliziert sind. Im Unterschied zu Krediten bei Banken und Kreditinstituten wird bei privaten Darlehen üblicherweise keine Bonitätsprüfung nötig. Ebenso verzichten Freunde und Familienmitglieder meist auf eine Haushaltsrechnung und auf eine Selbstauskunft. Somit ist es deutlich schneller und einfacher möglich, ein privates Darlehen zu erhalten.

Ein weiterer Vorteil bei einem privaten Darlehen von Freunden und Bekannten besteht darin, dass man die Konditionen frei aushandeln kann. Das ist bei Banken und Kreditinstituten nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Somit haben die Darlehensnehmer eine grösstmögliche Flexibilität. Meist kommen die Freunde und Familienmitglieder ihnen zudem entgegen, da man ein persönliches Verhältnis hat und es nicht wie einer Bank oder einem Kreditinstitut lediglich um die Generierung von Umsätzen geht.

Nicht zuletzt spricht die hohe Geschwindigkeit für private Darlehen. Man kann sich mit dem Darlehensgeber zusammensetzen und in einem persönlichen Gespräch die Konditionen aushandeln. Man muss nicht erst auf einen Termin bei einem Bankberater warten und vor Ort vorstellig werden. Somit hat man das Geld zeitnah auf dem Konto und kann es für unterschiedliche Aufgaben einsetzen. So ist es möglich, Kosten bei den Dispozinsen zu sparen oder bei Anschaffungen kurzfristige Angebote zu nutzen.

In einigen Fällen kommt es vor, dass Darlehensnehmer sich nicht an ihre eigenen Freunde und Familienmitglieder wenden können oder wollen. In einer solchen Situation können sie einen Privatkredit online und günstig erhalten. Es gibt nämlich viele Privatpersonen, die ihr Geld lieber als privates Darlehen herausgeben, als es in andere Anlageformen zu investieren.

Alle Vereinbarungen schriftlich festhalten
Obwohl und gerade wenn man ein privates Darlehen bei Freunden und Verwandten aufnimmt, sollte man alle Vereinbarungen schriftlich fixieren. So entsteht eine grösstmögliche Transparenz für beide Seiten und alle Beteiligten können sich bei Unklarheiten und Auseinandersetzungen auf den Darlehensvertrag berufen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Rechtsstreitigkeiten, die die Freundschaft oder des familiäre Verhältnis belasten.

Es gibt verschiedene Vorlagen im Internet, die man für die Erstellung eines privaten Darlehensvertrags heranziehen kann. Ebenso ist es möglich, einen formlosen Vertrag aufzusetzen, auf den sich beide Vertragsparteien verständigen. Wer rechtlich auf der sicheren Seite sein möchte, kann zudem eine Beratung durch einen Fachanwalt in Anspruch nehmen, der den Vertrag prüft und eventuelle Schwierigkeiten aufzeigt.

Konkrete Rückzahlungsmodalitäten vereinbaren
Ein privates Darlehen funktioniert anders als ein Dispositionskredit. Bei letzterem entscheiden die Kreditnehmer selbst, wann sie ihr Konto ausgleichen und die Kreditsumme somit zurückzahlen. Bei einem privaten Darlehen sollten hingegen konkrete Rückzahlungsmodalitäten vereinbart werden. Auf diese Weise wissen die Darlehensgeber genau, wann sie ihr Geld und die fälligen Zinsen erhalten. Die Darlehensnehmer haben demgegenüber eine feste monatliche Verpflichtung und zahlen das Darlehen somit zuverlässig und regelmässig zurück.

Es ist empfehlenswert, eine feste monatliche Rate zu vereinbaren. Diese enthält dann Tilgung und Zinsen. Somit sinkt die Restschuld der Darlehensnehmer kontinuierlich und die anfallenden Zinsen werden immer geringer. Grundsätzlich ist es aber auch möglich, andere Rückzahlungsformen zu wählen. So kann man beispielsweise einen festen Termin vereinbaren, bis zu dem die gesamte Summe zurückgezahlt wird. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn durch einen Weihnachtsbonus, eine anstehende Beförderung oder das Auslaufen eines Vertrags, bei dem Geld angelegt wurde, zu einem festgesetzten Zeitpunkt wieder Kapital zur Verfügung steht.

Einen marktüblichen Zinssatz vereinbaren
Eines der wichtigsten Kriterien bei einem privaten Darlehen ist der Zinssatz. Die Darlehensnehmer haben ein Interesse daran, möglichst niedrige Zinsen zu zahlen, damit das Darlehen nicht zu teuer wird. Die Darlehensgeber möchten hingegen einen hohen Zinssatz haben, um etwas an dem Darlehen zu verdienen. Hierbei muss allerdings ein marktüblicher Zinssatz vereinbart werden, damit die Notsituation der Darlehensnehmer nicht ausgenutzt wird. Das Schöne an einem privaten Darlehen ist, dass der Zinssatz flexibel ausgehandelt werden kann. Somit ist es möglich, einen Zinssatz zu wählen, mit dem beide Seiten rundum zufrieden sind. Dennoch ist es wichtig, genau zu recherchieren und sich mit den aktuellen Marktpreisen auseinanderzusetzen. Das gilt für Darlehensnehmer und Darlehensgeber gleichermassen.

Sicherheiten statt Bonitätsprüfung
Eine Bonitätsprüfung ist bei privaten Darlehen von Freunden und Bekannten unüblich. Man kennt sich gut genug, um die finanzielle Situation eines Menschen einschätzen zu können. Deswegen müssen in der Regel keine Bonitätsnachweise erbracht werden, was den gesamten Darlehensprozess vereinfacht und beschleunigt. Dennoch haben Darlehensgeber ein Interesse daran, sicherzustellen, dass sie ihr Geld zurückerhalten und die fälligen Zinsen bekommen. Das wird üblicherweise durch Sicherheiten geregelt. So kann man im Darlehensvertrag aufnehmen, dass der Darlehensgeber bestimmte Wertgegenstände erhält, sollte der Darlehensnehmer nicht in der Lage sein, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dieses Vorgehen wird aber vor allem dann genutzt, wenn man ein privates Darlehen nicht von Freunden und Verwandten, sondern bei Fremden aufnimmt.

Steuerliche Aspekte berücksichtigen
Mit einem privaten Darlehen gehen verschiedene steuerliche Verpflichtungen einher. So sind beispielsweise die Darlehensgeber verpflichtet, die Einnahmen, die sie aus dem Darlehen erzielen, zu versteuern. Abhängig davon, wie das Darlehen ausgestaltet ist, kann es zudem notwendig werden, Schenkungssteuer zu entrichten. Steuerliche Aspekte sind vor allem dann relevant, wenn es bei einem privaten Darlehen um grosse Summen geht. In einem solchen Fall ist es angeraten, ein Beratungsgespräch bei einem Steuerberater in Anspruch zu nehmen. Dieser kennt sich mit den steuerlichen Gegebenheiten bei privaten Darlehen aus und kann beispielsweise sagen, welche steuerlichen Konsequenzen sich aus einem bestimmten Darlehensvertrag ergeben. Auf diese Weise sind beide Vertragsparteien auf der sicheren Seite und es kommt nicht zu steuerlichen Überraschungen.

Alle rechtlichen Vorgaben einhalten
Neben steuerlichen Aspekten gibt es auch verschiedene rechtliche Vorgaben, die der Gesetzgeber in Bezug auf private Darlehen macht. Zu den grundlegenden Regeln gehört beispielsweise, dass ein privater Darlehensvertrag immer schriftlich erfolgen und dass die Zinshöhe marktüblich sein muss. Ausserdem sollte ein Tilgungsplan erstellt werden, aus dem klar hervorgeht, wann welche Beträge fällig werden. Es ist wichtig, dass die beiden Vertragsparteien diese rechtlichen Vorgaben erfüllen und den Darlehensvertrag so ausgestalten, dass er keinen geltenden Gesetzen widerspricht. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Streitigkeiten zwischen Darlehensnehmer und Darlehensgeber vermeiden, sondern auch rechtliche Konsequenzen.

Fazit
Private Darlehen bringen viele Vorteile mit sich. Sie sind unbürokratisch, werden schnell ausgezahlt und bieten die Möglichkeit, die Konditionen individuell auszuhandeln. All diese Vorteile kommen aber nur dann zum Tragen, wenn der Darlehensvertrag professionell gestaltet wird. Beim Aufsetzen des Vertrags müssen vielfältige Kriterien berücksichtigt werden. Gelingt dies, profitieren alle Seiten von diesem Vorgehen und es ist unter anderem möglich, ein überzogenes Konto auszugleichen und übermässig hohe Zusatzkosten zu vermeiden. (smava/mc/ps)

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