VP Bank Spotanalyse: China verzeichnet höheres Wachstum als erwartet
Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
BIP im ersten Quartal legt gegenüber Vorjahr um 5 % zu.
Die chinesische Volkswirtschaft ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 5 % gewachsen. Im direkten Quartalsvergleich expandierte das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 1.3 %.
Die Wachstumszahlen überraschen. Der BIP-Zuwachs von 5 % auf Jahresbasis markiert das beste Wachstum seit drei Quartalen. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte rechneten mit einem Plus von 4.8 %. Gleichzeitig stieg die Industrieproduktion im März im Jahresvergleich um 5.7 %, was ebenfalls mehr ist, als im Vorfeld erwartet worden war. Die Einzelhandelsumsätze blieben hingegen hinter den Erwartungen zurück und legten im März lediglich um 1.7 % gegenüber dem Vorjahresmonat zu.
Die chinesische Industrie präsentiert sich weiterhin als widerstandsfähig und bleibt damit gleichzeitig der wichtigste Anker für das kurzfristige Wachstum. Die schwachen Einzelhandelsumsätze zeugen von einer schwachen Binnennachfrage – ein altbekanntes Problem. Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht, denn die staatliche Planungsbehörde hat den Benzinpreis zuletzt fünf Mal angehoben, insgesamt um rund 20 %. Gleichzeitig wird der Iran-Krieg das globale Wachstum schwächen, was dem exportgetriebenen chinesischen Wachstum schadet.
Das robuste Wachstum im ersten Quartal reduziert den Druck auf die chinesische Regierung, rasch mit weiteren stimulierenden Massnahmen aufwarten zu müssen. Darüber hinaus bleiben die Auswirkungen der höheren Energiepreise wegen eines unterliegenden deflationären Drucks auf die Verbraucherpreise begrenzt. Die chinesische Notenbank muss deshalb die geldpolitische Schraube nicht anziehen. Auch wenn sich die Wachstumsraten in den kommenden Quartalen abschwächen sollten, wird die chinesische Wirtschaft im laufenden Jahr einigermassen Kurs halten können.