VP Bank Spotanalyse Deutschland: Erfreulicher BIP-Zuwachs im dritten Quartal

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Die deutsche Wirtschaft legt im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1.8 % zu.

Sie setzte im dritten Quartal ihren Erholungskurs fort – weniger stark als erwartet. Allerdings wurden die Wachstumszahlen für das Vorquartal kräftig nach oben revidiert, so dass der schwächer als erwartete BIP-Zuwachs nicht überbewertet werden sollte. Der Dienstleistungssektor erholte sich weiter. Die weggefallenen Eindämmungsmassnahmen halfen dem Freizeitsektor. Das Hotel- und Gaststättengewerbe freute sich wieder über gestiegene Besucherzahlen. Das dritte Quartal war also im Wesentlichen von Nachholeffekten geprägt.

Ohne die Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen hätte das deutsche BIP sogar wesentlich kräftiger zugelegt. Vor allem die nur schleppende Entwicklung der Automobilproduktion färbte negativ auf das Bruttoinlandsprodukt ab. Die gutgefüllten Auftragsbücher in der Industrie können derzeit nicht in bare Münze umgewandelt werden, da schlichtweg Materialien zum Produzieren fehlen.

Die Materialengpässe belasteten also schon jetzt das Wachstum im dritten Quartal, sie werden sich im deutschen Bruttoinlandsprodukt jedoch erst im laufenden Quartal richtig abzeichnen. Die Nachholeffekte im Dienstleistungssektor ebben ab, sodass der schleppenden Industrieproduktion nicht mehr viel entgegengesetzt werden kann.

Die deutsche Wirtschaft wird deshalb im Schlussquartal 2021 stagnieren. Da gleichzeitig die Inflationsraten auf einem hohen Niveau bleiben, kann von Stagflation gesprochen werden. Allerdings sollte es sich dabei um ein temporäres Phänomen handeln. Löst sich der Materialknappheitsknoten, dreht sich das Gefüge ins Gegenteil um. Die Industrieproduktion wird dann deutlich anspringen, während die Preise fallen werden. (VP Bank/mc)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.