VP Bank Spotanalyse: Deutschland – Wachstum im ersten Quartal bestätigt
Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Export und Staatsausgaben stützen, Investitionen gehen zurück.
Das Statistische Bundesamt Deutschlands bestätigt heute die erste Schätzung des BIPs: Die deutsche Wirtschaft wuchs um 0.3 % gegenüber dem 4. Quartal 2025.
Das Wachstum im ersten Quartal ist erfreulich. Leider wird es aber in dieser Grössenordnung nicht weitergehen. Im ersten Quartal halfen einmal mehr die höheren Staatsausgaben, die um 1.1 % gegenüber dem Vorquartal zulegten.
Auch ein kräftiges Exportwachstum von 3.3 % wurde verbucht. Die privaten Konsumausgaben stagnierten dagegen. Die Investitionen dämpften das Wachstum. So fielen etwa die Ausrüstungsinvestitionen gegenüber dem Vorquartal um 1.2 %. Bei den Bauinvestitionen belief sich das Minus auf 2.5 % gegenüber dem Vorquartal.
Mit der anhaltenden faktischen Schliessung der Strasse von Hormus liegen dunkle Wolken über der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmen berichten von massiv steigenden Einkaufspreisen, was auf Sicht der kommenden Monate auf Zweitrundeneffekte hindeutet. Gleichzeitig sind viele Firmen verunsichert, weshalb auch im zweiten Quartal mit keinem nennenswerten Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen zu rechnen ist. Ihr Rückgang im ersten Quartal ist bereits bedenklich.
Die höheren Einkaufspreise werden auf die Produkte überwältz, was wiederum die Inflationsrate steigen lassen wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird schliesslich im Juni vermutlich die Zinsen anheben. Die Gemengelage hat sich also seit Ausbruch des Iran-Konflikts deutlich verschlechtert. Positiv wiegen hingegen die höheren Infrastruktur- und Rüstungsausgaben. Ohne diese gäbe es in diesem Jahr vermutlich handfeste Rezessionsgefahren.