VP Bank Spotanalyse Deutschland: Willkommen in der Stop-and-Go-Wirtschaft

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

«Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt im Dezember von 96.6 auf 94.7. Die Konjunkturampel springt auf Rot. Was zu viel ist, ist zu viel. Die vierte Corona-Welle in Kombination mit der Omikron-Variante und Material- und Personalmangel belasten die deutsche Wirtschaft in den Wintermonaten erheblich.

Die Pandemie trägt weiterhin ungewöhnliche Früchte, dazu gehört das Phänomen der Stop-and-Go-Konjunktur. Die Corona-Wellen bremsen die Wirtschaft aus. Ebbt hingegen das Infektionsgeschehen ab, kommt es zu Nachholeffekten, die das Wachstum wiederum kräftig anschieben. Deshalb zeichnet sich jetzt schon ab, dass mit rückläufigen Infektionszahlen in den Frühjahrsmonaten das Wachstum wieder Fahrt aufnimmt.

Allerdings werden die Nachholeffekte der privaten Haushalte im kommenden Jahr geringer ausfallen. Die Hoffnungen ruhen deshalb auf einer Verbesserung der Materialversorgung in der Industrie. Fliessen Vorprodukte und Rohstoffe wieder in ausreichendem Mass, ist von einer kräftigen Erholung im verarbeitenden Gewerbe auszugehen.

Die grosse Unbekannte bleibt, wann dies der Fall sein wird. Die Konjunkturumfragen der Europäischen Kommission zeigen, dass der Anteil der Unternehmen, die sich über Materialmangel beklagen, sogar zugenommen hat. Es bedarf deshalb weiterhin an Geduld.

Der ifo-Geschäftsklimaindex entlässt uns nachdenklich in das kommende Jahr. Vor allem weil sich die Einschätzung der vom ifo-Institut befragten Unternehmen für den weiteren Geschäftsverlauf nochmals empfindlich eintrübt.

Es ist offensichtlich, dass einige konjunkturelle Tretminen noch nicht ausgeräumt sind. Die Omikron-Variante und der geringere Schutz durch die vorhandenen Impfstoffe werden 2022 zu einem erneut von der Pandemie geprägten Jahr machen. Auch die Materialknappheiten werden noch einige Zeit auf der Industrie lasten.

Das Jahr 2022 hat noch nicht begonnen und vielerorts wird schon der Rotstift bei den Konjunkturprognosen angesetzt. Trost bleibt, dass der Nährboden für eine kräftige Erholung gelegt ist. Die Auftragsbücher in der Industrie sind voll und die Lager leer. Theoretisch spräche dies für einen Boom. Wollen wir hoffen, dass sich dies in der Praxis bestätigt.» (VP Bank/mc)

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