VP Bank Spotanalyse EZB: Währungshüter werden etwas verbindlicher

Thomas Gitzel
Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Die EZB belässt ihre Geldpolitik unverändert.

Das Wichtigste zuerst: Die EZB anerkennt, dass der Preisauftrieb an Breite gewinnt. Der durch den Krieg in der Ukraine hervorgerufene Energiepreisanstieg hat nun Auswirkungen auf das breite Preisgefüge. Die Aufwärtsrisiken für die weitere Inflationsentwicklung hätten sich intensiviert. Die Inflationsrisiken rücken also immer deutlicher in den Mittelpunkt der EZB. Gerade deshalb gewinnt auch das Ende des Wertpapierankaufsprogramms APP im dritten Quartal mehr Verbindlichkeit.

Die Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP sollten im dritten Quartal eingestellt werden, heisst es nun. Konkret bedeutet dies: Dass die Anleihekäufe enden, ist beschlossene Sache. Bislang war das Ende der Wertpapierkäufe im dritten Quartal offener, optional formuliert. Christine Lagarde betonte diese nun verbindlichere Formulierung auch während der Pressekonferenz. Wann genau die Wertpapieranleihekäufe enden werden, wird laut Christine Lagarde dann auf der EZB-Sitzung im Juni entschieden. Nach Einstellung der Wertpapierkäufe könnten Zinsanhebungen folgen.

Heute ging es lediglich um den Tonfall. Eine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung war nicht zu erwarten. Eines wird dabei sichtbar: Die EZB ist sich den bestehenden Inflationsrisiken immer deutlicher bewusst. Auch unter Herausrechnung der volatilen Energie- und Lebensmittelpreise wird die Inflationsrate in den kommenden Monaten auf Allzeithochs klettern. Damit muss die EZB ihre Inflationsprojektionen weiter nach oben revidieren.

An Zinsanhebungen führt kein Weg vorbei. Es ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, ehe die EZB dann der US-Notenbank folgt und die geldpolitischen Zügel deutlicher strafft. Wie deutlich, hängt davon ab, wie sich die Mehrheiten im EZB-Rat entwickeln werden. Die Tauben sind bislang noch in der Mehrzahl. Dies erklärt auch die nur graduellen geldpolitischen Anpassungen. Gerade deshalb gilt: Auch wenn die EZB heute ihren Tonfall nochmals verändert und Inflationsrisiken noch stärker betont, sie bleibt in Anbetracht der dynamischen Teuerungsentwicklung zu passiv.

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