Aberdeen Investments: China hat im Jahr des Pferdes noch deutlich mehr vor
Mit dem Mondneujahr, das am Dienstag gefeiert wurde, ist China in dieser Woche offiziell ins Jahr des Pferdes gestartet – und das mit deutlich mehr Schwung, als die meisten Investoren noch vor einem Jahr erwartet hatten. Das Land erzielte 2025 erneut ein BIP-Wachstum von 5 %, schüttelte den Schock von Trumps «Liberation Day» ab und erwirtschaftete einen rekordhohen Handelsüberschuss. Als eine der bestperformenden Anlageklassen erzielte auch der chinesische Aktienmarkt 2025 Renditen von über 30 %.
Trotz höherer Zölle und der Unsicherheit, die der «Liberation Day»-Schock ausgelöst hat, hat sich die Zusammensetzung des chinesischen Wachstums zunehmend in Richtung Handel verschoben. Der Anteil des BIP-Wachstums, der auf den Nettohandel zurückzuführen ist, stieg auf nahezu 33 % (+2,4 Prozentpunkte).
Obwohl der Einzelhandel schwächelte, entfiel ein grösserer Anteil des Wachstums auf den Konsum (52 %, +7,5 Prozentpunkte). Getragen wurde dies vor allem durch steigende Ausgaben für Dienstleistungen.
Das Wachstum der verfügbaren Einkommen übertrifft weiterhin das nominale BIP-Wachstum. Massgeblich sind höhere staatliche Transferzahlungen, die die spürbar schwächeren Immobilienerträge teilweise ausgleichen. Zudem dürfte die gute Entwicklung an den Börsen die Konsumstimmung verbessern, obwohl viele Haushalte nur in geringem Umfang am Aktienmarkt engagiert sind.
Nicholas Yeo, Head of China Equities bei Aberdeen Investments kommentiert:
«Trotz bestehender Beschränkungen innoviert Chinas heimisches KI-Ökosystem mit bemerkenswerter Geschwindigkeit, etwa durch alternative IT-Architekturansätze, die intensive Nutzung von Open Source und pragmatische Ingenieurslösungen. Werden diese Entwicklungen gezielt mit Kapital und politischer Unterstützung gefördert, kann sich die Dynamik schnell beschleunigen. Wir rechnen damit, dass Unternehmen solche pragmatischen Lösungsansätze zunehmend in marktreife Produkte überführen, die sich anschliessend im gesamten Ökosystem durchsetzen.»
«Wir erwarten, dass KI und Technologie in den ersten Monaten 2026 das zentrale Marktthema sein werden. Dabei geht es weniger um KI als Schlagwort, sondern vielmehr um die «Infrastruktur» dahinter: den Ausbau des Ökosystems: von Rechenzentrumsinfrastruktur über Komponenten und industrielle Automatisierung bis hin zu Softwareebenen, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsprozesse integrieren. Besonders in den weniger sichtbaren, technisch geprägten Bereichen der Wertschöpfungskette ist die Nachfragesichtbarkeit häufig höher.
Zu den Gewinnern dürften jene Unternehmen zählen, die über ausreichende Skalierung, Zugang zu Daten und eine starke Bilanz verfügen, um dieses Potenzial nachhaltig zu monetarisieren.»
Aberdeen sieht Potenzial für langfristige Gewinner unter Ausrüstungsherstellern sowie unter KI-Anbietern. Die globale Einführung und Integration von KI in Konsumelektronik dürfte zudem die Nachfrage nach Hardware und Rechenzentrumsinfrastruktur ankurbeln.
Im Bereich des inländischen Konsums gewinnen stationäre Discounter und Quick-Commerce-Anbieter weiter Marktanteile. Davon profitieren insbesondere Marken mit leistungsfähiger Logistik. Der Online-Wettbewerb bleibt hingegen intensiv. Gleichzeitig belasten steigende Inputkosten die Margen, und die Nachfrage nach Molkereiprodukten zeigt strukturelle Schwächen. Aberdeen bevorzugt daher renditestarke und innovative Unternehmen, etwa im Bereich Tiernahrung, gegenüber traditionellen Konsumgütern wie Bier oder Würzsaucen.
Nicholas Yeo ergänzt:
«Im Konsumsektor dürfte die Trennung zwischen «neu» und «alt» bestehen bleiben. Neue Konsumbereiche wie Tiernahrungsunternehmen stellen sich auf höheres Wachstum ein, während der Basiskonsumgütersektor weiterhin mit Lagerabbau kämpft. Die Regierung hat unmissverständlich signalisiert, dass sie eine Neugewichtung hin zur Binnennachfrage anstrebt. In diesem Umfeld sehen wir Widerstandskraft darin, Konsumunternehmen mit Preissetzungsmacht, Kontrolle über Vertriebskanäle und starker Cash-Conversion zu halten.»
«Eine sich verengende Renditedifferenz zwischen den USA und China, eine kurzfristige Schwäche des US-Dollars – da die US-Notenbank ihre Zinsen schneller gesenkt hat als ihr chinesisches Pendant – sowie solide Exporte stützen die Stärke des Renminbi (RMB). Ein festerer RMB ist in der Regel unterstützend für chinesische Aktien, da er auch stabilere Kapitalflüsse und eine verbesserte Risikobereitschaft signalisiert.»
Isaac Thong, Senior Investment Director Asian Equities bei Aberdeen Investments kommentiert:
«Da sich das Wirtschaftswachstum in China nun bei einer langfristigen Rate von 5 % einpendelt, setzen Unternehmen neue Prioritäten und finden ein besseres Gleichgewicht zwischen Gewinnwachstum und Ausschüttungen an Aktionäre. Staatliche Initiativen zur Corporate Governance haben höhere Ausschüttungen an die Aktionäre gefördert und viele Unternehmen haben begonnen, höhere Dividenden zu zahlen.»
Daten von LSEG zeigten, dass die gesamten Bardividenden der 2’000 grossen und mittelgrossen Unternehmen des Landes 2023 auf einen Rekordwert von 3,4 Billionen Yuan (468,84 Milliarden US-Dollar) gestiegen sind. Dieser Wert stieg 2024 nochmals um 1,2 % und könnte 2025 um weitere 8,6 % zulegen. Dividenden sind dadurch zu einem grösseren Bestandteil der Aktionärsrenditen geworden. Diese Initiativen haben zudem dazu beigetragen, die Gesamtqualität chinesischer Unternehmen zu verbessern.
Isaac Thong ergänzt:
«Die gesamte Einkommensrendite des chinesischen Marktes liegt mit 2,4 % weiterhin relativ tief. Wir sind überzeugt, dass Unternehmen die finanziellen Möglichkeiten haben, höhere Dividenden zu zahlen.»
Robert Gilhooly, Senior Emerging Markets Economist bei Aberdeen Investments, kommentiert:
«2025 war der Nettohandel im zweiten Jahr in Folge der wichtigste Wachstumstreiber und half, einen schwächeren Beitrag der Investitionen zum BIP auszugleichen. Während Unternehmen die Preise senkten, um Exporte zu stützen, waren die Ausgaben der Haushalte für Dienstleistungen der unterschätzte Held. Höhere staatliche Transfers boten einen kleinen Ausgleich, doch Lohn- und Gehaltswachstum sowie hohe Ersparnisse erklären den Konsum weitgehend.»
Im Januar kündigte die People’s Bank of China (PBOC) eine Reihe von Massnahmen zur Unterstützung ihrer Kreditprogramme an, signalisierte mögliche Zinssenkungen und öffnete die Tür für eine weitere Aufwertung des Renminbi (RMB). Offizielle Stellen wiesen zudem darauf hin, dass Spielraum für eine Senkung des Mindestreservesatzes (RRR) bestehe, was zusätzliche Liquidität ins Bankensystem einspeisen würde. Ein grosser Bestand an auslaufenden Termineinlagen dürfte dieses Jahr zu niedrigeren Zinssätzen erneuert werden.
Robert Gilhooly ergänzt:
«Der rekordhohe Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar hat die People’s Bank of China (PBOC) entspannter gegenüber einer stärkeren Währung gemacht. Doch neben der Frage, wie tolerant der Rest der Welt gegenüber einer weiteren Ausweitung von Chinas Anteil am Welthandel ist, bestehen Risiken, dass dies Deflation verfestigt – insbesondere solange Überkapazitäten bestehen.
Eine Duldung einer stärkeren Währung könnte die Begeisterung ausländischer Investoren für chinesische Vermögenswerte erhöhen. Es bleibt abzuwarten, ob anhaltende Rückgänge der Immobilienpreise und Termineinlagen, die zu niedrigeren Zinssätzen erneuert werden, die Haushalte dazu bewegen, mehr in den Aktienmarkt umzuschichten.» (Aberdeen/mc/pg)