Aberdeen: Zinserhöhungen dürften schneller kommen, als es der Markt heute erwartet

Zinsen
(Foto: Fotolia/Eisenhans)

Zürich – Es hört sich alles so gut an rund um einen Grossteil der Weltwirtschaft. Schnell, schnell haben die Experten jüngst ihre Wachstumsprognosen erhöht. 2018 wird inzwischen als bestes Jahr seit 2011 eingestuft. Die Erwartungen an die Geldpolitik haben sich anscheinend jedoch weniger stark verändert. Obwohl die Marktzinsen gestiegen sind, deuten die implizit in den Marktpreisen enthaltenen Erwartungen auf eine relativ vorsichtige Anpassung der Geldpolitik in den kommenden Jahren hin.

Bestes Beispiel sind vielleicht die USA, wo die Märkte trotz starken Wachstums und bevorstehender fiskalischer Impulse in den nächsten zwei Jahren nur mit etwas mehr als drei Zinserhöhungen rechnen. In vielen anderen Industriestaaten sind die Erwartungen sogar noch geringer. Sollten die Märkte erwarten, dass die Notenbanken in einem konjunkturellen Aufschwung die Geldpolitik schneller verschärfen?

In den USA scheint die kurze Antwort ja zu sein. Aberdeen Standard Investments geht davon aus, dass die US-Notenbank in den nächsten zwei Jahren mehr als das Doppelte der Straffung der Geldpolitik vornehmen wird, die derzeit von den Märkten erwartet wird. Auch das würde jedoch immer noch eine langsamere Straffung bedeuten, als es bei früheren Zyklen der Fall war.

Betrachtet man die Situation über verschiedene Volkswirtschaften hinweg, so gibt es aus Sicht von Aberdeen Standard Investments jedoch in der Tat viele gute Gründe, eine zurückhaltende Straffung der Geldpolitik zu erwarten. Der erste Grund ist die Inflation. Die Beschleunigung des globalen Wachstums dürfte sich nur langsam auf eine stärkere Basisinflation in den Volkswirtschaften auswirken. Der zweite Grund ist die Reaktionsfunktion der Zentralbanken. Nach Jahren der Enttäuschung über die Inflationsentwicklung (und das Wachstum) erwartet Aberdeen Standard Investments nicht, dass die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik schnell vorantreiben werden. Vielmehr dürften sie klare Anzeichen für eine nachhaltige Rückkehr der Inflation auf ihren jeweiligen Zielwert abwarten. Drittens dürften die Auswirkungen der Straffung der Geldpolitik stärker sein als vor der Krise.

Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass sich die Gleichgewichtszinssätze tendenziell nach unten verschoben haben, während die Verschuldung in der gesamten Weltwirtschaft angestiegen ist. Schliesslich haben eine Reihe von Zentralbanken bereits begonnen, ihren geldpolitischen Kurs durch andere Instrumente (als Zinserhöhungen) anzupassen. Die US-Notenbank hat beispielsweise damit begonnen, ihre Bilanz zu verkleinern. Die Europäische Zentralbank wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ihre Käufe von Vermögenswerten zurückfahren. Und die Bank of Japan wird wahrscheinlich im Rahmen ihrer Renditekurvenkontrolle weiterhin ihre Anleihenkäufe reduzieren.

Insgesamt bietet eine Kombination aus gesundem Wachstum und langsamer Anpassung der Geldpolitik einen günstigen Rahmen für die Industrie- und Schwellenländer. Aberdeen Standard Investments mahnt aber, dass Anleger auf Anzeichen achten sollten, ob sich die Fundamente dieser politischen Grosswetterlage zu verändern beginnen. Insbesondere die Inflationsentwicklung gilt es im Auge zu behalten. (Aberdden/mc)

Aberdeen Standard Investments

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