Bank of America zahlt 9,5 Milliarden in US-Hypothekenstreit

Brian Moynihan

Brian Moynihan, CEO Bank of America.

Washington / New York – Die Finanzkrise kostet die Bank of America noch einmal richtig Geld. Die US-Grossbank zahlt nach eigenen Angaben wegen strittiger Hypothekengeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007 zusammen 6,3 Milliarden Dollar an die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Zusätzlich kauft sie ihnen Hypothekenpapiere im Zeitwert von 3,2 Milliarden Dollar wieder ab.

Die Aufsichtsbehörde FHFA und die Grossbank verkündeten den Vergleich am Mittwoch. Die Behörde hatte 2011 insgesamt 18 Finanzkonzerne verklagt, die Fannie Mae und Freddie Mac Hypothekenpapiere verkauft hatten. Der Vorwurf: Die Banken hätten die darin enthaltenen Hauskredite zu rosig dargestellt. In der ab 2007 hereinbrechenden Finanzkrise verloren die Papiere massiv an Wert. In der Folge musste der Staat bei den Immobilienfinanzierern rettend einspringen.

Noch sieben Klagen austehend
Nach der Lösung des aktuellen Falls stehen noch sieben Klagen aus. Erst in der vergangenen Woche hatte die Credit Suisse einer Zahlung von 885 Millionen Dollar zugestimmt. Die Deutsche Bank hatte sich Ende vergangenen Jahres auf die Zahlung von 1,9 Milliarden Dollar geeinigt. US-Branchenprimus JPMorgan Chase zahlte für die Beilegung des juristischen Streits 4 Milliarden Dollar und kauften für weitere 1,1 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere zurück.

Die Bank of America muss besonders tief in die Tasche greifen, weil sie auch für Geschäfte des in der Finanzkrise geschluckten Immobilienfinanzierers Countrywide sowie der Investmentbank Merrill Lynch geradesteht. Im Rahmen eines am Mittwoch verkündeten Vergleichs um die Übernahme von Merrill Lynch muss die Bank of America nun 15 Millionen Dollar zahlen und deren früherer Chef Kenneth Lewis selbst 10 Millionen Dollar. Zudem darf Lewis drei Jahre lang kein börsennotiertes Unternehmen als Manager führen oder als Verwaltungsratsmitglied kontrollieren.

Kredite leichtfertig vergeben
Insbesondere wegen Countrywide war die Bank of America in den vergangenen Jahren immer wieder in teure Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Der Finanzierer hatte Kredite besonders leichtfertig vergeben.

Die grossen Banken haben für Rechtsstreitigkeiten hohe Beträge auf die Seite gelegt. Wegen des teuren Vergleichs muss die Bank of America aber noch einmal nachschiessen und rechnet für das erste Quartal mit einer Schmälerung des Gewinns vor Steuern von 3,7 Milliarden Dollar. Sie legt ihre Zwischenbilanz am 16. April vor.

Ehemaliger Chef muss für Finanzkrisen-Deal büssen
Mehr als fünf Jahre nach der verhängnisvollen Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch durch die Bank of America muss sich deren damaliger Chef für das Geschäft verantworten. Die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft wirft Kenneth Lewis vor, steigende Verluste bei Merrill Lynch vor den Anteilseignern der Bank of America verheimlicht zu haben, damit diese den Zukauf billigen.

Im Rahmen eines am Mittwoch verkündeten Vergleichs muss die Bank of America nun 15 Millionen Dollar zahlen und Lewis selbst 10 Millionen Dollar. Zudem darf Lewis drei Jahre lang kein börsennotiertes Unternehmen als Manager führen oder als Verwaltungsratsmitglied kontrollieren. Das zeitgleich eingeleitete Betrugsverfahren gegen den damaligen Finanzchef Joe Price läuft weiter.

Es ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Bankchef persönlich für Verfehlungen aus den Zeiten der Finanzkrise zur Rechenschaft gezogen wird. Wegen der Übernahme von Merrill Lynch war die Bank of America bereits in teure Rechtsstreitigkeiten mit Anlegern verwickelt und zahlte 2012 in einem Vergleich 2,4 Milliarden Dollar. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte ihr Verfahren gegen Lewis und Price im Jahr 2010 eröffnet. (awp/mc/ps)

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