Banken rechnen mit härterem Wettbewerb und neuen Konkurrenten

Banken rechnen mit härterem Wettbewerb und neuen Konkurrenten
(Bild: styleuneed / AdobeStock)

Zürich – Die Schweizer Bankenbranche sieht in der Digitalisierung laut einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eher Chancen als Risiken. Zwar erwarten die Banken stärkeren Wettbewerb, rechnen aber auch mit sinkenden Kosten und besseren Dienstleistungen.

„Die befragten Banken gehen mehrheitlich davon aus, dass die klassischen Geschäftsmodelle bestehen bleiben“, sagte der SNB-Vizedirektor Fritz Zurbrügg am Dienstag vor den Medien. Die Finanzhäuser erwarten laut Umfrage aber auch, dass sich der Wettbewerb intensiviert und neue Marktteilnehmer die Branche aufmischen.

Kredite von „Bigtechs“ wie Amazon
So rechnen die befragten Banken etwa damit, dass die Konkurrenz in Bereichen wie der Kreditvergabe härter werden dürfte. Wie im Zahlungsverkehr fürchte die Bankenbranche dabei die grossen Technologiekonzerne. Diese „Bigtechs“, zu den die SNB Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon zählt, hätten aufgrund ihrer Grösse und ihrer Hoheit über Kundendaten einen technologischen Vorsprung.

Gerade Konzerne wie Amazon seien in der Lage die Geschäftsentwicklung ihrer Firmenkunden einzuschätzen und passende Unternehmenskredite anzubieten, ergänzte dazu der bei der SNB für den Bereich Finanzstabilität zuständige Bertrand Rime. So habe der Onlinehandelskonzern in den USA bereits erste Versuche in diesem Markt gestartet.

Einfluss von „Kryptobanken“ ungewiss
Abgefragt wurden die Banken auch bezüglich neuer Technologien, auf die sie setzen, um die Digitalisierung voranzutreiben. Dabei sei etwa die oft diskutierte Blockchain-Technologie relativ weit hinten genannt worden. Es fehle bisher noch an konkreten Anwendungen und sei eher ein Thema, das erst in Zukunft relevant werde.

Aber auch die konkreten Auswirkungen neuer Bankenformen seien momentan noch schwierig zu beurteilen, sagte Zurbrügg auf die Frage, ob die gestern von der Finma erteilten Bankenlizenzen für zwei „Kryptobanken“ frischen Wind in die Branche bringen könnten. „Solche Geschäftsmodelle befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium, was den Einfluss auf den Bankensektor schwer abschätzbar macht“, so Zurbrügg.

Allgemein wollen die Banken dem steigenden Druck durch eigene Digitalisierungsmassnahmen begegnen. Dabei stünden etwa Prozesse wie die Automatisierung der Kontoeröffnung oder eine höhere Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Damit soll den „Bigtechs“ und Digitalbanken der Markteintritt zumindest erschwert werden.

Die von der SNB durchgeführte Umfrage unter 34 Schweizer Banken zu Digitalisierung und neuen Finanztechnologien (Fintech) umfasste überwiegend Finanzhäuser, die im Kredit- und Einlagengeschäft tätig sind und laut SNB rund 80 Prozent des Bankensektors abdecken. (awp/mc/ps)

SNB

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