Bellevue Asset Management: Wo sich defensive Werte in turbulenten Zeiten finden

André Rüegg
André Rüegg, CEO Bellevue Group und Bellevue Asset Management. (Foto: zvg)

Küsnacht – Der asiatische Gesundheitsmarkt steht vor einem neuen Wachstumsschub. Nicht nur Japan hält sich weiterhin an der Spitze der Technologieführerschaft, sondern auch China wird dank konsequenter Reformen der Regierung zum neuen Innovationslabor im Gesundheitswesen. Insbesondere chinesische Gesundheitsfirmen dürften gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen. Die Portfoliomanager Oliver Kubli und Remo Krauer von Bellevue Asset Management haben die vielversprechendsten Anlageopportunitäten im Visier.

Asien war der Ausgangspunkt der globalen Coronakrise. Für den Gesundheitssektor in der Region ist die Covid-19-Pandemie aber zugleich der Katalysator für digitale Technologien. Unternehmen aus dem chinesischen Internet-Healthcare-Sektor wie Ping An Healthcare und Alibaba Health konnten während des Lockdowns in China deutlich höherer Online-Konsultationen verzeichnen. Somit wurde der Digitalisierungstrend im Gesundheitswesen weiter beschleunigt.

Defensive Qualitäten in Börsenturbulenzen
Unsere regionalen Strategiefonds BB Adamant Asia Pacific Healthcare und BB Adamant Emerging Markets Healthcare (80% Asia Exposure) haben sich sowohl absolut als auch im Vergleich zum breiten Markt seit Jahresbeginn (Stand Ende April) sehr erfreulich entwickelt. Die beiden Fonds legten in USD 11.9% resp. 9.7% zu, während der breite Asia-Pacific-Markt um 14.4% resp. Emerging Markets um 17.1% an Wert einbüssten.

Vor allem seit Mitte März, als die Börsen nach der vorangegangenen ersten Ausverkaufswelle auf Erholungskurs gingen, entwickelten sich die Aktien aus dem Gesundheitssektor besser als der Gesamtmarkt. Einer der Hauptgründe ist die zunehmende Visibilität der weitgehend gut finanzierten Gesundheitsbranche unter den Investoren, aber auch in der breiten Öffentlichkeit. Darüber hinaus wird die Wichtigkeit eines funktionierenden Gesundheitssystems durch den Ausbruch der Pandemie klar vor Augen geführt. Medikamentenentwickler und Medizintechnikfirmen werden als Lösungsanbieter der Krise wahrgenommen.

Asiatische Firmen mit Covid-19-Therapien
So entwickelt die chinesische Firma Innovent Biologics monoklonale Antikörper für die Immunisierung gegen Covid-19. Takeda Pharma aus Japan und CSL aus Australien wiederum greifen mit Immunglobulinen auf ein bewährtes Verfahren zurück, um Wirkstoffe zur körpereigenen Immunabwehr zu entwickeln. Wuxi Biologics und Samsung Biologics verfügen über Produktionsanlagen von Weltklasse für die Medikamentenherstellung. Dr Reddy’s aus Indien produziert ein altes Malariamedikament, welches derzeit gegen das Coronavirus getestet wird. Der japanische Pharmakonzern Chugai strebt mit Actemra, einem gegen Autoimmunkrankheiten zugelassenen Medikament, den Markteintritt als letztes Mittel gegen Überreaktionen des Immunsystems an, die bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten häufig zum Tod führen. Aber auch in der Medizintechnik und Diagnostik haben asiatische Firmen bei Schutzbekleidung, Beatmungsgeräten und Testkits eine globale Kundschaft. So verkauft Mindray aus China seine Beatmungsgeräte auch in die USA. Das malaysische Unternehmen Top Glove produziert jährlich 73 Mrd. Schutzhandschuhe und baut die Kapazität sogar auf 90 Mrd. aus.

Innovationslabor China
Chinesische Gesundheitsfirmen dürften gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen. Die Staatsführung in Peking sieht sich in ihrem eingeschlagenen Kurs bestätigt, die heimische Industrie effizienter, qualitativ besser und integrativer auszurichten. Die Biomedizin und die Medizintechnik zählen hier zu den 10 Sektoren, denen im Rahmen des Programms „Made in China 2025“ eine Schlüsselrolle zukommt. Angelehnt sind die staatlichen Vorgaben für strukturelles Wachstum am deutschen Industrieplan 4.0. Im Kern geht es auch darum, die wichtigsten Schritte der Wertschöpfungskette selbst zu besetzen. Der inländische Anteil der in den einzelnen Branchen verwendeten Kernmaterialien soll sich bis 2025 auf 70% erhöhen.

Strategisch und finanziell nimmt der Staat eine führende Rolle ein. Bei den Medikamenten hat er mit Erfolg über Auktionsverfahren und zentralisierte Einkäufe die Preise für generische Arzneien gesenkt. Das freiwerdende Kapital wird in Forschung und Entwicklung kanalisiert. Diese Investitionen werden sich in den nächsten Jahren auszahlen: Belief sich der Anteil der selbst entwickelten Arzneien mit Patentschutz 2018 auf 40% von allen Medikamenten, wird dieser Anteil 2023 bei 65% liegen.

Unsere Portfoliofirma Innovent ist ein Paradebeispiel für den Aufstieg eines chinesischen Biotechunternehmens. Die Firma hat eine Entwicklungspipeline gegen Krebs, Immun- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgebaut. Das Krebsmittel Sintilimab wurde im Dezember 2018 in China als zweite lokal entwickelte Immuntherapie zur Behandlung des Hodgkin-Lymphoms zugelassen. Das Präparat lieferte zudem positive Wirksamkeitsdaten als Kombinationstherapie gegen Lungenkrebs. Wuxi Biologics, eine weitere Portfoliofirma in unseren beiden Fonds, ist dagegen zu einem internationalen führenden Wirkstoffproduzenten für internationale Konzerne avanciert und verfügt dabei über eine eigene Technologieplattform.

Japan – das demografische Labor
Die japanische Bevölkerung hat den weltweit höchsten Anteil an über 65-Jährigen, wovon auch in diesem Land insbesondere der Gesundheitssektor profitiert.

Der Pharmakonzern Eisai verfügt über das weltweit grösste Wissen in der Alzheimerforschung. Gibt die US-Behörde FDA in diesem Jahr grünes Licht, würde Eisai zusammen mit US-Partner Biogen das erste zugelassene Alzheimer-Medikament verkaufen, welches den Krankheitsverlauf aktiv beeinflusst. Aber auch in der Krebsmedizin, der Gentherapie und den seltenen erblichen Erkrankungen sind Konzerne wie Astellas Pharma, Chugai Pharma oder Daiichi Sankyo unterwegs.

Die Medizintechnik ist ein weiteres Feld, in dem japanische Firmen etwa bei Stents, Kathetersystemen und bildgebenden Verfahren eine führende Rolle spielen. Olympus, eine unserer grössten Fondspositionen, hat sich in den vergangenen Jahren strategisch und finanziell neu aufgestellt. Der Konzern ist mit einem Marktanteil von 70% globaler Technologieführer bei Endoskopen. Dank eines neuen Produktzyklus wird Olympus in den nächsten Jahren einen neuen Wachstumsschub generieren. Dafür sorgen Innovationen wie ein 3-D-Endoskop für den Magentrakt, das über eine Technologie für die Visualisierung von Blutgefässen und über Erkennungssoftware verfügt, die mit Anwendungen für künstliche Intelligenz kompatibel ist.

Aktuelle Positionierung unserer Fonds
Im aktuellen Marktumfeld sind unsere Fondspositionen im Verhältnis zu den Wachstumsperspektiven der nächsten Jahre historisch günstig bewertet. Das gilt vor allem für unsere chinesischen Beteiligungen. Im BB Adamant Asia Pacific Healthcare (LU1587984847) wird das aggregierte Umsatzwachstum unserer Beteiligungen auf Sicht der nächsten drei Jahre auf 20.8% geschätzt. Demgegenüber steht ein PEG-Ratio, also das Verhältnis von KGV zu Gewinnwachstum, von 1.3. China, mit 40% die grösste Ländergewichtung im Fonds, kommt auf ein PEG-Ratio von 0.9 bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 37%.

Insgesamt sehr attraktiv bewertet sind auch die Portfoliopositionen im BB Adamant Emerging Markets Healthcare (LU1585228452). Hier kommt China bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 36% auf ein PEG von 0.9, während das Fondsportfolio in der Summe ein PEG-Ratio von 1.1 bei einem erwarteten Erlösplus von 29.3% aufweist. In diesem Produkt sind chinesische Firmen mit einem Anteil von 59% noch höher gewichtet. (Bellevue Asset Management/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.