Börsenspezialist Felix Haupt über Options- und Wandelanleihen: Anlagealternativen in Zeiten der Zinswende

Börsenspezialist Felix Haupt über Options- und Wandelanleihen: Anlagealternativen in Zeiten der Zinswende
(Bild: Fotolia, Marco2811)

Anleger befinden sich aktuell in einem Dilemma. Auf der einen Seite waren die Zinsen in den vergangenen zehn Jahren so niedrig, dass sich festverzinsliche Anleihen kaum gelohnt haben und vornehmlich Investitionen in Sachwerte gefragt waren. Auf der anderen Seite deutet die aktuell starke Inflation darauf hin, dass nach der FED nun auch die EZB mittelfristig die Leitzinsen anheben wird. Damit ist auf absehbare Zeit mit einer Attraktivitätssteigerung festverzinslicher Investments wie Anleihen zu rechnen.

Von Felix Haupt (www.felix-haupt.com)

Für Anleger stellt sich nun die Frage, wie sie ihr Portfolio in der aktuell unsicheren Zeit am besten diversifizieren. Als immer gefragtere Möglichkeit etablieren sich dabei Options- und Wandelanleihen. Wodurch sie sich auszeichnen und worauf man bei einer Investition achten muss, wird im Folgenden erklärt.

Was sind Anleihen?

Unter dem Begriff Anleihe fasst man verschiedene Arten von Schuldverschreibungen zusammen. Dabei stellt der Anleger dem Anleiheemittenten für eine bestimmte Laufzeit eine bestimmte Summe zur Verfügung, wofür er im Gegensatz einen festen Zinssatz und am Ende der Laufzeit sein investiertes Kapital zurückerhält.

Begeben werden Anleihen von verschiedenen Institutionen. Zuallererst ist hier der Staat zu nennen, der langfristige Staatsanleihen, aber auch kurzfristige Obligationen und Schatzanweisungen ausgibt. Doch auch Banken und Unternehmen begeben Anleihen, um ihre kurz- bis mittelfristigen Finanzierungsbedarfe zu decken.

Festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen sind vor allem in Zeiten hoher Zinsen lukrativ, da sie Anlegern eine langfristig sichere Rendite bieten, die durch die Zinsfestschreibung auch in Zeiten sinkender Zinsen garantiert wird. In der jüngeren Vergangenheit hat sich die Investition in Anleihen aufgrund der niedrigen Zinsen jedoch kaum noch gelohnt, weshalb Werte wie Aktien und Immobilien in den Fokus vieler Anleger gerückt sind.

Besonderheiten von Optionsanleihen

Eine Optionsanleihe funktioniert grundsätzlich genauso wie eine konventionelle Anleihe, allerdings räumt sie dem Inhaber zusätzlich das Recht ein, innerhalb eines festgelegten Zeitraums eine bestimmte Anzahl von Aktien des Herausgebers zu einem vorab festgelegten Börsenkurs zu erwerben. Die Besonderheit besteht dabei darin, dass man von dem Bezugsrecht Gebrauch machen kann, aber nicht muss. Sinnvoll ist die Nutzung dann, wenn man von einer Kurssteigerung der Aktie ausgeht. Erwartet man stagnierende oder fallende Kurse, lässt man den Optionsscheine einfach verfallen.

Unabhängig von der Vorgehensweise, läuft die Anleihe zusammen mit der Verzinsung und der Rückzahlung am Laufzeitende unbeeinflusst weiter. Es handelt sich also um eine Anlage mit einer festverzinslichen und einer derivativen Komponente. Der Anleger profitiert auf der einen Seite von Sicherheit, kann auf der anderen Seite aber auch ohne Risiko Renditechancen wahrnehmen.

Warum geben Unternehmen Optionsanleihen heraus?

Für Unternehmen bringen Optionsanleihen den Vorteil einer günstigeren Finanzierung mit sich, da sie damit ihre Zinszahlungen im Vergleich mit denen von normalen Anleihen reduzieren können. Wird die Option ausgeübt, wirkt sich die Ausgabe der entsprechenden Aktien zudem nicht auf die Liquidität des Unternehmens aus, da es sich bilanziell lediglich um einen Passivtausch zwischen Fremd- und Eigenkapital handelt. Schulden werden also in Eigenkapital umgewandelt. Ein weiterer Vorteil von Optionsanleihen für Unternehmen besteht darin, dass sie gewinn- und steuerschmälernd sind.

Ausgegeben werden Optionsanleihen oft im Rahmen bedingter Kapitalerhöhungen. Aktiengesellschaften sammeln dabei frisches Eigenkapital ein, indem sie neue Aktien ausgeben. Wie hoch die Emission ausfällt, ist davon abhängig, wie viele Anleger ihre Optionen nutzen. Mit der Ausgabe geht also immer eine gewisse Unsicherheit einher. Da Optionsanleihen in den meisten Fällen mit dem Recht auf Aktienbezug ausgegeben werden, ist zudem die Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich.

Welche Vor- und Nachteile bieten Optionsanleihen Anlegern?

Optionsanleihen verbinden die Vorteile von Aktien und Anleihen miteinander. Steigt der Aktienkurs, kann der Anleger durch Ausnutzung der Hebelwirkung eine höhere Rendite erzielen. Sinken die Aktienkurse, wird der Optionsschein im schlimmsten Fall wertlos, auf die Zins- und Rückzahlungen der Anleihe gibt es aber keine Auswirkungen. Bei entsprechender Marktlage besteht auch die Möglichkeit, den Optionsschein getrennt von der Anleihe zu verkaufen. Damit genießt der Inhaber ein größtmögliches Maß an Flexibilität. Zu guter Letzt ist der Kapitaleinsatz geringer als bei einem Direktkauf der Aktien an der Börse.

Ein Nachteil der Anleihe besteht darin, dass die feste Verzinsung aufgrund der zusätzlichen verbrieften Option niedriger ist als bei herkömmlichen Schuldverschreibungen. Zudem gibt es keine Berechtigung zum Empfang von Dividenden und bei Kursrückschlägen und Nichtinanspruchnahme des Optionsscheins droht ein Kapitalverlust.

Für welche Anleger sind Optionsanleihen geeignet?

Hier kommt es ganz auf die Renditevorstellungen des Anlegers an. Je kreditwürdiger eine Aktiengesellschaft ist, desto sicherer ist die Anleihe, desto geringer fällt aber auch der Zins aus. Hält man seine Anleihe bis zur Fälligkeit, kann man keinen Verlust machen, sofern das Unternehmen zahlungsfähig bleibt. Insofern ist die Anlageform gut für sicherheitsorientierte Anleger geeignet, die gleichzeitig von der Entwicklung einzelner Aktien profitieren wollen.

Welche Unterschiede bestehen zur Wandelanleihe?

Die Funktionsweise einer Wandelanleihe unterscheidet sich dahingehend von der einer Optionsanleihe, dass kein zusätzliches Recht auf Aktienbezug verbrieft wird, sondern ein Recht, das genannte Papier zum Fälligkeitstermin komplett in bestimmte Aktien umzutauschen. Dabei ist festgelegt, um welche und um wie viele Aktien es sich handelt.

Wenn der Inhaber nicht von seinem Wandlungsrecht Gebrauch macht, erhält er über die gesamte Laufzeit einen festen Zinssatz und später bei Fälligkeit den Nominalbetrag der Anleihe zurück. Wenn er hingegen sein Wandlungsrecht wahrnimmt, verkauft er die Anleihe und erhält dafür eine bestimmte Anzahl von Aktien. Wenn der Preis der Aktien multipliziert mit ihrer Anzahl über dem Wert der Anleihe liegt, macht der Inhaber Gewinn, andernfalls Verlust.

Die Wahrnehmung des Wandlungsrechts ist vor allem dann sinnvoll, wenn man von steigenden Kursen ausgeht. Es kann aber auch sinnvoll sein, die Anleihe zu halten, selbst wenn der Kurs der Aktie über dem Wandlungspreis liegt. Das gilt vor allem dann, wenn die mit der Anleihe erzielte Rendite deutlich höher ist als die durch den Kursgewinn und die Dividende der Aktie.

Hinweis: Grundsätzlich handelt es sich bei Wandelanleihen um komplexe Finanzprodukte, die für erfahrene Anleger geeignet sind. Sicherheitsbewusste Einsteiger sollten eher klassische Anleihen oder im Fall einer stärkeren Renditeorientierung Aktien wählen. Auch Fonds stellen eine gute Alternative dar.

Die wichtigsten Begrifflichkeiten

Beschäftigt man sich eingehender mit Optionsanleihen, trifft man früher oder später auf Begriffe wie Strike, Call oder Put. Ihre Bedeutung sollte man genau kennen, um die Anlageform korrekt zu nutzen.

Strike: Der Strike steht für den Ausübungspreis des Optionsscheins. Er regelt den Preis, zu dem der Basiswert bei einer Ausübung der Option ge- oder verkauft werden kann.

Call: Ein Call-Optionsschein verbrieft das Recht, den jeweiligen Basiswert künftig zu einem festgelegten Ausübungspreis zu kaufen. Mit einer Call-Option setzt man auf einen Kursanstieg, da man nur profitiert, wenn der zukünftige Kurs über dem Ausübungspreis liegt.

Put: Ein Put-Optionsschein berechtigt den Inhaber, den jeweiligen Basiswert in Zukunft zu einem vorab definierten Preis zu verkaufen. Mit dieser Variante setzt man auf künftige Kursverluste. Man profitiert nur, wenn der Kurs in der Zukunft unter dem Ausübungspreis liegt.

Prämie: Als Prämie bezeichnet man den Preis eines Optionsscheins. Sie ist von der Wahrscheinlichkeit abhängig, mit der der Ausübungspreis am Laufzeitende über- bzw. unterschritten wird.  Hierbei gilt, dass die Wahrscheinlichkeit von Kursschwankungen proportional zur Länge der Laufzeit ist. Entsprechend ist bei zwei ansonsten identischen Optionsscheinen derjenige mit der längeren Laufzeit immer teurer.

Die Differenz zwischen dem Basiswert- und Ausübungspreis bekommt man am Ende der Laufzeit ausgezahlt. Zur Gewinnermittlung muss dann nur noch der Preis des Optionsscheins abgezogen werden.

Zinssatz: Die Höhe des Zinssatzes gibt an, wie hoch die Rendite der Anleihe ist. Grundsätzlich gilt, dass die Zinsen umso niedriger sind, je sicherer die Anleihe ist. So bieten etwa Anleihen von Krisenstaaten höhere Zinsen, allerdings ist das Risiko eines Zahlungsausfalls höher.

Rückzahlungsmodalitäten: Üblicherweise erfolgt die Tilgung endfällig. Das heißt, dass der Inhaber am Ende der Laufzeit den Gesamtbetrag vom Emittenten zurückgezahlt bekommt. Daneben gibt es z. B. auch Raten- und Annuitätenanleihen, die bereits während der Laufzeit getilgt werden.

Laufzeit: Die Laufzeit gibt an, wann das eingezahlte Kapital zurückgezahlt wird. Grundsätzlich gilt, dass mit steigender Laufzeit die Zinsen höher sind.

Bezugsfrist: Die Bezugsfrist ist der Zeitraum, in welchem der Inhaber der Anleihe sein Recht auf Aktienbezug ausüben kann. Er ist im Normalfall kürzer als die Laufzeit.

Bezugsverhältnis: Das Bezugsverhältnis gibt an, in welchem Verhältnis die Aktien bezogen werden können. Z. B. können bei einem Verhältnis von 1 zu 2 für 5 Optionsscheine pro Anleihe insgesamt 10 Aktien gekauft werden.

Bezugskurs: Der Bezugskurs gibt an, zu welchem Preis innerhalb der Bezugsfrist Aktien bezogen werden können – z. B. 50 Euro.

Fazit

In Zeiten einer unsicheren Zinssituation stellen Options- und Wandelanleihen eine Möglichkeit dar, einerseits von der Sicherheit festverzinslicher Wertpapiere, andererseits aber auch von den Renditepotenzialen von Aktien und vergleichbaren Basiswerten zu profitieren. Für Einsteiger sind dabei eher Optionsanleihen geeignet, da sie etwas mehr Flexibilität und Sicherheit bieten. Wandelanleihen sollten eher von erfahrenen Anlegern in Anspruch genommen werden.


Über Felix Haupt
Felix Haupt von der BeJoCo Finanzinformationen GmbH ist Trading- und Börsenexperte. Er verfügt über jahrelange Erfahrung mit verschiedensten Anlageklassen und teilt sein Wissen unter anderem mit seinem erfolgreichen Börsenbrief. Damit kann jeder Interessierte nachvollziehen, wie man durch den Kauf von Aktien und Hebelscheinen ein erfolgreiches Depot aufbaut. Neben seiner Arbeit an der Börse verfügt Felix Haupt auch über umfangreiche Erfahrungen im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. https://felixhaupt.com/

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