Edelmetall-Experte sagt, was von Gold in 2026 zu erwarten ist
Gold hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Veränderung, buchstäblich einen Machtwechsel im Portfolio vieler Anlegerinnen und Anleger, vollzogen. Im Wechsel zwischen Rekordniveau und Rückkehr zur Normalität, setzte es im Januar dieses Jahres ein neues Ausrufezeichen: Spot-Gold lag am 27. Januar 2026 bei rund 5.060 Dollar je Unze und hatte am Vortag ein Rekordhoch um 5.110 US-Dollar markiert. In Euro bewertet entspricht das rund 4.283Euro/Unze. (Je nach Kursquelle und Zeitpunkt).
Genau beobachtet von Ronny Wagner, Edelmetall-Experte aus Schwarzheide, der eine entsprechende Analyse abgibt. Auf Jahressicht legte der Goldpreis in Euro um rund 47 Prozent zu, in Dollar sogar um etwa 68 Prozent. Damit übertraf Gold die Erwartungen vieler Marktbeobachter deutlich und etablierte sich erneut als zentrale Anlageklasse in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld.
Gold schlägt Aktien – trotz sinkender Inflation, aber steigendem Vertrauen
Seit dem Sommer 2021, als die Inflationsdynamik weltweit deutlich anzog, stieg der Goldpreis in Euro um mehr als 130 Prozent. Im gleichen Zeitraum betrug die Teuerungs-Rate lediglich 22 Prozent. Gold erfüllte damit nicht nur seine Rolle als Inflationsschutz, sondern lieferte eine reale Überrendite.
Interessant dabei: Gold performte zuletzt auch dann stark, als die Inflation deutlich ruhiger wurde – in der Eurozone 1,9% im Dezember 2025. Zum Vergleich: Der globale Aktienindex MSCI ACWI legte – in Euro gerechnet und inklusive reinvestierter Dividenden – lediglich um 43 Prozent zu.
Was Gold-Spezialist Wagner bemerkenswert findet, ist die Tatsache, dass sich die Aufwärtsbewegung des Goldpreises zuletzt sogar verstärkte, obwohl der Inflationsdruck nachliess. Ausschlaggebend war vielmehr die Erwartung künftiger Zinssenkungen, insbesondere in den USA. Sinkende Zinsen reduzieren die Opportunitätskosten einer Goldanlage, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Die Experten-Meinung geht dahin, dass die Aufwärtsbewegung weniger an Konsumpreisen, als an Zinserwartungen, realen Renditen und politischer Volatilität hängt.
Nachfrageparadox: ETFs zögern, Zentralbanken kaufen
Ein Blick auf die von ETFs gehaltenen Goldbestände offenbart ein Paradox. Während der Hochphase der Inflation blieb das Interesse vieler Investoren verhalten. Erst seit März des vergangenen Jahres ist wieder ein deutlicher Zufluss zu beobachten – zu einem Zeitpunkt, als die Inflation bereits weitgehend gebrochen war. In der Phase stark steigender Zinsen hatten viele Anleger Anleihen mit attraktiven Renditen bevorzugt. Trotz dieser zeitweise sinkenden Beliebtheit bei privaten und institutionellen Investoren, setzte der Goldpreis seinen Anstieg fort. Treiber waren vor allem massive Käufe der Zentralbanken, die Gold zunehmend als strategische Reserve und als Absicherung gegen geopolitische und währungspolitische Risiken nutzen. Die World Gold Council-Daten zeigen, dass im 3. Quartal 2025 netto 220 Tonnen und auch in einzelnen Monaten wie dem August + 19 Tonnen netto zusätzlich eingekauft wurden.
Gold ein Krisenthermometer, aber kein Wohlstandsversprechen
Der Wirtschaftshistoriker Harold James von der Princeton University warnt dagegen davor, Gold als perfekte Langfristanlage zu verklären. Gold sei weniger ein stabiler Wertspeicher als vielmehr ein „Thermometer für Konflikte“. Historische Beispiele stützen diese Sicht: In den 1990er-Jahren, nach dem Ende des Kalten Krieges, fiel der Goldpreis deutlich. Um die Jahrtausendwende notierte er bei unter 300 Dollar je Unze, und über lange Zeiträume blieb seine Wertentwicklung sogar hinter der Inflation zurück. Erst die Finanzkrise 2008 und später die Corona-Pandemie sorgten für einen sprunghaften Preisanstieg. Auch der Vergleich zu Aktien ist deutlich: Während Gold in den letzten 12 Monaten laut Marktbeobachtung um rund 83 Prozent gestiegen ist, liegt der MSCI ACWI Net Return (EUR) über eine Laufzeit von 12 Monaten bei (plus)6,86 Prozent. Wie sagt der Experte: „Phasen relativer geopolitischer Entspannung drücken Gold, Phasen von Systemstress treiben es.“
Zinsen, Dollar und der Blick nach vorne
Was Gold Spezialist Ronny Wagner (Noble Metal Factory) besonders interessiert: Die Aufwärtsbewegung hängt 2026 weniger an Konsumpreisen, sondern an Zinserwartungen, realen Renditen und politischer Volatilität. Genau das beschreibt auch die aktuelle Marktberichterstattung: Save-Heaven-Nachfrage, Geo-Spannungen, Dollar-Schwäche als auch Nervosität vor Notenbanken-Entscheidungen. Und: „Ein möglicher starker Dollar als Gegenwind ist gerade kein Naturgesetz, sondern eine Momentaufnahme.“ Gold bekommt Rückenwind, wenn der US-Dollar ackelt und reale Renditen nicht attraktiv genug sind, um Risiken zu belohnen.
Goldpreis-Prognose 2026: Bandbreite statt Punktlandung
Im Fokus der Marktteilnehmer steht zunehmend die Goldpreis-Prognose für 2026. So wie viel andere geht R. Wagner davon aus, dass sich der Preis zunächst auf hohem Niveau stabilisiert, bevor mittelfristig ein Abwärtstrend einsetzen könnte. Die LBMA hat dazu ihre Annual Precious Metals Forecast Survey für 2026 veröffentlicht: Die Botschaft ist eindeutig – Erwartet wird eine hohe Volatilität gepaart mit möglichen Hochs um 6.000-7.000 US-Dollar als Spitzenwerte im Jahresverlauf. Die Deutsche Bank beispielsweise hob jüngst ein Ziel von 6.000 US-Dollar bis Ende 2026 hervor.
Ronny Wagners Position (5.000 US-$ +) ist somit nicht einfach exotisch, sondern bewegt sich im Spektrum dessen, was der Markt 2026 zumindest für möglich hält. Auch der Silberpreis eskaliert in diesen Wochen gerade mit Höchstständen, wobei der Spot-Preis zuletzt im Hoch bei 108 US-Dollar lag, aber auch deutlich einbrechen kann, wie zuletzt zu sehen war.
Zusammenfassung des Experten:
Die Goldpreis-Prognose 2026 vereint mehrere Facetten: Kurzfristigen Rückenwind durch erwartete Zinssenkungen, Safe-Haven-Nachfrage, politische Brüche und unsicherer Dollar.
Mittelfristige Stolpersteine durch einen möglichen stärkeren Dollar und langfristig die Rückkehr zu niedrigeren Niveaus – also klare Korrektur. Für Investoren stellt sich damit die strategische Frage, ob sie die aktuelle Stärke des Goldpreises nutzen – oder bereits heute den möglichen Abschwung der kommenden Jahre einkalkulieren sollten. Ronny Wagner sieht Gold strukturell bullish: Zentralbank-Nachfrage und Reserve-Diversifikation bleiben ein Fundament, ETFs gewinnen wieder an größerer Bedeutung. Mit seinem Unternehmen Noble Metal Factory sieht er weiterhin ein ungebrochenes Käuferinteresse von Seiten unzähliger Kunden und Kundinnen. In diesem Jahr wirkt Gold nicht wie ein Hype, sondern wie eine Versicherung, auf die jeder wieder zurückgreifen will, nachdem es schon „gebrannt“ hat. (RW/mc/hfu)