EY: Zusammenarbeit mit FinTech zentral für langfristigen Erfolg im Investmentbanking

Stéphane Muller
Stéphane Muller, Leiter Financial Services Romandie & Tessin von EY Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Investmentbanken, die auf Innovation und Zusammenarbeit setzen, könnten ihr Geschäft ausbauen, optimieren, schützen und steuern, wie es bisher nicht möglich war – so die Feststellung eines neuen Berichts von EY und der Finanztechnologieorganisation Innovate Finance – «Capital Markets, innovation and the FinTech landscape»*.

Die Verfasser führen aus, wie Investmentbanken durch eine engere Zusammenarbeit mit FinTech-Unternehmen vor dem Hintergrund der schrumpfenden Kapitalrenditen (ROE) ihren Marktansatz verbessern und dem Rückgang der Kapitalerträge Einhalt gebieten könnten. 2015 sanken die Renditen der Investmentbanken um 4% im Vergleich zum Vorjahr. Der durchschnittliche ROE der 14 führenden weltweit tätigen Investmentbanken ging dabei von 7,8% auf 6,3% zurück. Der typische Eigenkapitalkostensatz von Investmentbanken würde 10-12% betragen.

Risikoaverse Investitionskultur
«In der Schweiz sind die Investitionen in FinTech Startups um 50% auf CHF 130 Millionen in 2015 (von CHF 86 Millionen in 2014) gestiegen. Im Vergleich dazu wurden in UK 2015 CHF 550 Millionen in FinTech Startups investiert. Während Investitionen in frühen Gründungsphasen in der Schweiz funktionieren, fehlt es hierzulande an Wagnis- und Wachstumsfinanzierung für Startups. Dies ist zu einem grossen Teil auf unsere risikoaverse Investitionskultur zurückzuführen,» sagt Stéphane Muller, Leiter Financial Services Romandie & Tessin von EY Schweiz.

Die besten kurzfristigen Chancen dürften in Bereichen wie Robotik-Prozessautomatisierung (RPA), moderner Analytik, digitaler Transformation und der Auslagerung von Prozessen und Dienstleistungen liegen. Die im Rahmen der Studie befragten Personen waren der Ansicht, dass Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Smart Contracts basierend auf Blockchain mittelfristig für grundlegende Veränderungen sorgen, es jedoch länger dauert, bis daraus Kapitalrenditen entstehen. Ebenfalls ausgeführt wird, wie Partnerschaften zwischen FinTechs und Investmentbanken zur Senkung struktureller und operativer Kosten beitragen, die Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorschriften verbessern, die Innovation von Produkten und Dienstleistungen fördern und letztlich noch mehr Wert für die Anteilsinhaber liefern können.

David Williams, EY Capital Markets Innovation Leader: «Dieser Bericht hebt die Chancen hervor, die sich für FinTechs und Kapitalmarktunternehmen aus einer engeren Zusammenarbeit ergeben. Es besteht kein Mangel an innovativen Ideen – viele sind dank der verfügbaren Technologie jetzt auch viel leichter umsetzbar. Wir kannten bereits den Erfolg der FinTech in Finanzdienstleistungen für Privatkunden, nun nehmen aber auch die Gelegenheiten für eine Zusammenarbeit mit Kapitalmarktunternehmen rasant zu. Investmentbanken erkennen allmählich, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der FinTech-Branche ist, und nutzen die innovativen Ideen und die entsprechende neue Technologie. Vorteilhaft ist auch, dass ein Grossteil der Forschung und Entwicklung unternehmensextern finanziert wurde.»

Angesichts der anhaltenden Herausforderungen der Investmentbanken wie etwa Strukturkosten, aufsichtsrechtliche Reformen oder Einhaltung des Verhaltenskodex und der Kapitalanforderungen wurde dem Thema Innovation in den letzten Jahren keine sehr grosse Beachtung geschenkt. Jetzt steht die Branche jedoch vor einer besonders schwierigen Frage: Einerseits ist Innovation wesentlich, um neue Chancen zu ergreifen, andererseits sind die alten Herausforderungen immer noch nicht endgültig gemeistert.

Gleichzeitig hält das Reformtempo an. Der demografische Wandel bietet immer mehr Chancen für unternehmerisches Wachstum. Die Zahl der Endverbraucher von Finanzdienstleistungen steigt stetig und auch die Globalisierung des Handels schreitet zügig voran. Vor diesem Hintergrund halten Investmentbanken an ihrem Zweck fest: die Realwirtschaft mit Kapital zu versorgen, den Handel zu erleichtern und Risiken zu steuern.

Imran Gulamhuseinwala, EY Global FinTech Leader: «Es besteht weiterhin der Wille einer Kooperation zwischen Investmentbanken und FinTech-Unternehmen. Es gibt jedoch praktische Herausforderungen bei der Umsetzung von Ideen aus dem Labor in die Produktion. FinTech-Unternehmen haben noch nicht genug Erfahrung hinsichtlich Geschäftsbeziehungen mit grossen, komplexen Investmentbanken. Investmentbanken wiederum brauchen eine Top-down-Kultur, die Innovation fördert, und müssen akzeptieren, dass es keine Neuerung ohne Risiko gibt.»

Lawrence Wintermeyer, CEO von Innovative Finance: «Viele Investmentbanken arbeiten mit innovativen FinTech-Unternehmen zusammen, um besser zu erkunden, wie sie ihr Geschäft verbessern können. Das ist ermutigend. Wir sind überzeugt, dass das FinTech-Umfeld noch weiteres Interesse erregen wird, da Banken versuchen, einige der neu aufkommenden, bahnbrechenden Technologien auszuschöpfen. Angesichts des Risikos, beim zunehmenden Technologieeinsatz im weiteren Investmentbanken-FinTech-Umfeld den Anschluss zu verlieren, sind die Kosten für die Investition in eine Zusammenarbeit gering.»

Ferner vermerken die Verfasser des Berichts, dass Regulierer FinTech-Lösungen bei Problemen von Investmentbanken zunehmend unterstützen und sich zugleich selbst immer mehr aufsichtsrechtlich vernetzen, wie es etwa das Beispiel Grossbritannien – Singapur – Australien zeigt. Dazu Williams: «Für Investmentbanken sind grundlegende Innovationen nicht länger ein Kann, sondern ein Muss. Banken können sich nicht über Nacht verändern. Jetzt getroffene Entscheidungen werden die Zukunft prägen. Wir rechnen damit, dass die Investmentbank von morgen völlig anders aussieht. Die Banken mit dem smartesten Ökosystem sollten als Sieger aus dem Rennen gehen.» (EY/mc)

*Die Analyse und die Empfehlungen in diesem Bericht stammen von EY. Die Grundlage dafür bildeten mehr als 40 Stakeholder-Interviews mit Investmentbanken, FinTech-Unternehmen, Regulierern und Risikokapitalgebern weltweit. 

Über die globale EY-Organisation
Die globale EY-Organisation ist eine Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.

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Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

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