Fisch Asset Management: Stabilere Finanzmarktlage, aber keine Entwarnung

Beat Thoma
Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich. (Foto: zvg)

Verschiedene, bisher zuverlässige Indikatoren signalisieren eine Stabilisierung der Lage. Das Abwärtsmomentum des ‚Weekly Fed Economic Index‘ nimmt deutlich ab und die Arbeitslosenzahlen in den USA dürften ihren Höhepunkt überschritten haben. Das ist ein entscheidender Faktor für das künftige Konsumentenvertrauen. Auch Frühwarnindikatoren wie der Kupferpreis oder die Zinskurvenstruktur liefern wieder positivere Signale. Zudem verliert der Aufwärtstrend des US-Dollar an Stärke. Dies bringt insbesondere für viele Emerging Markets eine Erleichterung und erhöhten Spielraum der lokalen Notenbanken. Zudem bleibt die Inflation weiterhin unter Kontrolle und ermöglicht weltweit eine anhaltend sehr lockere Geldpolitik.

Trotzdem behalten wir die zahlreichen, unverändert bestehenden Risiken im Auge. Speziell können eine zweite Viruswelle oder Verzögerungen bei der Impfstoffentwicklung nicht ausgeschlossen werden. Kurzfristige markttechnische Indikatoren, darunter Marktbreite und Marktstimmung, sind derzeit neutral und können sich jederzeit wieder verschlechtern. Gleichzeitig nehmen die monetären Impulse marginal ab und die Konjunktur wird auch mit einem Impfstoff in einigen Monaten nur langsam an Fahrt gewinnen.

Deshalb ist eine generelle Entwarnung nicht angebracht und Vorsicht bleibt oberstes Gebot beim Investieren. Unsere derzeitigen Präferenzen liegen in der Auswahl von Schuldnern, die von ihrer Kreditqualität her eine längere Rezession überleben können. Zudem achten wir auf Papiere mit guter Marktliquidität. Wir erhöhen aufgrund der besseren Visibilität und Indikatorenlage unser Risikoexposure in allen unseren Strategien von defensiv auf neutral. Wir berücksichtigen dabei auch regionale und sektorale Unterschiede im Erholungspotenzial. Insbesondere dürften einzelne Sektoren stärker von Impfstoffen profitieren als andere. Möglicherweise werden auch die bisher bevorzugten klassischen Wachstumssektoren an relativer Stärke verlieren zu Gunsten von Problemsektoren wie Transport- und Freizeitindustrie oder ganz allgemein des Dienstleistungs- und Konsumbereichs sowie zyklischer Sektoren. (FAM/mc)

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