FlowBank: Tesla kämpft um den chinesischen Markt

Charles-Henry Monchau
Charles-Henry Monchau, CIO bei FlowBank. (Foto: zvg)

China ist der weltweit grösste Markt für Elektroautos, das Wachstumspotenzial ist enorm. Für Tesla sei das Land daher ein wichtiges Ziel, auch wenn das Unternehmen im April Marktanteile verloren habe, so Charles-Henry Monchau von FlowBank.

Laut McKinsey wurden 2020 weltweit rund zwei Millionen Elektroautos verkauft. Mit mehr als 50% des Gesamtumsatzes macht China den Löwenanteil aus und hat verglichen mit anderen Ländern einen deutlichen Vorsprung (siehe Grafik).
«In absoluten Zahlen ist es unwahrscheinlich, dass China in Zukunft von anderen Märkten überholt wird, wenn man die Grösse seiner Bevölkerung und die Wachstumsrate seiner Mittelschicht bedenkt», meint Charles-Henry Monchau, CIO bei FlowBank. Bis 2030 könnte der Absatz von Elektrofahrzeugen allein in China rund neun Millionen Einheiten erreichen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 24% entsprechen würde.

Der weltweit grösste Markt für Elektrofahrzeuge ist das Ergebnis des politischen Willens in China. Bis 2040 will die Regierung in Peking die Produktion fossiler Brennstoffe reduzieren und der Absatz von Elektroautos soll bis 2035 von 8% auf 50% gesteigert werden. Zu diesem Zweck wurde die Ladeinfrastruktur ausgebaut, zudem wurden Kontingente und Subventionen eingerichtet. Auch mit dem Erlassen der Zulassungsgebühren für Elektroautos übt die Regierung weiteren Druck auf Bürger und Carsharing-Unternehmen aus.

China hat enorme Bedeutung für Tesla
«Wegen seiner Position als Weltmarktführer bei Elektroautos ist China ein Schlüsselmarkt für Tesla», so Monchau. Im Dezember 2020 liess das von Elon Musk geführte Unternehmen eine «Gigafactory» in Shanghai errichten, deren Finanzierung in Höhe von 614 Mio. US-Dollar angeblich bereits abbezahlt sei. «Die lokalen Investitionen scheinen bei den chinesischen Behörden relativ gut angekommen zu sein. Denn Teslas Gewinne werden lediglich mit 15% besteuert – das sind 10% unter dem Standard-Steuersatz», erklärt der Anlageexperte.

Da die chinesische Regierung die Einführung von Elektrofahrzeugen in ganz China subventionieren will, expandiert Tesla auch ausserhalb der Megastädte. Im Nordosten Chinas eröffnete das Unternehmen Vertriebszentren in Weifang und Linyi. Das Engagement im Reich der Mitte scheint sich auszuzahlen: 2020 überstiegen Teslas Verkäufe ausserhalb der USA zum ersten Mal die Inlandsverkäufe – vor allem dank China (siehe Grafik).

(Quelle: Bloomberg)

«Interessant ist auch, dass die Gewinnmargen in China viel höher sind als in anderen Märkten. Tatsächlich liegen die Bruttomargen bei Autoverkäufen in China laut dem letzten 10-Q-Report bei 26%. Konzernweit sind es 19%», sagt Monchau. Tesla erklärt diesen Unterschied vor allem damit, dass die Material- und Fertigungskosten auf chinesischem Boden viel niedriger sind.

Der Wettbewerb verschärft sich
Der chinesische Markt für Elektroautos werde jedoch immer stärker umkämpft. Lokale Anbieter wie Nio, Xpeng und Li Auto bauen ihre Marktanteile aus. Der aggressivste Konkurrent von Tesla, Nio, hat den Absatz von SUVs in der Region stetig gesteigert – und das zu niedrigeren Preisen als Tesla anbieten kann.

«Tesla arbeitet am Bau von Ladestationen in China, um besser mit Nio konkurrieren zu können, aber dieses Projekt wird schwierig zu realisieren sein. Sollte es scheitern, könnte sich dieser Wettbewerbsnachteil als sehr problematisch für Teslas China-Geschäft erweisen», erwartet Monchau. Doch auch weitere lokale Konkurrenten bedrängen den US-Anbieter in China.

(Quelle: CAIN)

Dazu komme, dass sich Tesla und seine chinesischen Konkurrenten mehr und mehr gegenüber traditionellen Autoherstellern behaupten müssen. Volkswagen plant, bis 2023 acht Elektromodelle in China einzuführen, während die Mercedes-Eigentümerin Daimler bereits einen elektrischen SUV auf den Markt gebracht hat und zehn weitere Modelle plant.

«Während Tesla den Bereich der Elektrofahrzeuge in Bezug auf den Marktanteil dominiert, haben konventionelle Anbieter klare Vorteile in Bezug auf Vertriebsnetze, Serviceleistungen, Lieferkettennetzwerke und natürlich bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Letzteres ermöglicht es ihnen, erhebliche Summen in Forschung und Marketing zu investieren», so Monchau.

Tesla kämpft mit Imageproblemen
Auf der letzten Automesse in Shanghai wurde die Zuverlässigkeit des Bremssystems von Tesla in Frage gestellt. Die chinesischen Medien berichteten ausführlich über diese Kontroverse und bezeichneten die Marke als arrogant. Tesla solle sich besser auf die Qualität seiner Fahrzeuge konzentrieren. Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung spekuliert, ob die Onboard-Kameras von Tesla zum Ausspionieren strategischer Zentren und bestimmter Persönlichkeiten genutzt werden könnte. Als Reaktion auf diese Spekulationen errichtete Tesla ein Rechenzentrum in China, auf dessen Server alle chinesischen Daten gehostet werden.

Diese Entwicklungen haben jeweils direkte Auswirkungen auf den Umsatz von Tesla – nicht nur in China, sondern weltweit. So sind beispielsweise die Zulassungszahlen von Tesla in China im April, wenige Wochen nach Beginn der Kontroversen, deutlich zurückgegangen. Der weltweite Marktanteil von Tesla sank von 29% im März auf 11% im April. Auf Monatsbasis ist dies der niedrigste Marktanteil, den das Unternehmen von Elon Musk seit Januar 2019 verzeichnet.

«Es ist China, das die Ursache für diese plötzliche Verlangsamung ist, da dort der Marktanteil von 19% im März auf 8% im April gefallen ist. Es ist daher dringend notwendig, dass Tesla reagiert, denn nichts ist mehr selbstverständlich. Die Geschichte hat gezeigt, dass in der Automobilindustrie selten derjenige gewinnt, der zuerst kommt. Oft sind es die Nachfolger, die gewinnen, weil sie aus den Fehlern des First Movers lernen», sagt Monchau. (FlowBank/mc)

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