Frankreich verliert Spitzenrating bei Moody’s

Pierre Moscovici

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici.

Frankfurt / Paris – Rückschlag für die Bemühungen um eine Beilegung der Schuldenkrise: Die US-Ratingagentur Moody’s hat Frankreich die Topbonität entzogen und die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um eine Note von «Aaa» auf «Aa1» gesenkt. Der Ausblick bleibt negativ, damit droht eine weitere Herabstufung. Moody’s begründete den Schritt damit, dass sich Frankreichs langfristige wirtschaftliche Wachstumsaussichten eingetrübt hätten.

Das Land habe an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst, teilte die Ratingagentur am späten Montagabend in Frankfurt mit. Der finanzielle Ausblick sei unsicher. Es sei auch immer weniger berechenbar, wie Frankreich künftige Schocks in der Eurozone verkrafte. Der Euro rutschte unmittelbar nach der Moody’s-Mitteilung deutlich unter die Marke von 1,28 Dollar. Bis 6 Uhr konnte sich die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas erholen und kostete zuletzt mit 1,2795 Dollar fast wieder so viel wie vor der Abstufung.

S&P bereits im Januar aktiv gewesen
Die sozialistische Regierung machte ihre konservativen Vorgänger für die Entscheidung verantwortlich. Diese reflektiere, dass die Vorgängerregierungen zu wenig für die Haushaltssanierung und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft getan hätten, kommentierte Finanzminister Pierre Moscovici. Die seit Mai amtierende sozialistische Regierung unter François Hollande habe hingegen entschlossen Reformen eingeleitet und werde dies auch weiter tun. Die französischen Staatsanleihen gehörten weiterhin zu den sichersten in der Eurozone, teilte Moscovici mit.

Ein schlechteres Rating kann die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt verteuern. Moody’s ist dabei nicht die erste Ratingagentur, die sich Frankreich vorknöpft: Standard & Poor’s hatte bereits im Januar das Land auf die zweitbeste Note von hier «AA+» abgewertet. Damit hält lediglich Fitch noch ein sogenanntes Triple-A aufrecht, wenngleich auch hier mit negativem Ausblick.

Moody’s sieht auch Positives
Die Abwertung wirkt besonders schwer, weil Frankreich zu den grössten Volkswirtschaften und Geldgebern Europas gehört. Auch andere Euroländer haben in der Schuldenkrise bereits an Bonität eingebüsst. Deutschland besitzt bei allen drei Ratingagenturen weiterhin ein Spitzenrating; bei Moody’s ist allerdings der Ausblick ebenfalls negativ. Die Bonitätswächter schauen sich den Fortgang der Schuldenkrise sehr genau an.

Moody’s betonte, dass Frankreich immer noch sehr hoch bewertet sei. Die Wirtschaft des Landes sei breit aufgestellt und es gebe einen starken Reformwillen, führte die Ratingagentur auf der Positivseite auf. Auf der Negativseite verbuchte Moody’s dagegen das ihrer Meinung nach übermässig grosse Bankensystem und die engen Handelsverflechtungen mit den Problemländern innerhalb der Eurozone.

Krise erreicht zunehmend auch Deutschland
Auch die deutsche Wirtschaft leidet unter der Krise. Unternehmen werden weniger Waren in den rezessionsgeplagten Euroländern los; die Verunsicherung steigt und Investitionen werden zurückgestellt. All das bremst das Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Wirtschaft war im ersten Quartal noch um 0,5 Prozent gewachsen, im zweiten um 0,3 Prozent. (awp/mc/ps)

 

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